Wacker steh’ auf!

Freitag, 17. Februar. 2006

Wenn es nach den Verantwortlichen des FSV Wacker 90 Nordhausen geht, dann könnte die Tabelle der Fußball-Oberliga am 15. September 2008 folgendermaßen aussehen: 5. – Wacker Nordhausen, 6. Rot Weiß Erfurt. Nur eine Vison?

Wie aus dieser Vision Wirklichkeit werden könnte, dazu wurde gestern mit Unternehmensvertretern beraten. Das Präsidium von Wacker Nordhausen, der Nordhäuser Unternehmerverband (NUV) und die Autohaus-Peter-Gruppe hatten zu einer Beratung eingeladen. Mehr als 50 Unternehmer, Geschäftsführer und kommunale Politiker waren in die Konferenzräume des Mercedes-Autohauses gekommen. Sie wollten sich anhören und darüber diskutieren, wie Wacker Nordhausen seiner Rolle als Flaggschiff des Fußballsports im Landkreis Nordhausen und darüber hinaus gerecht werden kann. Gastgeber und Hausherr Helmut Peter meinte bei seiner Begrüßung, dass man den Sport im Landkreis Nordhausen auch unterstützen müsse, um die Jugend von der Straße zu bekommen. Auch seien im Umfeld des Fußballsportes vielleicht einige Geschäfte zu machen.

Dann stellte Wacker-Vizepräsident Olaf Schulze die Struktur des Vereins vor, legte die Arbeitsteilung im neuen Präsidium dar und brachte – ausgehend von der Vereinsphilosophie – die Visionen der Verantwortlichen zu Gehör. Arndt Forberger war es vorbehalten, mit Zahlen zu jonglieren. Selbst in der kommenden Saison, die in der Landesliga absolviert werden wird, gebe es im Etat nach den bisherigen Planungen eine Finanzierungslücke. Noch größer würde diese werden, sollte Wacker das mittelfristige Ziel, den Aufstieg in die Oberliga, anvisieren. Nach den bisherigen Berechnungen würden den Verantwortlichen rund 80.000 Euro in der Kasse fehlen, bei einem angenommenen Mindestetat von 240.000 Euro. Zum Vergleich: Der HFC verfügt in dieser Spielzeit über ein Etatvolumen von 1,4 Millionen Euro.

 

Dessen Präsident, Dr. Michael Schädlich, stellte dann den Unternehmern seine Arbeit in Halle vor. Er machte deutlich, dass sich ein Sponsoring für die Unternehmen vor allem im Fußball „rechne“. Einer Untersuchung zufolge bekennen sich 44 Prozent der Menschen zum regionalen Fußball. Der stifte Identität, fördere die Konsumausgaben und biete eine ideale Werbeplattform. Schädlich mahnte aber auch an, das Fußballspiel als ein Event zu betrachten. Genauso wichtig wie die 90 Minuten seien das „Davor“ und das „Danach“. Und letztlich, das würden die Hallenser Erfahrungen bestätigen, hätten das Netzwerk und die Möglichkeiten für Geschäfte keinem der Beteiligten geschadet.

 

Ein solches Netzwerk gilt es auch in und um Nordhausen herum aufzubauen. Dabei kann das Präsidium auf verlässliche Größen zurückgreifen. Helmut Peter bekannte sich klar zu Wacker, der ehemalige Präsident Bernd Seidenstücker und Eckes-Manager Michael John werden ebenso einem Wirtschaftsbeirat von Wacker Nordhausen angehören. Der soll letztlich einen Pool schaffen, dem die Sponsoren angehören. 90 Unternehmen sollen es werden, so die präsidialen Vorstellungen. Das wird nicht einfach, doch seit gestern Abend ist der Anfang gemacht.

 

Die meisten Punkte sammelte gestern der Nordhäuser Bürgermeister Matthias Jendricke (SPD). Der outete sich nicht nur als Wacker-Fan, der durch das Eröffnungsspiel gegen Erfurt Nord derart begeistert war, dass er fast jeden Samstag bei Heimspielen auf der Tribüne zu finden ist, der bekannte sich als Bürgermeister auch klar zum Verein als dem Spitzenverein in der Region. „Wacker Nordhausen muß die Spitzenposition einnehmen, damit letztlich auch andere Vereine von dieser Ausstrahlungskraft profitieren können. Wir sind hier im Thüringer Norden zwar keine Kunststadt und keine Tourismusstadt, vielleicht können wir eine Sportstadt werden“, fragte der Kommunalpolitiker in die Runde.

 

Auch der Kreissportbund will Wacker bei seinem Weg fördern und unterstützen. Siegfried Janiszewski verwies jedoch auch auf seine Verantwortung für die anderen Vereine. Mit Blick auf das Verhältnis zwischen dem Kreissportbund und Wacker in den zurückliegenden Jahren meinte der KSB-Chef: „Die Eiszeit scheint vorbei zu sein, wir müssen aber noch bei vielen kleinen Fußballvereinen die bestehenden Ressentiments abbauen“. Genau dieses könnte auch der Kreisfachausschuss Fußball befördern. Der glänzte gestern durch entschuldigte Abwesenheit. Scheinbar haben die KFA-Macher nicht erkannt, welche Bedeutung ein Spitzenverein für die Region hat. Denn dann würden sie zum Beispiel nicht die meisten Ansetzungen der Kreisliga und der Kreisklasse auf den Wochenendtag legen, an dem in der Landesliga gespielt wird. Diese Machart hat jedoch beim KFA Tradition, sie reicht bis in die Mitte der 90er Jahren zurück und wird seitdem massiv gepflegt. In anderen Landkreisen ist das schlichtweg unvorstellbar.

 

Wacker Nordhausen hat gestern einen wichtigen Schritt getan. Im Albert-Kuntz-Sportpark igelt man sich nicht mehr ein. Dort werden Ziele und Visionen „ausgeheckt“, sie werden beraten, beschlossen und schließlich rausgetragen. Nach der Etablierung von Fanbeauftragten ist jetzt ein entscheidender Schritt auf die Wirtschaft zu unternommen worden. Wie das Echo in den kommenden Wochen und Monaten sich anhören wird, das muß beobachtet werden. Fakt ist aber auch: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und mal ehrlich: Fußball ist und bleibt für die vereinigte Männerschaft doch eine der schönsten Nebensachen der Welt.

 

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