Ausklang im Festzelt

Samstag, 14. August. 2004

Der Tag der Wirtschaft war gestern mit einem Empfang auf dem Petersberg zu Ende gegangen. Dabei wollten die Unternehmen des Landkreises Nordhausen Gedanken austauschen, ein wenig feiern und natürlich wurden auch Reden gehalten. Die nnz hörte zu.  

Der Nordhäuser Unternehmerverband, der gestern quasi offiziell und in aller Öffentlichkeit seine „Geburt“ feierte, hatte auf dem Gelände der Landesgartenschau zu einem Empfang eingeladen. Gekommen waren Unternehmer, Politiker und Vertreter von Behörden und Institutionen aus dem Landkreis Nordhausen. Vorsitzender Hans-Joachim Junker freute sich, daß dieser Abschluß eine große Resonanz gefunden hatte. Dieser 13. August sei nicht nur einfach ein „Freitag, der 13.“ gewesen, sondern habe in diesem Land vielerlei Bedeutung. Einerseits bedeute der 13. August in der Geschichte Deutschlands mit dem Bau der Berliner Mauer einen historischen Rückschritt, dessen Folgen bis heute zu spüren seien. Andererseits könne mit dem heutigen Tag der Wirtschaft auch positiv in die Zukunft geblickt werden und zu dem präsentiere sich eine moderne Welt unter anderem auch durch die Eröffnung der Olympischen Spiele in Athen.

Als einen logischen Schluß bezeichnete Thüringens Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz (CDU) die Gründung eines Unternehmerverbandes im Landkreis Nordhausen. „Veränderungen für die Region müssen ihren Anstoß aus der Region heraus haben“, so der Festredner und so bezeichnete er die Ansiedlung der Klemme AG als ein Ereignis, das diese Region einfach verdient habe. Allein aus der Tatsache, daß der Nordthüringer Raum immer noch zu den wirtschaftlich schwächsten Revieren in Thüringen gehöre, sei die Landesregierung „gezwungen“, sich mit allen Möglichkeiten der Politik der weiteren Entwicklung zu widmen.  

Reinholz ging auch auf die aktuelle Lage in der Region ein. Für ihn sei das Reformpaket Hartz IV richtig, trotz der vielen Demos. Es sei von der Bundesregierung aber schlampig gemacht. Reinholz forderte von Rot-Grün in Berlin weitere Veränderungen am Gesetz, die vor allem den Arbeitsmarkt-Verhältnissen in den neuen Bundesländern Rechnung tragen würden. Im Vordergrund der Umsetzung von Hartz IV müsse die Tatsache stehen, daß arbeitslose Menschen in Arbeit gebracht werden. Dafür werde er sich bei weiteren Gesprächen in Berlin einsetzen.

In Thüringen selbst müsse der Mittelstand als die eigentliche Säule der Wirtschaft weiter durch Forschung und Entwicklung gestärkt werden. Nur qualitativ hochwertige Produkte könnten auf dem Weltmarkt zu entsprechenden Preisen abgesetzt werden, Thüringen sei und werde auch in Zukunft kein Billiglohnland sein. Deshalb solle die Wirtschaft – mit Unterstützung der Politik – die Bildung von Netzwerken und Clustern weiter verstärken. Letztlich könnten damit Standortnachteile entscheidend verringert werden. Bis Ende 2006 müsse in punkto Wirtschaftsförderung vieles auf den Weg gebracht werden, für Renholz sei der 31. 12. 2006 so zusagen eine „deadline“. Da würde die GA-Förderung ebenso auslaufen wie viele Förderinstrumentarien der EU.

 

Der Thüringer Wirtschaftsminister widmete sich in seinen Ausführungen auch dem Industriegebiet in der Goldenen Aue. Er forderte dessen Gegner auf, ihre persönlichen Befindlichkeiten im Sinne der Allgemeinheit zurückzusetzen. Es können nicht angehen, daß Einzelne und Besserwisser eine ganze Region demontieren würden.

Oberbürgermeister Barbara Rinke (SPD) schloß sich den Worten von Jürgen Reinholz an, sie betrachte den Tag der Wirtschaft als einen Meilenstein auf einem Erfolgsweg, der zwar langsam, jedoch aber beständig beschritten werde. Im Konflikt um das Industriegebeit in der Goldenen Aue sei das Stadtoberhaupt guter Hoffnung. Nach Gesprächen mit Landrat Joachim Claus (CDU) sei sie sicher, daß es in der nächsten Woche zu einer Lösung kommen könnte.  

Auch Landrat Joachim Claus mahnte an, daß das Industriegebiet das wichtigste Vorhaben in dieser Region sei, um weitere Arbeitsplätze zu schaffen. Auch er sei optimistisch, daß das Gebiet „noch in diesem Jahr kommen werde“. Claus ging auch auf die Demos gegen Hartz IV ein. Er warnte davor, daß mit derartigen Aktionen keine neue Mauern in der Köpfen der Menschen aufgebaut werden sollen. Letzlich wünschte er sich – ebenso wie Oberbürgermeisterin Barbara Rinke – eine starke Region mit einer starken Hoffnung.