Zu viele Schutzgebiete

Dienstag, 06. September. 2005

Die Planungen für die Ortsumfahrungen im Zuge der B 4 sind ins Stocken gekommen. Das wurde während einer Veranstaltung in Neustadt deutlich.

 

Anlässlich einer Informationsveranstaltung zu regionalen Verkehrsinfrastrukturmaßnahmen, dem Planungsstand der Ortsumfahrungen der Stadt Nordhausen sowie der Gemeinden Niedersachswerfen und Ilfeld unterstrich der Vorsitzende des Nordhäuser Unternehmerverbandes (NUV), Hans Joachim Junker, daß es zu keinen weiteren Verzögerungen bei der Fertigstellung der A 38 kommen darf. Gemeinsam mit dem zuständigen Minister Andreas Trautvetter, dem Landtagsabgeordneten Egon Primas, Landrat Joachim Claus und Vertretern des Straßenbauamtes Nordthüringen führte der CDU-Bundestagsabgeordnete Manfred Grund durch die Veranstaltung.

 

In der Diskussion wurde deutlich, daß die zahlreichen Schutzgebiete: Trinkwasser, FFH, Hochwasser, Naturschutz, Vogelschutz, Landschaftsschutz, Naturpark, Nationalpark, Biosphärenreservat, etc., eine wirtschaftliche und schnelle Umsetzung der geplanten Projekte sehr schwer machen. Die vollständige Fertigstellung der A 38 auf dem Streckenabschnitt von Thüringen soll nun inklusive dem Abschnitt Sollstedt im Jahr 2008 realisiert sein. Ursprünglich war die Fertigstellung für 2005 angekündigt. Beim Abschnitt Sollstedt konnte auf Grund eines FFH-Gebietes lange Zeit keine Einigkeit mit dem Naturschutzbund Deutschland über den Streckenverlauf erzielt werden.

 

Am Beispiel der geplanten Ortsumfahrung Nordhausen-Salza, vor dem Salzaquellbad, wurde deutlich wie kontraproduktiv die großflächige Belegung der Fläche des Landkreises mit den verschiedenen Schutzkategorien sein kann. Hier läuft die einzige noch mögliche geplante Trassenführung einige Meter vor einer Häuserreihe entlang. Als Lösungsansatz bot Minister Trautvetter die Rücknahme der Trinkwasserschutzzone an. Anwesende Ingenieurbüros erläuterten die Problematik der Qualität des dort vorhandenen Wassers und zeigten Alternativen zur dortigen Nutzung der Brunnen auf.

 

Der Antrag muß aber aus der Region vom zuständigen Verband gestellt werden. Der unbürokratische Vorschlag wurde von allen Teilnehmern begrüßt. Wenig Zustimmung fanden die Ausführungen von Winfried Ludolf vom Straßenbauamt Nordthüringen bezüglich des so genannten „Gelenkpunktes“ in Höhe Rosensteg in Ilfeld. Auf Grund eines FFH-Gebietes auf Höhe der Papierfabrik in Ilfeld wird das Planfeststellungsverfahren für die Tunnelvariante zur Ortsumgehung Ilfeld als sehr kritisch und langwierig gesehen. Um einen Lösungsvorschlag zu erarbeiten wäre es dringend geboten, Naturschutz, Straßenbauplanung und Wirtschaft an einen Tisch zu bringen.

 

Um nicht auch die übrigen Trassenabschnitte für Nordhausen und Niedersachswerfen zu gefährden, erfolgt derzeit das Planfeststellungsverfahren nur bis zum Gelenkpunkt Rosensteg. Somit dürfte die Ortsumgehung Ilfeld in weite Ferne gerückt sein und deutlich werden, wie zu viele Schutzgebiete dem Menschen sowie der touristischen Entwicklung des „noch“ staatlich anerkannten Erholungsortes Ilfeld nicht nur nutzen. Horst Huck vom Sachverständigenausschuss der Wirtschaft forderte das vom NUV vorgelegte Strategiepapier vollinhaltlich zur Stärkung der Wirtschaft umzusetzen, und hieran anlehnend keine weiteren Schutzrestriktionen in der Region vorzunehmen.

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