Knauf investiert dieses Jahr acht Millionen Euro in Rottleberode

Dienstag, 31. Januar. 2017

Urbach. Gute Nachrichten beim Neujahrsempfang in der Kalkhütte: Gipsrecycling am Standort soll 2018 starten.

In Thüringen mag die Kreisreform allgegenwärtiges Thema sein, eine Fusion mit dem Kyffhäuserkreis (und Sömmerda) oder mit dem Eichsfeld diskutiert werden – wenn Knauf wie am Donnerstagabend zum Neujahrsempfang lädt, kommt Nordhausen mit Sangerhausen zusammen: Die Landräte sind geladen, viele Bürgermeister, Kommunalpolitiker, Landtagsabgeordnete, Unternehmer, natürlich auch Vertreter des Sports: Knauf sponsert den Breitensport, sponsert Wacker, sponsert die Nordhäuser Boxer. "Zuverlässiger Partner für ein soziales Miteinander" wolle man sein, heißt es in einem Imagefilm, den Knauf seinen rund 60 Gästen in der Kalkhütte präsentiert.

Unternehmensgegenstand freilich ist der Rohstoffabbau, ist dessen Verarbeitung: Jährlich rund 850.000 Tonnen Gips und Anhydritwerden im Rottleberöder Werk zu Putzen und Faserplatten. Das neue, für rund 30 Millionen Euro errichtete Faserplattenwerk ging vor wenigen Wochen in Betrieb, erste neue Mitarbeiter sind eingestellt, die 200er-Marke gerissen. Weitere Neueinstellungen folgen, damit rund um die Uhr in drei Schichten produziert werden kann (wir berichteten).

Doch damit nicht genug: Es wird weiter investiert, "sieben, acht Millionen Euro in 2017", so Werkleiter André Materlik. Die Fördertechnik ist teuer, zwei Millionen für Ersatzbeschaffungen sind nötig. Ergänzungen im Faserplattenwerk sind geplant, und für rund fünf Millionen Euro soll das Gipsrecycling am Standort aufgebaut werden: Im zweiten Quartal solle die Kalkulation stehen, "und in einem Jahr werden wir uns mit dem Betrieb beschäftigen", kündigt Materlik den Start des Gipsrecyclings für 2018 an.

Er wirbt für Kompromisse, etwa in Sachen Rohstoffsicherung: "Das Schlimmste, was einem passieren kann, ist, dass auf Positionen beharrt wird."

Knauf müht sich nach wie vor um einen Flächentausch am Alten Stolberg. 27 Hektar außerhalb des Bergwerkseigentums begehrt man, nach ersten Planungen davon sieben im Naturschutzgebiet. Eben deshalb regte sich schon vor Jahren Widerstand bei Umwelt- und Naturschützern, zahlreiche Stempedaer befürchten Lärm und Staub.

Knauf-Mitarbeiter Lars Kothe räumt ein, mit dem für den Flächentausch nötigen bergrechtlichen Verfahren etwa ein Jahr in Verzug zu sein. "Wir wollen nun Mitte des Jahres den Rahmenbetriebsplan beim Bergamt zur Genehmigung einreichen." Zahlreiche Gutachten, die die Auswirkungen auf die Natur und den Menschen betrachten, liegen inzwischen vor. In Arbeit ist zurzeit noch eines vor dem Hintergrund der geänderten Wasserrahmen-Richtlinie.

"Wir gehen davon aus, mit unserem Rahmenbetriebsplan einiges an Brisanz herauszunehmen", deutet Kothe an, dass auch ein Flächentausch in etwas kleinerem Umfang denkbar ist. Er betont, dass Knauf nicht mehr Gips begehrt, sondern einen "landschaftsgerechteren Abbau" anstrebt.

Carlo Knauf, der technische Direktor des Knauf-Konzerns, richtet unterdessen den Blick auf das Agieren des Unternehmens in Übersee, bekräftigt das Festhalten am Standort Rottleberode – und lädt mit André Materlik bald ein zu Entenbrust mit Spitzkohl, Kalbsrücken, Wildschweinragout mit Birne, Speck und rosa Pfeffer, Riesengarnelen.

Kristin Müller / 26.01.17

Quelle: Kerstin Müller, TA Nordhausen, Foto: Christoph Keil.

KNAUF Werk Rottleberode – Imagefilm zu sehen unter …

http://proonemedia.de/1-jahr-arbeit-4-minuten-film/

https://www.youtube.com/watch?v=JcaIKrj66eY

Landrat Matthias Jendricke stieß mit anderen Gästen an.