Ein Ritter kämpft für den Südharzer Tourismus

Montag, 10. Juli. 2017

Mit einem Konzept und viel Überredungskunst hat der Hotelier schon jetzt mehr erreicht als viele bezahlte Touristiker

Nordhausen. Niederschmetternd ist das, was Clemens Ritter von Kempski da als Folie an die Wand wirft: Vom großen Kuchen der Übernachtungen im Harz – insgesamt 6,5 Millionen – holt sich der Landkreis Nordhausen 2015 nur drei Prozent. „Es könnte“, da ist sich der Hotelier, der in Stolberg beispielsweise den „Schindelbruch“ betreibt, „wesentlich mehr sein“.

Der Mann, einst aus dem Westen in den Harz gekommen mitsamt Familie und Unternehmen, ist Optimist. „Von so einem Niveau kann man eigentlich nur besser werden“, hebt er an, seine Vision von S-Ky zu erklären. S-Ky – Südharz-Kyffhäuser – vereint in einer Tourismusregion.

„Ich schaue zuerst auf Märkte“, meint Kempski. „Erst dann werden die Produkte gemacht.“ So ein Markt ist aus seiner Sicht der Südharz zusammen mit dem Kyffhäuserkreis. Der Unternehmer ist überzeugt: Tourismus ist ein Wirtschaftsfaktor und daher keine freiwillige Aufgabe von Kommunen. „Zurzeit ist es aber so: Je mehr Übernachtungen wir haben, desto weniger tun wir für den Tourismus.“

Dabei müsste man aus seiner Sicht nichts neu erfinden. Per se habe der Harz seine Zielgruppen: Wohlhabende im besten Alter, Senioren ab 60 und Familien. Mindestens die ersten zwei Märkte wüchsen. Davon müsse man sich nur seinen Teil sichern. „Wir haben Natur, wir haben Kultur, und wir haben in einem Radius von 100 Kilometern zehn Unesco-Weltkulturerbe-stätten“, zählt Kempski auf.

Das Wirken Thomas Müntzers ist ihm nicht genug vermarktet. „Und wer weiß, dass die Wurzeln des holländischen Königshauses im Fürstenhaus Stolberg-Stolberg liegen?“

Was die Region aber noch nicht besitze: genügend Qualität in Hotellerie und Gastronomie. Kempski spricht von einem Teufelskreis: Ein Zimmervermieter habe kaum Gäste und senke seine Preise, um mehr zu bekommen. Davon wiederum könne er nichts zurücklegen und investieren, was zu weniger Qualität führe und wiederum keine neuen Gäste einbringe. Ähnlich sei es in Restaurants. „Dumpingpreise sind keine Strategie“, ist er überzeugt. „Der Wettbewerb kann nur über Qualität gewonnen werden.“

Seit zwei Jahren baggert er an Ministerien in Sachsen-Anhalt und Thüringen, um Geld für ein Qualitätsmanagement zu erhalten. Nun endlich hat sich auch der Freistaat bereiterklärt, gemeinsam für Nordhausen und Kyffhäuser einen Qualitätsmanager zu stellen. Er soll touristische Betriebe, die es wünschen, beraten. Und nicht nur das: Wer wirklich unter Beweis stellt, am Großprojekt S-Ky mitwirken zu wollen, wer also gastfreundlich ist, einen guten Standard bietet und in Infrastruktur investiert, wird auch finanzielle Vorteile erlangen. „Zwei Dinge müssen wir erreichen: dass der Gast eine Sehnsucht verspürt, wiederzukommen und/oder seinen Freunden den Südharz für eine Reise empfiehlt“, fasst Kempski zusammen.

Sachsen-Anhalt hat seinen Qualitätsmanager schon gefunden, für Thüringen fordert der Antreiber ebenfalls eine hochqualifizierte und motivierte Person. Diese soll an ein „S-Ky-Strategie-Komitee“ berichten.

Zur Qualitätssicherung gehört, dass die teilnehmenden Betriebe sich unangemeldeten Überprüfungen stellen müssen. Nur solche „Mystery Checks“ erlaubten eine reale Einschätzung der Lage.

Ziel: Bis 2030 doppelt so viele Übernachtungen

Bis 2030 sollen Übernachtungen und Tagesgäste verdoppelt werden, ebenso die Arbeitsplätze im erweiterten Tourismusbereich, wozu auch Taxiunternehmen, Fahrradverleiher oder Produzenten gehören. Die Umsätze will Kempski sogar verdreifacht wissen. Doch die Uhr tickt, nur noch zwei Jahre sind die Fördertöpfe gefüllt, danach werden die Mittel der Europäischen Union merklich abschmelzen.

Die Voraussetzungen, jetzt noch einmal mit dem Tourismus durchzustarten, sind freilich so gut wie lange nicht. Beide Wirtschaftsminister ziehen mit, alle Landräte. Es gibt einen neuen Tourismusverband und einen aus Kempskis Sicht sehr aktiven Harzer Tourismusverband. Und der 200 Betriebe starke Nordthüringer Unternehmerverband stellt sich hinter das Konzept des Ritters aus Stolberg.

Quelle: Thüringer Allgemeine (Opens external link in new windowhttp://www.thueringer-allgemeine.de)
Thomas Müller / 10.07.17

Mit vielen Partnern hat Clemens Ritter von Kempski ein Tourismuskonzept für Südharz-Kyffhäuser entworfen – und zwar zum Nulltarif.Foto: Marco Kneise