Offensive in Nordhäuser Gewerbegebiet geht weiter

Mittwoch, 16. August. 2017

Nordhausen. Von einem Spatenstich im Oktober hatte Samstag in der TA der SPD-Bundestagsabgeordnete Steffen-Claudio Lemme gesprochen. Das bekräftigte er am Montag bei einem Treffen mit dem Nordthüringer Unternehmerverband (NUV) noch einmal. Nach Auskunft der Thüringer Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) werde sich ein Logistiker ansiedeln, wiederholte er.

Eigentlich wollte sich Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hinzugesellen. Nicht ohne Hintergrund lud NUV-Chef Niels Neu zum Bauunternehmen Henning ein. Denn von hier aus hat man besten Blick auf 100 Hektar erschlossenes, aber noch leeres Industriegebiet. Tiefensee musste absagen, wegen der Beisetzung des verstorbenen Leipziger Oberbürgermeisters, dessen Nachfolger er einst war. So war es an Lemme, die Bälle aufzufangen, die Neu und Henning-Bau-Chefin Doris König ihm zuwarfen. „Wenn es so wird, wie Sie sagen“, richtet sich Neu an den SPD-Kandidaten zur Bundestagswahl, „dann wären wir sehr froh“. Damit meint er den avisierten Spatenstich.

Der NUV habe immer darauf hingewirkt, das Industriegebiet zu vermarkten, und zwar parallel zur LEG. „Man darf sich nicht hinter der LEG verstecken“, übt Neu eine versteckte Kritik an denjenigen Politikern, die alle Verantwortung abzuschieben versuchten.

Vom 4. bis 6. Oktober wird die Offensive weitergehen. Dann steht der NUV zusammen mit Unternehmen, mit Stadt und Landkreis Nordhausen auf der Expo in München. Doch auch Bundespolitiker seien aufgerufen, weiter für den Standort Nordhausen zu werben.

„Wir stehen bereit, wenn ein Unternehmen kommt“, stellt die Nordhäuser Bürgermeisterin Jutta Krauth (SPD) klar. „Die LEG kann sich auf uns verlassen.“ Mit dieser Ansiedlung, so die allgemeine Hoffnung, werde ein Stein ins Rollen gebracht für weitere Zusagen.

Bleibt das vielleicht größere Problem: der Fachkräftemangel. Doris König berichtet aus ihrer eigenen Praxis. Sie habe es schon mit jungen Spaniern versucht, „sehr nette Leute“, sagt sie. Aber sie blieben nicht. Nun setzt sie auf einen Eritreer.

Gern würde sie wie viele ihrer Zunft auch Polen oder Ukrainer beschäftigen. Bei den Nachbarn wäre es formal kein Problem. „Nur müssen wir es schaffen, sie zu überzeugen, nicht nach Großbritannien durchzufahren, sondern gleich hier zu halten.“ Und bei Nicht-EU-Bürgern wie denen aus der Ukraine stehe die schwierige Hürde der Arbeitserlaubnis noch immer im Weg.

Niels Neu fordert hier eine gesetzliche Lösung auf Bundesebene, wofür sich auch Steffen-Claudio Lemme einsetzen könne. Er spricht von einem nötigen Zuwanderungsgesetz, wie es die Sozialdemokraten gern durchsetzen würden. Bisher waren sie damit allerdings am Widerstand des größeren Koalitionspartners gescheitert.

„Nicht zuletzt müssen wir schauen, wie stark die Bürger für weitere ausländische Kräfte empfänglich sind“, drückt es der Politiker diplomatisch aus.

Für den Chef der Arbeitsagentur, Karsten Froböse, der ebenfalls in der Runde sitzt, ist die Sache recht einfach: Erstens sichern nach seiner Auffassung ausländische Arbeitskräfte die Rente der Deutschen. Zweitens werde der Beinbruch des Deutschen bald nicht mehr operiert, die Heizung bald nicht mehr repariert, wenn man keine ausländischen Arbeitskräfte toleriere.

In den vergangenen Jahren, so Niels Neu und Doris König auf TA-Nachfrage, seien die Löhne im Bau kräftig gestiegen. Henning Bau zahlt anteilig Kindergartenplätze und Zahnersatzversicherung, um Personal zu halten. Denn die Lage spitze sich zu. Jährlich gingen etwa fünf gute Leute in Rente, aber es kämen vielleicht zwei Auszubildende nach.

Nicht zuletzt, wird Neu nicht müde zu betonen, brauche es guter Hotels, guter Infrastruktur, um gute Leute nach Nordhausen zu holen. Womit er wieder beim Thema Tourismus ist, das er eigentlich mit dem Wirtschaftsminister Tiefensee bereden wollte.

 

Quelle: Opens external link in new windowThüringer Allgemeine vom 15.08.2017
Thomas Müller / 15.08.17

Niels Neu vom Nordthüringer Unternehmerverband mit Jutta Krauth, Steffen-Claudio Lemme und Doris König vorm leeren Industriegebiet. Foto: Marco Kneise