„Das Seelano-Projekt ist eine Bereicherung für Nordhausen“

Donnerstag, 30. Juli. 2015

TA sprach mit Niels Neu, Chef des Nordhäuser Unternehmerverbandes, über verzögerte Investitionen und den Gipsabbau.

Die Zahl der Arbeitslosen ist niedrig wie lange nicht, die Wirtschaft brummt. Sind Sie als Vorsitzender des Nordhäuser Unternehmerverbandes mit der wirtschaftlichen Entwicklung im Südharz restlos zufrieden?

<text>Nein, und das aus zwei Gründen. Zum einen sprechen mich einige Mitgliedsunternehmen an und berichten von großen Schwierigkeiten durch die Wirtschaftssanktionen gegen<location base="Russland">Russland</location>. Und zum zweiten hat sich die späte Verabschiedung des Landeshaushaltes negativ ausgewirkt. Denn erst jetzt können die Kommunen ihre Haushalte genehmigen lassen und somit Investitionen anschieben.</text>

Oder man hat noch gar keinen genehmigten Haushalt wie Nordhausen...

Erst muss die Höhe der Bedarfszuweisungen aus Erfurt klar sein, ehe der Haushalt aufgestellt werden kann. Das wird aber erst nach der Sommerpause passieren und damit ist über ein halbes Jahr für Investitionen, die den Betrieben zugutekommen, verloren.

Befürchten Sie eine Erhöhung der Gewerbesteuer?

Ich sehe es positiv, dass der Stadtrat keine Erhöhung der Gewerbesteuer, die ja in Nordhausen mit 400 Punkten im Landesvergleich recht hoch ist, vorgesehen hat. Natürlich hat das Land die Ausgabe von Bedarfszuweisungen an gewisse Vorgaben geknüpft, so dass das Thema noch nicht vom Tisch ist.

Ist Nordhausen aus Ihrer Sicht wirtschaftsfreundlich?

Ja, in Bezug auf die Arbeit der Stadtverwaltung; aber nicht sehr zuverlässig, was getroffene Absprachen wie etwa beim Autohof in Sundhausen betrifft. Und nein, in Bezug auf die Investitionsfreundlichkeit wegen des fehlenden Haushaltes. Aber wir sind aufgrund der konstruktiven Zusammenarbeit mit der Stadt auf einem guten Weg.

Zur Ankurbelung des Tourismus wurde ein gemeinsamer Verband mit dem Kyffhäuserkreis gebildet. Nun ist kein Geld für den Geschäftsführerposten da.Ist eine vernünftige Vermarktung allein mit ehrenamtlicher Arbeit möglich?

Wir haben die Gründung dieses Verbandes sehr begrüßt. Mit der uns angebotenen Mitgliedschaft waren wir aber von Anfang an eher zurückhaltend. Das Geld für das Tourismusbudget von über 750 000 Euro wurde von beiden SPD-Landräten in Aussicht gestellt. Nun ist es leider anders gekommen.Es hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass die vielen Konzepte und Arbeitskreise wenig gebracht haben und meistens nur die privaten Projekte umgesetzt worden sind.Also sind Sie gegen die Bezahlung eines hauptamtlichen Geschäftsführers.Es gibt viel ehrenamtliches und privates Engagement, das sich ausgezahlt hat. Wenn noch Geld übrig sein sollte, kann man auch über einen hauptamtlichen Posten nachdenken.

Eines dieser privaten Projekte ist die neue Ferieninsel Seelano von Axel Heck. Was halten Sie von seinen Plänen?
Man muss den Nordhäuser Stadtrat dafür loben, dass er dieses Projekt unterstützt hat. Ich erinnere mich noch gut an die Anfänge der Tauchstation am Kiesteich, als die Pläne nicht sofort auf offene Ohren bei der Verwaltung stießen. Hier hat sich einiges verändert. Das Seelano-Projekt ist eine Bereicherung für Nordhausen.

Wie weit sind die Pläne für die Ansiedlung eines Tagungshotels für Nordhausen gediehen?
Wir benötigen nach wie vor ein Tagungshotel in der Rolandstadt. Es gibt einige Aktivitäten in diesem Bereich. Ich will aber den Beteiligten nicht vorgreifen, so lange noch keine Verträge unterschrieben sind.

Haben Sie von Landrat Matthias Jendricke schon eine Einladung zum Runden Tisch für den Gipsabbau erhalten?
Wir stehen mit dem Landkreis, der ja auch Mitglied im Unternehmerverband ist, in regelmäßigem Kontakt bei diesem Thema. Natürlich vertreten wir auch die Interessen der Gipsunternehmen, die ebenfalls unsere Mitglieder sind. Nein, eine Einladung habe ich noch nicht erhalten, aber man sollte sich Gesprächen nie verschließen, wie es Wirtschaftsminister Tiefensee formuliert hat.

Haben Sie als Wirtschaftsvertreter Verständnis für die Sorgen der Menschen in Neustadt und Rüdigsdorf, die weiteren Gipsabbau befürchten?

Ja, das habe ich und kann ihr Anliegen zu 100 Prozent verstehen. Was mich aber an der Debatte stört, ist die bewusste Polarisierung. Zudem werden die Ursachen für das Vorgehen der Gipsindustrie außen vor gelassen.

Macht es Sinn, die Wirtschaftsförderung von Stadt und Landkreis zusammenzulegen?

Diese Frage hat sich mittlerweile überholt, weil es beim Landkreis keine volle Stelle mehr für die Wirtschaftsförderung gibt. Es ist für jeden Investor wünschenswert, wenn er sich nur an einen Ansprechpartner wenden muss.

Geht es Ihnen bei den Ortsumgehungen der Bundesstraßen 4 und 243 schnell genug?

Nach Aussagen von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt will er Ende Juli die Prioritätenliste der Verkehrsprojekte vorlegen. Demnach soll der Ausbau der B 243 auf Prioritätsstufe 1 vorrücken. Das würde für Mackenrode und Günzerode ein Baubeginn im Jahr 2016 bedeuten. Bei der B 4 gibt es leider keine neuen Erkenntnisse.

Zur Person

Niels Neu ist 41 Jahre alt, verheiratet und hat keine Kinder. Geboren wurde er in Nordhausen, aufgewachsen ist er in Ilfeld. Dort besuchte er zehn Jahre lang die Oberschule und legte dort sein Abitur ab.

Nach dem Studium zum Wirtschaftsjuristen stieg er in den Baubetrieb seines Vaters ein und ist seit 2005 Geschäftsführer der Tiro Neu GmbH am Uthleber Weg in Nordhausen. Außerdem fungiert er als Geschäftsführer der Neu Wirtschaftsberatung und Immobilien GmbH & Co. KG.

Am 1. Januar 2015 wurde er als Nachfolger von Hans-Joachim Junker Vorsitzender des Nordhäuser Unternehmerverbandes (NUV). Dessen Vorstand gehört er bereits seit 2005 an.

Foto: Roland Obst
Artikel: Hans-Peter Blum / TA NDH

Niels Neu, Chef des Nordhäuser Unternehmerverbands, kritisiert die späte Verabschiedung des Landesetats. Dadurch blieben Investitionen liegen. Foto: Roland Obst

Niels Neu, Chef des Nordhäuser Unternehmerverbands, kritisiert die späte Verabschiedung des Landesetats. Dadurch blieben Investitionen liegen. Foto: Roland Obst