Viele Allgemeinplätze - wenig Nordthüringen

Donnerstag, 31. August. 2017

Nordhausen. Welche Partei hält Deutschland nach der Bundestagswahl auf Kurs, vor allem wirtschaftlich? Und welcher Kandidat im Wahlkreis 189 will daran Anteil haben?

Diesen Fragen widmete sich Montagabend ein Diskussion des Nordthüringer Unternehmerverbandes (NUV), moderiert von TA-Redaktionsleiter Thomas Müller.

Nordthüringen sei in den letzten 20 Jahren bereits gut vorangekommen, wirtschaftlich wie infrastrukturell, stellt CDU-Bewerber Manfred Grund zu Beginn fest. Aber die Anbindung an die Eisenbahn müsse man noch optimieren. Und auch Ortsumfahrungen seien umzusetzen, so Grund. Gleich zu Beginn ein Stein des Anstoßes für seinen AfD-Kontrahenten Jürgen Pohl: Schon vor der letzten Wahl habe Grund diese Forderungen hervorgebracht, kritisiert Pohl den CDU-Mann. Das alles hätte lange schon passieren müssen, findet der Anwalt.

Grund relativiert dies mit der Umfahrung der B 243 bei Mackenrode, die bereits gebaut wird. „Und auch für die dreispurige B 4 am Sundhäuser Berg ist der Segen da“, fügt Steffen-Claudio Lemme (SPD) an. Es müsse aber noch viel getan werden, fordern Lemme wie Grund.

Aber woran scheitert nun zum Beispiel die Ansiedlung von Unternehmen im Industriegebiet Goldene Aue, will der Moderator wissen. Lemme versichert hierauf, er sei in Gesprächen mit der Landesentwicklungsgesellschaft und rechne im Oktober mit dem ersten Spatenstich. „Aber wir sollten mehr tun. Ich sehe Chancen, noch besser zu werben. Vielleicht an der A 38“, erklärt er. Und auch Grund ist optimistisch. Die bisherige Zusage eines Logistikers sei für ihn positives Signal. „Die öffentliche Stimmung ist schlechter als die tatsächliche Situation“, sagt er und warnt damit vor einer kollektiven Stimmung der Skepsis, die Investoren abschrecken könnte.

Auch Park Hohenrode und die Pläne eines Tagungshotels beschäftigen das Podium, an dem nur fünf der zehn Kandidaten teilnehmen können. Eine Bürgerinitiative allein, findet Grund, könne den Park nicht stemmen. „Etwas Ansprechendes und Bewahrendes sind vereinbar“, glaubt er. Lemme empfiehlt das Südharz-Klinikum als finanzkräftigen Partner. „Hohenrode ist ein guter Standort für ein Hotel.“ FDP-Bewerber Ronald Krügel möchte sich dagegen nicht in die Diskussion einmischen. Lieber sei ihm das Thema Bürgergeld, das er zum Missfallen Pohls für alle fordert. Auch das Thema Steuer liege Krügel am Herzen. Die müsse für deutsche Firmen gesenkt und auf Unternehmen mit Sitz im Ausland wie Amazon und Ikea umgelenkt werden. „Da habe ich von CDU und SPD noch keine Konzepte gehört“, empört sich Krügel. Empört ist auch Pohl: Kein Unternehmer im NUV moniere bei der Fragerunde die Gewerbesteuer. „Warum nicht. Geht es Ihnen zu gut?“ Was er damit vorhat, bleibt am Montag noch sein Geheimnis.

Merkwürdig ruhig bleibt indes der parteilose Bewerber Eckehart Rieth. Lediglich für den größten Lacher des Abends, an dem sich CDU, FDP, SPD und AfD im Übrigen für eine Förderung des Albert-Kuntz-Sportparks aussprechen, sorgt Rieth mit seinem Wunsch, sich im Bundestag für die Gleichberechtigung von Männern einzusetzen. „Wenn wir vorm Familiengericht sitzen, gewinnen immer nur Frauen“, klagt er.

 

Hier alle Bewerber im Nordthüringer Wahlkreis 189 im Überblick:

Manfred Grund (CDU), Heiligenstadt

Kersten Steinke (Linke), Frankenhausen

Steffen Lemme (SPD), Möbisburg-Rhoda

Jürgen Pohl (AfD), Mühlhausen

Stephanie Kespohl (Grüne), Elende

Ronald Krügel (FDP), Gernrode

Uwe Reiche (Freie Wähler), Wehnde

Karl Edmund Vogt (ÖDP), Worbis

Severin Rascopp (pl), Sonnenstein

Eckehart Rieth (pl), Reinholterode

 

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Quelle: Thüringer Allgemeine vom 29.08.2017

Foto: Nordthüringer Unternehmerverband