Unternehmerverband für Fusion mit Eichsfeld und Kyffhäuserkreis

Mittwoch, 14. Dezember. 2016

Nordhausen. "Fast 40 Prozent seiner Einnahmen gibt das Land <location base="Thüringen">Thüringen</location> bald für Personal aus", sagt <person base="Niels Neu">Niels Neu</person> (42), Chef des Nordthüringer Unternehmerverbandes (NUV). "Wenn das so weiter geht, können sie ein Bau- oder Wirtschaftsministerium abschaffen. Dann ist nämlich einfach kein Geld mehr da, um zu investieren."

Deshalb hält der NUV-Vorstand von einer Blockade gegen die Gebietsreform der rot-rot-grünen Landesregierung nichts. Obgleich er nicht in Verdacht steht, politisch links zu ticken.

Selbst die CDU wisse, dass es ohne eine Verwaltungs- und Gebietsreform nicht weitergeht, ist sich Roland Handrek (65) sicher. Der Mann sitzt ebenfalls im NUV-Vorstand und war bis vor kurzem selbst Christdemokrat.

"Eine Verwaltungsreform muss sein", sagt er bestimmt. Das Landesverwaltungsamt gehört aus NUV-Sicht abgeschafft, alle Aufgaben müssten entweder kommunalisiert oder an die zuständigen Landesbehörden abgegeben werden. Nur so lasse sich Personal sparen, ließen sich auch Strukturen vereinfachen.

"Dabei kann es eine Gebietsreform geben, wenn man sie sinnvoll gestaltet", so Handrek weiter. Sinnvoll, damit meint er keinesfalls einen Zusammenschluss mit <location base="Sömmerda">Sömmerda</location>. Nein, er plädiert wie <person base="Niels Neu">Neu</person> für einen Landkreis Eichsfeld, <location base="Nordhausen">Nordhausen</location>, <location base="Kyffhäuser">Kyffhäuser</location>. Das sei sinnvoll – wegen der gewachsenen Strukturen und der Verkehrsbeziehungen.

<person base="Niels Neu">Niels Neu</person> bricht das Ganze auf die kommunale Ebene herunter. Seit Jahren fordert der NUV eine gemeinsame Wirtschaftsförderung im Landkreis. Bis heute ist nichts geschehen. Kreisverwaltung und Nordhäuser Stadtverwaltung beharrten auf ihre bruchstückhafte Wirtschaftsförderung. Zugleich gebe das Rathaus viel Geld aus für von vornherein verlorene Gerichtsprozesse gegen eigene Mitarbeiter. "Kein Unternehmen hätte sich auf einen Prozess wie den gegen die Museumsleiterin eingelassen." Zugleich bestehe der Oberbürgermeister aber auf einen vierten Juristen im Haus.

"Gleiches gilt für die Bauverwaltung. Heringen, <location base="Ellrich">Ellrich</location>, <location base="Bleicherode">Bleicherode</location> – alle leisten sich ein eigenes Bauamt, das nicht sehr viel ausrichten kann." <person base="Niels Neu">Neu</person> fordert ein gemeinsames Bauamt. So würde der Hürdenlauf für Investoren aufhören. Denn entschieden werde oft sowieso nicht im Rathaus, sondern im Landratsamt oder gar erst im Landesverwaltungsamt.

"Wer kann was am besten, diese Frage muss bei einer Verwaltungsreform beantwortet werden", ergänzt Handrek. "Fest steht doch: Wer kein Geld hat, kann sich nichts leisten." Deshalb sind für ihn größere Strukturen unverzichtbar.

Die NUV-Vorstände denken dabei auch an die Besiedlung des neuen Industriegebietes "Goldene Aue". Schon jetzt kann ein einzelner Bürgermeister oder ein Rathaus nicht viel bei der Vermarktung ausrichten. Die Landesentwicklungsgesellschaft hat das Heft des Handelns in der Hand. Der NUV-Vorsitzende ist zuversichtlich, dass die erste Ansiedlung bevorsteht. Um das Ganze noch voranzutreiben, wird gerade ein Fünf-Punkte-Plan erarbeitet. Die Un-terzeichner, darunter der Unternehmerverband, wollen Ansiedlungen befördern. Dabei hofft man offenbar vor allem auf Investoren von außen. Aus hiesigen Unternehmerkreisen kamen bisher kaum Signale, sich eventuell in der Goldenen Aue erweitern zu wollen. Handrek setzt hier auf einen Sogeffekt. "Hat sich erst ein Betrieb angesiedelt, werden schnell weitere folgen", ist er zuversichtlich.

Die wirtschaftliche Entwicklung der Region bleibe sehr stabil, schätzt <person base="Niels Neu">Niels Neu</person> ein. Nicht ohne die Kritik an der Erhöhung der Gewerbesteuern in <location base="Nordhausen">Nordhausen</location> zu erneuern. Zum Glück ging ein Unternehmen wie <location base="Kemna">Kemna</location> nur nach Harztor und nicht gänzlich weg.

Viel größer noch sei das Problem des Fachkräftemangels. In beinahe jedem Betrieb sucht man händeringend nach Personal, "obwohl heute niemand mehr mit der Schaufel einen Graben ausheben muss". Deshalb der Versuch, Flüchtlinge anzulernen. Deshalb die Gespräche mit Schulen. Deshalb die Hoffnung auf Rückkehrer, die einst in den Westen gingen.

Handrek beobachtet eine Lohnspirale. Das Untereinander-Abwerben von Leuten wird immer stärker. Von der Baustelle weg sollen Arbeiter schon abgeworben worden sein. Kommendes Jahr möchte <person base="Niels Neu">Neu</person> eine Imagekampagne für den Mittelstand starten. Den Rückhalt hat er – mit inzwischen fast 200 Mitgliedern im Verband. Diesen Monat flatterten in sieben Tagen sieben neue Anträge ins Haus. "Eine Dynamik, die richtig Spaß macht", schlägt er zum Jahresende versöhnliche Töne an.

Quelle: Thomas Müller, TA Nordhausen