Moderationsprozess Biosphärenreservat

Montag, 19. März. 2018

Kritik am Moderationsprozess zum angedachten Biosphärenreservat Südharz-Kyffhäuser

Am Wochenende erhielt der Vorsitzende des Nordthüringer Unternehmerverbandes nicht nur an die offizielle Adresse des NUV, sondern auch privat, im Nachgang zu der in der vergangenen Woche stattgefundenen Arbeitsgruppe Tourismus eine Stellungnahme der Bürgerinitiative „Bürger fürs Biosphärenreservat Südharz-Kyffhäuser“. Neben der Behauptung, dass das konstruktive Abwägen von Vor- und Nachteilen eines Biosphärenreservates für die Region von Seiten der Mitglieder des NUV „als instrumentalisierte Antihaltung“ beschrieben wird, folgt der Satz: „Wir sehen in einer gezielten Tourismusankurbelung über ein Biosphärenreservat ebenso ein Präventivprogramm gegen die allgemein medial beklagte, gesamtgesellschaftlich-anwachsende Fremdenfeindlichkeit“. M.a.W. sind diejenigen, die -dem Sinn des Moderationsprozesses entsprechend- zunächst die Vor- und Nachteile eines Biosphärenreservates hinterfragen, fremdenfeindlich?

Aus Sicht des NUV ist dies Ausfluss eines fehlerbehafteten und nicht mit offenen Karten geführten Moderationsprozesses. Der Vorsitzende des NUV hatte das Arbeitstreffen vorzeitig verlassen, nachdem sein wiederholter Hinweis, die in der Bürgerversammlung in Ellrich geäußerten Bedenken und Fragen der Bürger und Unternehmen der Region ernst zu nehmen und insbesondere den künftigen Zuschnitt des Biosphärenreservates offenzulegen, seitens des Moderationsteams unproffessionell und lautstark mit dem Hinweis, wir sprechen heute über Tourismus und nicht über Wirtschaft, abgebügelt worden war. Dies ist dem Moderationsprozess ebenso wenig förderlich wie die Region schlecht zu reden, indem man  die beiden betroffenen Landkreise Nordhausen und Kyffhäuser als Schlusslichter im Wirtschaftsranking Deutschlands hervorhebt und einzig den Tourismus als Segen für die wirtschaftliche Stärke der Region preist. Gerade der NUV hat in der Vergangenheit mehrfach, zuletzt im Zusammenhang mit dem S-ky-Projekt darauf hingewiesen, dass  der Tourismus ein Teil der Wirtschaft und nur das Zusammenspiel beider die Grundlage für eine erfolgreiche Entwicklung der Region ist.

Die Strategie des Moderationsteams, die Wünsche aller Beteiligten zusammenzutragen in der Hoffnung, dass diese später bei der Ausweisung des Biosphärenreservates sämtlichst durch die Politik berücksichtigt werden und am Ende dieser Wunschkatalog ohne eindeutige Festlegungen zu Gestalt und Inhalt des Biosphärenreservates als Ergebnis des Moderationsprozesses präsentiert wird, ist unrealistisch und wird letztlich nicht zur Akzeptanz des Biosphärenreservates in der Region führen. Der NUV appelliert, zur Sachlichkeit zurückzukehren und auch kritische Stimmen zuzulassen respektive sich mit diesen auseinanderzusetzen. Dazu gehört bspw. auch, nicht nur Kleinstbauernbetriebe und Pro-Bürgermeister aus der Rhön zu Wort kommen zu lassen, sondern entsprechend der Landwirtschaftsstruktur unserer Region sich auch mit vergleichbaren Betrieben sowie kritischen Bürgermeistern anderer Biosphärenreservate über die Vor- und Nachteile auszutauschen, um Vertrauen und Akzeptanz zu erlangen.

Am Mittwoch dieser Woche tagen weitere Arbeitsgruppen zum Biosphärenreservat und der NUV als Vertreter von mittelständischen Betrieben nicht nur der klassischen Industrie, sondern auch von Landwirtschafts- und Tourismusbetrieben erhofft sich eine klare Distanzierung zu dem Versuch, vermeintliche Fremdenfeindlichkeit als Argumentationsersatz zu benutzen und Rückkehr zu den seitens des Moderatorenteams selbst aufgestellten Verhaltensregeln.