Unternehmerfrühstück in der Skoda Autowelt

Mittwoch, 31. Mai. 2017

Am Dienstagmorgen hatte der Nordthüringer Unternehmerverband seine Mitglieder zum Wirtschaftsfrühstück in die Skoda Autowelt eingeladen, um dort mit der bereits feststehenden OB-Kandidatin Inge Klaan ins Gespräch zu kommen.

Klaan will Investitionsprogramm für Straßen und Brücken

Nordhausen. "Wir fühlen uns im Abseits von Thüringen", sagt Helmut Peter zu Beginn des Unternehmerfrühstücks in seinem Skoda-Autohaus. Eingeladen hat der Nordthüringer Unternehmerverband (NUV). "Bei der Halbzeitbilanz Bodo Ramelows spielte der Norden keine Rolle. Der ist einfach da, sonst nichts aus Erfurter Sicht."

Das kann NUV-Chef Niels Neu nur bestätigen. Im Thüringer Tourismuskonzept taucht Nordthüringen nicht mal mehr auf. Erschwerend komme hinzu, dass die Stadt momentan führungslos sei.

Damit ist Peter beim Hauptgast: Inge Klaan, CDU-Kandidatin für das Oberbürgermeister-Amt. Es ist, das verhehlt Peter nicht einmal, eine Wahlkampfveranstaltung für die frühere Baudezernentin, Staatssekretärin und heutige Geschäftsführerin der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft. Auch die anderen Kandidaten sollen angehört werden, ergänzt Niels Neu.

Volksbank-Chef: Der Draht zum Rathaus fehlt

Klaan verspricht, künftig Politik an Sachthemen entlang zu machen. Ihr Vorgänger Klaus Zeh habe immer wieder versucht, den politischen Ausgleich zu erreichen. Das bestätigt Volksbank-Chef Peter Herbst zwar. Aber ein Stadtoberhaupt müsse auch Entscheidungen treffen, ein Amtsleiter E-Mails beantworten. "Hier mit der Stadtverwaltung in einen Dialog zu kommen, ist schwierig."

Wie kaum ein anderer in Nordhausen beschäftigt sich Klaan mit der Gebietsreform, hatte die Protestdemo nach Erfurt organisiert. Inzwischen kämpft sie nicht mehr nur für den Kreissitz, sondern auch klar gegen die gesamte Reform von Rot-Rot-Grün. Nordhausen solle von der Karte verschwinden, dagegen werde sie sich wehren.

"Diese Gebietsreform, wie sie jetzt geplant ist, ist ein Affront gegen die älteren Menschen, die dieses Land aufgebaut haben. Ich erwarte eine Verwaltungs- und Strukturreform, die dieses Land verdient." Sollte die Gebietsreform scheitern, würde Klaan dennoch auf eine Erweiterung der Stadt um weitere Gemeinden setzen.

Überdies strebt sie gezielte Wohnbauprogramme für die Dörfer an, von denen etliche ohne Zweifel einen Bevölkerungsschwund erlebten. Sie will die Ansiedlung von Industrie befördern, auf Zuwanderung setzen – internationale wie nationale. Stundenausfälle in Schulen und inzwischen mangelnde Krippenplätze in Nordhausen, das müsse aufhören. Für die Sanierung des Humboldt-Gymnasiums streite sie mit dem Landkreis um das beste Konzept. Und als Oberbürgermeisterin will sie ein Investitionsprogramm für Straßen und Brücken aufsetzen, auch für die Ortsteile.

Die Bewerberin kann auf Erfolge verweisen, als Chefin der Landesgartenschau, als diejenige, die die Marktpassage mit nach Nordhausen holte. Jetzt will sie Neues anschieben, bevor ab 2019 die Fördermittel versiegen. "Wir sollten nicht diskutieren, Wacker oder Theater oder Brücke. Wir sollten lieber schauen, was brauchen wir in welcher Größenordnung."

Helmut Peter will nicht in den Kopf, warum Nordhausen seinen Haushalt konsolidieren muss und das Eichsfeld schuldenfrei sei. Die Gründe sieht Klaan in der Struktur. Der Eichsfeldkreis habe alle Versorgungsfragen auf Kreisebene organisiert, die Stadt Nordhausen mache vieles selbst. Aber natürlich habe es auch mit den Akteuren zu tun.

Die Rolandstadt ist aus ihrer Sicht dennoch leistungsfähig. "Priorität hat künftig, was uns auch Geld zurück bringt", wenn man dies auch nicht eins zu eins rechnen könne. Manche Investition, etwa in ein Theater, schlage sich an anderer Stelle positiv nieder. Ihr Fazit: "Ohne Investitionen nutzt das ganze Sparen nichts."

Klaan: Rolandsfest sollte in einer Hand liegen

Noch etwas Bemerkenswertes fügt Klaan hinzu: Sie sei nur als Teamspielerin die richtige Oberbürgermeisterin. Wenn dieses Teamspiel nicht gewollt sei, dann sei sie sicher die Falsche. Weniger Streit auf politischer Ebene verspricht die Befragte. Speziell Landrat Matthias Jendricke (SPD) reicht sie die Hand. Man könne zusammenarbeiten, das habe man im Rathaus bewiesen.

Aus Sicht des Einzelhandels ist die weitere Entwicklung desselben interessant. Schon jetzt sei die Verkaufsfläche pro Einwohner doppelt so hoch wie im Bundesschnitt, erklärt Händlerin Gabriele Morbach. Werde die Stadt weitere Ansiedlungen verhindern?

Schon seit 20 Jahren führe die Stadt Abwehrschlachten gegen Großmärkte wie Globus und Massa. Das werde man fortführen. Hingegen müsse man vorhandenen Unternehmen ermöglichen, sich zu erweitern. Aktuelles Beispiel: der Umzug von Möbel Boss in Richtung Mc Donalds. Innerstädtisch müsse sich der Handel neu aufstellen. Die Südharz-Galerie mit einem neuen deutschen Besitzer ist dazu bereit. Wichtiger sei hier der Branchenmix und die Erlebbarkeit. So schwer es für den Einzelnen sei, an einem verkaufsoffenen Sonntag sollten alle Geschäfte öffnen, nicht nur jedes dritte. "Ein Kunde, der einmal vor verschlossenen Türen steht, der kommt nicht wieder."

Einige kritische Anmerkungen hat schließlich noch Helmut Peter: dass die Stadt bei der Commerzbank ihr Geld verwaltet, nicht bei heimischen Banken, dass der Fuhrpark aus Sachsen-Anhalt bestückt wird, dass die Organisation des Rolandsfestes chaotisch sei. Klaan ist vorsichtig mit Versprechungen: Was der Norm entspreche, könne man umsetzen, sagt sie. Zum Rolandsfest empfiehlt sie, das Fest komplett in eine Hand zu geben, eventuell auch für mehrere Jahre. Nur das garantiere Stabilität.

Quelle: Thüringer Allgemeine, Thomas Müller / 31.05.17, Bild: Thomas Müller M. Kneise

 

Frühstücken mit Inge Klaan

Dienstagmorgen in der Skoda-Autowelt. Rund 30 Unternehmerinnen und Unternehmer hat der Nordthüringer Unternehmerverband zu einem Wirtschaftsfrühstück eingeladen. Im Mittelpunkt stand die bisher erste Kandidatin für die Nachfolge von Dr. Klaus Zeh…

Inge Klaan sollte bei Kaffee und belegten Brötchen ihr Konzept erläutern, wenn, ja wenn sie irgendwann einmal zur Oberbürgermeisterin von Nordhausen gewählt werden würde. Die Hintergründe zu „wenn, ja wenn“ sind bekannt und es darf davon ausgegangen werden, dass sich das Wahlvolk bis in den September hinein gedulden muss. Wie dem auch sei – Inge Klaan ist von der CDU vorgeschlagen worden, muss natürlich noch von den Mitgliedern ihrer Partei nominiert werden.

Helmut Peter begrüßte die Gäste des Morgens und kritisierte sofort das Handeln der Landesregierung im Bezug auf den Norden des Freistaates. Für die Thüringer Landesregierung höre Thüringen nördlich von Erfurt auf. Das müsse sich ändern und hier müsse die Stimme der Wirtschaft sich stärker ins Gewicht bringen. Peter sagte weiter, dass der NUV auch – so sie denn nominiert – die anderen Kandidaten zu einem gemeinsamen Frühstück eingeladen werde.

Helmut Peter kritisierte in Richtung Klaan und deren Wirken in Nordhausen und verwies unter anderem auf den „Pferdestall mit sieben Ecken und sechs Kanten“, an dem Inge Klaan politisch und fachlich mitgewirkt habe. Aber Fehler seien zu verzeihen.

Niels Neu, der Vorstandsvorsitzende des NUV, begrüßte auch die Gäste dieser wirtschafts-kulinarischen Veranstaltung und verwies auf den nächsten Mitgliedertreff des Verbandes, der sich thematisch der touristischen Entwicklung im Thüringer Norden widmen wird. Neu forderte klar und eindeutig, dass es einen schnellen Termin für die OB-Wahl geben müsse, vor allem bei der Größe dieser Stadt. Die strategischen Spielchen, die vor allem von der SPD in Landkreis und Land betrieben werden, könne man nicht verstehen.

Niels Neu übergab dann das Wort an Kandidatin Klaan. Die wolle wieder hin zum politischen Ausgleich, weg von einer Polarisierung in der Politik, wie sie sich abzeichne. Und natürlich geht diese Gebietsreform, wie sie von der Landesregierung „gemacht“ werde, überhaupt nicht. Sie gehört abgeschafft.

Inge Klaan setzt weiterhin auf Zuwanderung, nicht nur internationalen Ursprungs. Der Landkreis Nordhausen muss sich als attraktive Region darstellen und anbieten. Nur wenn man sich überregional präsentiere, könne man zum Beispiel in Erfurt Lobbyarbeit verrichten und dort wahrgenommen werden. Zuwanderung ist für Inge Klaan auch der Zuzug von Familien mit Kindern. Sie habe es gerade erst erlebt, dass eine junge Frau einen angebotenen Arbeitsplatz nicht annehmen konnte, weil es in der Stadt keinen freien Krippenplatz gab.

Sorgen bereitet Inge Klaan der Zustand der Straßen und Brücken in Nordhausen. Hier müsse ein Investitionsprogramm her, um diesen Zustand zu verbessern. Zu den notwendigen Investitionen, zum Beispiel im Albert-Kuntz-Sportpark, sagte Inge Klaan, dass in den kommenden Jahren soviel wie möglich an Fördergeldern nach Nordhausen geholt werden können. Inge Klaan bekannte sich als Mensch, der mit Fußball nichts, aber auch garnichts am Hut habe. Trotzdem müsse sich im AKS etwas ändern. Ihre Prioritäten liegen jedoch auf Veränderungen in der Noch-Kreisstadt, die langfristige Verbesserungen für die Menschen mitbringen. Das war es dann mit ihrem Statement.

Niels Neu musste den Reigen der Fragen selbst eröffnen. Erstes Thema war der Rohstoffabbau und das einstige Ringen um einen Kompromiss. Inge Klaan sagte, dass der „normale Bürger“ eine andere Auffassung hat als Unternehmen und vielleicht auch Teile der Politik. Das habe sie in vielen Gesprächen aufgenommen. Man müsse der Gesellschaft die Gelegenheit geben zu entscheiden, wie die Natur in den nächsten Generationen sich darstellen soll.

Axel Heck sprach danach das künftige Industriegebiet in der Goldenen Aue an. Wie soll sich hier die Stadt noch intensiver einbringen, weil man sich auf die LEG allein nicht verlassen könne. Klaan antwortete, dass auch die Unternehmen ihre Kontakte nutzen sollen, um für eine Ansiedlung auf den 100 Hektar zu werben. Und es müssen die Begleitbedingungen hergestellt werden, zum Beispiel die Schaffung von Wohneigentum.

Helmut Peter wollte wissen, warum der Landkreis Eichsfeld schuldenfrei ist, der Landkreis Nordhausen bis über die Ohren verschuldet ist und die Stadt sich in der Haushaltskonsolidierung? Antwort: das lag an den richtigen Entscheidungen nach der Wende und mit den Intentionen der damals handelnden Personen und Parteien.

Hochschulpräsident Prof. Jörg Wagner wollte wissen, wie in Zukunft die Wirtschaftsförderung sich entwickeln solle und wie die Hochschule noch bekannter gemacht werden kann? Wirtschaftsförderung soll Dienstleister in einer Gesamtheit werden. Das müssen Menschen sein, die wissen, was in Nordhausen geht und was nicht: Das reiche vom Anbieten von Gewerbeflächen, über Wohnungsbaustandorte bis hin zu Krippen- oder Kitaplätzen.

Gabriele Mohr verwies auf die Probleme des Einzelhandels und der in Nordhausen überhöhten Verkaufsfläche zu Einwohnern. Der liegt bei mehr als 3 Quadratmeter je Einwohner und das sei schlecht für die Einzelhändler. Inge Klaan verwies darauf, dass Einkaufen im Jahr 2017 auch einen Erlebnischarakter besitzt. Darauf müssten sich die Händler einstellen. Man wolle auch weiterhin einen weiteren großflächigen Einzelhandel am Rande der Kreisstadt verhindern, um die Innenstadt zu schützen.

Frank Kirchhoff wollte von Inge Klaan wissen, welche Möglichkeiten es gebe, die Kreissitzentscheidung pro Sondershausen zu verhindern? Hier helfe nur Protest und Druck auf die Landtagsabgeordneten der SPD und der LINKEn, Dagmar Becker und Katja Mitteldorf. Die rot-rot-grüne Koalition in Erfurt habe schließlich nur eine Stimme Mehrheit.

Peter Herbst forderte in seinem Statement mehr Entscheidungen seitens der Stadt im Sinne von Unternehmen. Er erwarte von den Ämtern im Rathaus Antworten auf Mails, die fachlich an das eine oder andere Amt gerichtet werden. Keine Antwort zu erhalten, sei einfach schlimm und könne nicht sein. Keine Entscheidung zu treffen ist genauso unmöglich.

Die heutige Diskussion war der Anfang für einen Dialog zwischen künftiger Politik und Wirtschaft. Gespannt darf man sein, wie die Wirtschafts-Frühstückchen mit den anderen Kandidaten ablaufen. Bleibt die Frage, wann die nominiert werden?

Quelle: Peter-Stefan Greiner, nnz-online 30.05.2017

Helmut Peter (links) ist gut befreundet mit OB-Kandidatin Inge Klaan. Dennoch gibt er ihr kritische Sachen mit auf den Weg in den Wahlkampf. Foto: M. Kneise

Quelle: Peter-Stefan Greiner, nnz-online 30.05.2017

Quelle: Peter-Stefan Greiner, nnz-online 30.05.2017