Heinrich Lorenz: Überholte Position

Sonntag, 12. März. 2006

Der Landratskandidat und Sprecher des Arbeitskreises Wirtschaft von Bündnis90/Die Grünen, Heinrich Lorenz, hat heute die Bewertung des Kreisverbandes zum Strategiepapier des Nordhäuser Unternehmerverbandes (NUV) vorgestellt.

 

Ein Blick in die Ergebnisliste der Industrieproduktion im Thüringer Freistaat im Jahr 2005 zeigt Sömmerda, Wartburgkreis und Landkreis Gotha an der Spitze, dann folgt der Automobilstandort Eisenach. Dem Eichsfeldkreis wird beachtliche Wirtschaftsdynamik bescheinigt. Die Autobahn hat man dort nicht abgewartet, so Heinrich Lorenz vom Kreisvorstand B90/Die Grünen. Dieser hatte sich in der jüngsten Vergangenheit mit dem Entwicklungskonzept des Nordhäuser Unternehmerverbandes beschäftigt.

 

Nordhausen versuche sich dagegen an der Altlosung: „Überholen ohne einzuholen“, so Lorenz weiter. Fast 10-jähriges Basteln an einer 100 ha-Industriefläche, Wunderglaube an einen Großinvestor in der Aue, all das verbunden mit einer mangelhaft aufgestellten Wirtschaftförderung - in der Stadt und im Landkreis. Bei vielen Unternehmen brodele es schon lange und sehr bedenklich. Warum waren eigene Ideen kaum gefragt, so der Grüne Landratskandidat weiter? Die Zeit der größeren Investoren sei seit Jahren abgelaufen! Aber die Landesentwicklungsgesellschaft Thüringens mit ihrer Gedankennähe zum Wirtschaftsministerium baue weiterhin darauf.

 

Wirtschaftsförderung - oder deren Vortäuschung - wurde eine lange debattierte Frage. Mit der Offensive des Nordhäuser Unternehmerverbandes könnte eine Weichenstellung eingeleitet werden - Entwicklung leistungsfähiger, mit der Forschung verbundener Unternehmen. Es wäre die Chance in Richtung einer „zweiten Wende“, noch ohne Garantie, aber mit großen Erwartungen. Handwerk, Gewerbe und Mittelstand hätten im materiellen Sektor fast allein die Arbeitsplätze geschaffen, die Produktion modernisiert, so der grüne Arbeitskreis-Sprecher weiter.

 

„Wenn es auch für einige neu sei: Die Wirtschaftsstrategie wird zuerst in den Unternehmen entschieden, auch wesentliche Elemente der Wirtschaftspolitik. Der Maßnahmeplan des Unternehmerverbandes, als erster öffentlicher Entwurf soll offen für konstruktiv kritische Stellungnahmen sein - auch das ein Novum. Notwendig sei aber die Konfrontation mit alternativen Sichten und den Leitgedanken: Es darf kein zurück mehr geben. Der Text aus dem Unternehmerkreis ziele auf eine „neue regionale Wirtschaftsstrategie“ und sei damit auf einen hohen Anspruch festgelegt – Aber: Klar formulierte Zielansprachen, durch Analysen gestützt liegen noch nicht vor.

 

Genau diese Situation ausnutzend, seien mit der Industrieflächenplanung überholte planwirtschaftliche Positionen implantiert worden. Der Rückfall in die Debatte „Flächenbevorratung auf 100 ha“ oder „Konzentration aller Mittel (auch finanzieller) für modern-innovative Produktion“ sei durch vielfache Erfahrung längst entschieden, aber offensichtlich noch nicht in einigen Köpfen, ist sich Heinrich Lorenz sicher. Die Zielstellung des Unternehmerverbandes kann entweder neu, also vorwärts - oder rückwärts orientiert sein - aber beides zusammen geht nicht!

 

Die mit ins Boot genommene Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) muss endlich an der Spitze moderner Regionalentwicklungsprozesse besonders in der Nordthüringischen Region stehen. Gewinnung und Verteilung von Investoren seien nur dann fördernd, wenn solche Vorhaben konfliktarm in die vorrangige Entwicklung der eigenen Kräfte integrierbar sei.

Vor der Festlegung notwendiger Arbeitsgruppen, Gremien sollte der Unternehmerverband streng das Leistungspotential der Beteiligten zum Maßstab der Mitarbeit machen - eine Forderung, die zumindest aus seinem Maßnahmekonzept ableitbar sei. Als Ergebnis der Prüfung des Papiers durch den grünen Wirtschaftkreis fordert dieser weiter, auch die Landwirtschaft als Nahrungsmittel-Rohstofferzeuger, Landschaftsgestalter, Energierohstofflieferant u.a. ist in die neue Wirtschaftsstrategie zu integrieren. Ihr dürften die dafür notwendigen Grundlagen (Grund und Boden) nicht entzogen werden.

 

Die dargestellte Kurzfassung zur Tourismusentwicklung sei so allgemein, dass sie überall zutreffen könnte- ohne spezielle Leitideen für den Südharz. Diese Kurzfassung bleibe weit hinter den bereits erarbeiteten und vom Kreistag vor Jahren beschlossenen Konzeptionen für den Tourismus im Landkreis zurück. Probleme der territorialen Reichweite wirtschaftsstrategischer Ziele (Integration von Sondershausen) sollten frühzeitig unter Beteiligung der Öffentlichkeit entschieden werden, fordert der Kreisverband von B90/Die Grünen schon seit längerem..

 

Weniger Kompromisse, analysegestützte, alternative Zielvorgaben für innovative Wirtschaftsprozesse, Auswahl der Personen nach Analyse- und Strategiefähigkeit und Durchhaltevermögen gegen nicht geringe Beharrungskräfte, sind Bedingungen für das Neue, das konkret und zielstrebig zu benennen ist, so abschließend Heinrich Lorenz.

 nnz-online.de