Wann endlich Baurecht?

Mittwoch, 01. Juni. 2005

Viel ist in der nnz schon über das Industriegebiet in der Goldenen Aue geschrieben worden. Wie es mit den Planungen aussieht, das haben Vertreter des Verbandes jetzt noch einmal dargelegt. Haben sie aber auch alles gesagt?

 

Mitglieder des Nordhäuser Unternehmerverbandes wollten in der vergangenen Woche wissen, wann denn ein Investor für dieses Gebiet nach Nordhausen kommen könnte. Im Prinzip sofort, entrutschte es den Mitgliedern des zweimal gegründeten Planungsverbandes. Irgendein Paragraph im Bausgesetzbuch würde das sogar zulassen. Wenn man dem glauben soll, dann ist das schon außergewöhnlich bei einer Gesetzeslage, die einem Hamster mindestens die gleichen Rechte auf der Wiese einräumt, wie Zehntausenden Arbeitssuchenden.

 

Doch es gibt auf den 100 Hektar des künftigen Industriegebietes nicht nur irgendwelche Hamster, die vielleicht umgesiedelt werden können, es gibt dort auch den Krummbach. Und mit dem müssen die Planer leben, mindestens seit dem Jahr 1998, als man von Urbach aus auf das flache Land schielte. Doch dieser Krummbach macht allen so viele Schwierigkeiten, dass man als Laie meinen müsste, hier sollten die Planer des Mittellandkanals tätig werden. Mal hat er – planerisch gesehen – die Fläche geteilt, mal gehört er dazu, mal nicht.

 

Jetzt – nach sieben Jahren – soll der Krummbach sogar für Jahrhundertüberschwemmungen sorgen und vielleicht noch Auswirkungen auf andere Flüsse wie die Zorge haben. Vielleicht ist ja auch die Elbe betroffen? Wer weiß das heute schon? Also müssen noch diverse Gutachten herangeschafft und dem Landesverwaltungsamt zugeschickt werden. Diese Behörde ist in punkto Industriegebiet bei Nordhausen mittlerweile so vorsichtig geworden, dass sie das Gutachten nicht nur als Beiwerk der Genehmigungsunterlagen haben will, nein, man will vorher hineinschauen. Warum? Das kann man sich nur denken, aber nicht sagen, geschweige denn schreiben.

 

Und wenn dann noch vielleicht ein Gutachten über kleinklimatische Veränderungen – wie von der Bürgerinitiative empfohlen – erstellt worden ist, dann kann eventuell in diesem Jahr das Baurecht hergestellt werden. Und wenn bis dahin kein Investor von allein auf das Industriegebiet an der immer noch nicht durchgängigen A 38 aufmerksam geworden ist, dann soll die LEG mit der Vermarktung beginnen. Ob das vor, während oder nach dem Erwerb der Grundstücke geschehen soll, ist eigentlich egal. Fakt ist, nach nnz-Informationen muss mit fast 100 Grundstücksbesitzern über einen Verkauf verhandelt werden. Zu denen könnten mittlerweile vielleicht auch Mitglieder der Bürgerinitiative oder ihnen nahestehende Umweltverbände gehören. Und da hilft das dicke Geldbündel als Verkaufsmotivation kaum.

 

Also soll in den kommenden Monaten eine PR-Offensive seitens des Planungsverbandes gestartet werden. In den Orten der Aue und in Nordhausen. Dort sollen die Zauderer überzeugt und Informationen angeboten werden. Die Bürgerinitiative ihrerseits (die übrigens sehr ruhig geworden ist!) hat da einen jahrelangen Vorsprung. Sie hat die Leute in ihr Boot gezogen und hat dabei auch die Kirche an Bord. Und Kenner der Szene wissen wohl noch, welche Rolle die Kirche bei Grundstücksverkäufen spielen kann. Die erinnern sich mit Grausen an die geplante Verlängerung einer Startbahn im hohen Norden Deutschlands. Und von dieser Verlängerung hingen Tausende Arbeitsplätze ab – bestehende wohlgemerkt.

 

Auch wohlgemerkt: Die nnz hat in den zurückliegenden fünf Jahren beständig eine Pro-Position für das Industriegebiet eingenommen. Aber mit Verlaub: Es sind eben schon fünf Jahre und noch mal die gleiche Zeit, die verkraftet eine Region wie unsere eben nicht. Die Hamster auf dem Acker schon!

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