„Auf einen Korn!“

Montag, 01. April. 2019

Der Nordthüringer Unternehmerverband hatte am Vormittag zu einer Art Premiere eingeladen. „Auf einen Korn“ nennt sich das Format und soll eine Art Stammtisch sein, bei dem aktuelle politische und wirtschaftliche Themen diskutiert werden sollen. Zum heutigen Auftakt stand…

… die Beantwortung der Frage „Gibt es genug Wohnungen und Bauland in und um Nordhausen?“ im Mittelpunkt. Antworten darauf finden sollten zum Beispiel die Geschäftsführerin der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft, Inge Klaan, und der Unternehmer Axel Heck. 

Niels Neu, der gemeinsam mit Tradi-Chef Thomas Müller den Stammtisch moderierte, begrüßte die Gäste, die einen bunten Mix aus Politik und Wirtschaft repräsentierten. So waren unter anderem einige kommunale Wahlkämpfer – von AfD bis Linke – zu sehen. Aber auch Landrat Matthias Jendricke und sein Vize Stefan Nüßle oder Harztor-Bürgermeister Stephan Klante waren gekommen, Fehlanzeige gab es bei der Spitze des Nordhäuser Rathauses.

Inge Klaan erinnerte an die Wohnungssituation kurz nach der Wende, als es Mitte der 90er Jahre einen Wohnungsüberhang gab und die beiden großen Vermieter (SWG und WBG) Hunderte Wohnungen zurückbauen mussten. Klaan sieht defacto derzeit in Nordhausen einen gesunden Wohnungsmarkt, allerdings gebe es Segmente mit Problemen.

Für Axel Heck gibt es eine Besonderheit in Nordhausen, die ihre Ursache in der historischen Situation habe. Letztlich aber konstatiert auch Heck einen gesunden Markt, für den Wohnungsinteressent gibt es aber Probleme, wenn er eine qualitativ hochwertige Wohnung oder ein Eigenheim sucht.

Steffen Loup, Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft Südharz, geht davon aus, dass es in den nächsten zehn Jahren einen weiteren Rückbau von Wohnungen geben werde. Das ist die eine Seite, die andere sei die Anpassung der Wohnungen an gestiegene oder notwendige Bedürfnisse. Zum Beispiel die größere Wohnfläche pro Person oder den barrierefreien Umbau von Wohnungen.

Axel Heck mach darauf aufmerksam, dass zum Beispiel Studenten nach ihrem Studium eventuell einen Arbeitsplatz bekommen könnten, aber nicht den passenden Wohnraum finden würden. Zwischenfazit: Nordhausen braucht einen weiteren größeren Standort für klassische Einfamilienhäuser.

Harztor Bürgermeister Klante will die gesamte Diskussion nicht auf ein Gegenspiel zwischen Stadt und Umland reduziert haben. Letztlich gehe es um den gesamten Landkreis. Klante möchte mit seiner Landgemeinde nicht zweite Wahl für einen Eigenheimstandort sein. Heike Umbach, Geschäftsführerin der Sollstedter Wohnungsbaugesellschaft sieht den Sog in die Stadt auch als Chance für die Weiterentwicklung ihres Wohnungsbestandes. So habe das Unternehmen zwei leerstehende Blöcke gekauft, um daraus barrierefreie Wohnungen zu „machen“. 30 sollen es sein und bereits nach einigen Tagen musste die Warteliste dafür geschlossen werden.

Eigenheim und/oder Mietwohnung? Was aber, wenn es in Nordhausen die Ansiedlung eines Unternehmens gibt und es besteht der Bedarf von 100 oder 200 neuen Wohnungen für neue Arbeitskräfte? Konkrete Antworten konnten an diesem Vormittag nicht gegeben werden. Eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung gab zu bedenken, dass zwischen der Verkündung einer Ansiedlung in der Goldenen Aue und dem tatsächlichen Produktionsbeginn doch einige Monate vergehen würden. Und da könne man reagieren.

Landrat Jendricke sagte, dass es ihm egal sei, ob die Menschen in der Kreisstadt oder auf dem Land leben. Als eine Frechheit bezeichnete Jendricke, dass die Stadt Nordhausen selbst keine Eigenheimstandorte anbietet, aber Harztor die Erschließung eines Eigenheimstandortes verbietet. Gern hätte er heute die Meinung der Rathausspitze gehört, aber… siehe oben.

Jörg Prophet hätte sich gewünscht, dass der Mieterschutzbund heute seine Meinung hätte sagen können. Er mahnte an, die Rolle der kommunalen Politik mehr in den Fokus zu nehmen, die müsse die Rahmenbedingungen setzen und planerische Ziele vorgeben. Auch solle sich die Politik darum kümmern, wie mehr Arbeitsplätze in der Nordhäuser Region geschaffen werden könnten.

Zum Ende der Korn-Runde wollte Niels Neu ein Statement der Fraktionsvorsitzenden hören. Andreas Wieninger (SPD) konstatierte mit der OB-Wahl von Kai Buchmann eine besseres Verhältnis unter den Fraktionen aber eine zunehmende Frostigkeit zwischen der Rathausspitze und dem Stadtrat. Er gab den Rat, dass der OB erst einmal „Ordnung in seinen Laden bringen müsse“. Für Steffen Iffland (CDU) ist es wichtig, eine Balance zwischen der Stadt und den Ortsteilen zu generieren, auch und vor allem wenn es um Wohnraum gehe.

„Auf einen Korn“ ist ein neues Format, es war ein vielversprechender Anfang, der neugierig auf die Fortsetzung macht.

Quelle Bild und Text: Peter-Stefan Greiner, Opens external link in new windownnz-online.