Baugewerbe setzt auf eine gute Bezahlung

Freitag, 03. Februar. 2017

Nordhausen. 9,5 Prozent aller Nordthüringer Beschäftigten (8225 Personen) arbeiten in der Baubranche. "Das sind fast vier Prozent mehr als im Bundesschnitt", sagt Karsten Froböse, Chef der Nordhäuser Arbeitsagentur. Das zeige die Bedeutung der Branche für die Region.

Rund 1600 Arbeitslose aus der Baubranche gibt es derzeit bei der Arbeitsagentur und den Jobcentern. Vor vier Jahren waren es noch fast 40 Prozent mehr. Ein Grund ist, dass die Zahl der Entlassungen im Baugewerbe im Januar trotz der eisigen Temperaturen um über 22 Prozent abgenommen habe.

Mit dem Frühjahr wachse zudem die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen. Erfreulicherweise ziehe bereits schon jetzt die Nachfrage nach Fachkräften aus dem Baugewerbe wieder an.

"Jeder vierte Arbeitnehmer auf dem Bau ist älter als 55 Jahre und geht in den nächsten zehn Jahren in Rente", sagt Froböse. Da deute sich ein großes Problemfeld an. "Wir müssen schon jetzt etwas ändern, ehe es zu spät ist", betont der Agenturschef.

So werde das Thema Ausbildung an Bedeutung weiter zunehmen, wenn es um den Ersatz ausscheidender Mitarbeiter geht. Mitunter könnten Jugendliche, die auf den ersten Blick nicht passend erscheinen, später eine gute Fachkraft abgeben.

Die Arbeitsagentur verweist in dem Zusammenhang auf die Unterstützung in Form "Assistierter Ausbildung". Betriebe und Jugendliche werden bei der Ausbildung durch Bildungseinrichtungen vor Ort und während der gesamten Ausbildungszeit begleitet, beispielsweise durch Nachhilfeunterricht etwa in Mathe oder Deutsch.

Aber das allein reiche noch nicht. "Wir brauchen in absehbarer Zeit auch Beschäftigte aus dem Ausland, um unseren Standard zu halten", sagt Froböse. Allein auf die Flüchtlinge zu setzen, um den Fachkräftemangel in der Zukunft zu beheben, habe sich als falsch erwiesen.

"Da haben wir alle einen Fehler gemacht", sagt Niels Neu vom Nordthüringer Unternehmerverband. Karsten Froböse bringt eine Neuregelung der Zuwanderung ins Spiel, ähnlich wie beispielsweise in Kanada, wo es ein genaues Punktesystem für Zuwanderer gibt, die in dem Land arbeiten wollen. "Wir müssen das Problem in den Griff bekommen, denn davon hängt einmal unsere Rente ab", macht der Agenturschef deutlich.

Ein positiver Aspekt sei, dass schon jetzt in den Nordthüringer Landkreisen anständige Löhne gezahlt werden. "Der Bau ist ein attraktiver Bereich geworden. Man muss nicht mehr in den reichen Süden gehen, sondern kann bei uns gutes Geld verdienen", ist Neu überzeugt, der selbst ein Bauunternehmen in Nordhausen leitet. "Die Lohnschere zwischen Ost und West werde sich weiter angleichen, die Unterschiede werden immer geringer werden", ist Silvio Wagner, Geschäftsführer von Waresa-Bau, überzeugt.

Hans-Peter Blum / 03.02.17

Quelle: Thüringer Allgemeine, Hans-Peter Blum