Ohne Specki-Tonne

Montag, 01. August. 2005

Erinnern Sie sich noch an die „Specki-Tonne“? In dem Vorgänger der Bio-Tonne wurden Speiseabfälle als Schweinefutter gesammelt. Das ist Geschichte, jetzt werden die Tiere automatisch ernährt.

Vier Computer steuern die Anlage von der Rohstoffannahme bis in den Schweinetrog läuft alles automatisch. Henri van Asten zeigt stolz die moderne Technik. Die Lagerkapazität hat die Tierzucht noch einmal erhöht und heute ein neues Rohkomponentenlager in Betrieb genommen. 7.500 Tonnen Getreide können hier getrocknet, später gekühlt und belüftet gelagert werden. Jetzt ist Erntezeit, da werden die Speicher bald aufgefüllt. Viele Bauern verfügen nicht über große Lagerkapazitäten, weshalb die Van Asten Tierzucht im Sommer günstig Getreide kaufen kann. 75 Prozent der benötigten Menge muß man dazukaufen, wie Steffen Sendig, allgemeiner Betriebsleiter, der nnz mitteilte. Ein Viertel des Bedarfs kommt von eigenen Ackerflächen.

 

Vom ehemaligen LPG Großbetrieb mit Championzucht und Reithalle ist nicht mehr viel übrig. Einzig der Eber am Eingang, die Steinfigur eines Hallenser Künstlers, erinnert an alte Zeiten. Auf Mitarbeiter von damals, die den Betrieb genauestens kennen, will Henri van Asten aber nicht verzichten. Dr. Friedhelm Etzrodt, 34 Jahre als Betriebsleiter tätig, berät den holländischen Unternehmer. Er erinnert sich noch genau an die Zeiten, als rund 800 Menschen die Tiere versorgten. Inzwischen arbeiten nur noch 80 Leute hier. Davon sind es acht Lehrlinge, fünf kamen diesjahr neu hinzu. Drei Tierwirte, einen Feldwirt und eine Bürokauffrau wird man ausbilden. Die Chancen auf Übernahme sind sehr gut, man habe grade erst zwei ausgelernte Auszubildende eingestellt.

 

Eigentlich seien nur drei Lehrstellen geplant gewesen, aber nach einem Gespräch mit Egon Primas ließ sich Henri van Asten überzeugen, wie wichtig ein Ausbildungsplatz für die jungen Leute der Region ist. „Tierwirt ist kein Beruf mit Fünf-Tage-Woche. Die Tiere müssen rund um die Uhr versorgt werden.“ Meint Henri van Asten. Auch daß der Bauernberuf bei den Jugendlichen nicht grade der Renner ist, weiß der Niederländer.

Vor einem Jahr trat er in den Unternehmerverband ein, nicht nur wegen des positiveren Images, Unternehmer statt Bauer zu sein. Hans-Joachim Junker als Vorsitzender des NUV sagte, daß ein traditionsreiches, landwirtschaftliches Unternehmen wie die Tierzucht dem Verband gut zu Gesicht steht. Er erinnerte auch an Van Astens großes Engagement bei der Erhaltung des Scheunenhofs in Sundhausen. Da Junker auch Geschäftsführer von Nordbrand ist, freut ihn die Zusammenarbeit besonders. Die bei der Gärung entstehende Schlempe, ein Abfallprodukt aus der Maische nach Herstellung des Rohbrandes, ist sehr eiweißreich und daher als Viehfutter beliebt. Eine Kooperation unter einheimischen Unternehmen konnte aufgebaut werden.

 

„Schweine sind als Tiere mit nur einem Magen uns Menschen ähnlich. Eigentlich sind sie direkte Futterkonkurrenten.“ Erzählt Dr. Steffen Sendig. Das, was die Tiere bekommen, wird so gut überwacht, daß es gesünderer und sauberer ist, als vieles, was wir Menschen essen. Tiermehl ist selbstverständlich tabu. Statt dessen kommen Sojaprodukte in den Trog.

 

Neun verschiedene „Schweinemenüs“ gibt es. Je nach Entwicklungszustand werden unterschiedliche Mineralstoffe und Kalorienmengen verabreicht. Wird Futter aus den in jedem Stall vorhandenen, sogenannten Satellitenküchen benötigt, wird es einfach über den Computer angefordert. In zehn Bunkern lagern die verschiedenen Mischungen. 350 Tonnen angerührtes Flüssigfutter landen in den Mägen der Schweine. Das entspricht 65 Tonnen Rohfuttersubstanz. Dieses Futter unterliegt dem Nahrungsmittelgesetz. Gern hätte Steffen Sendig davon probieren lassen, aber das wollte dann doch niemand. Appetitlich gerochen hat es auf jeden Fall, ein bißchen wie Sauerkraut oder geriebene Äpfel. Viel leckerer als früher die Tonne am Straßenrand. Deren Inhalt hätte garantiert kein Mensch mehr gegessen. Den Schweinen bekommt das Spezialfutter besser, und damit auch uns Menschen beim nächsten Grillabend am Wochenende.

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