Jürgen Stäter hat Schachtbau Nordhausen durch schwierige Zeiten geführt

Donnerstag, 22. August. 2019

Der Geschäftsführer geht nach 47-jähriger Tätigkeit für Nordhäuser Bergbau-Unternehmen Ende August in den Ruhestand.

Am 31. August geht eine 47-jährige Bergbau-Ära zu Ende: Schachtbau-Geschäftsführer Jürgen Stäter verabschiedet sich mit 65 Jahren in den Ruhestand. Der gebürtige Ascherslebener fing im September 1972 nach seinem Abitur als Bohrarbeiter beim damaligen VEB Schachtbau in Nordhausen an, studierte Geotechnik und diente sich hoch bis zum Geschäftsführer, dessen Posten er im Oktober 1993 übernahm.
Da gehörte das nach der Zerschlagung der IFA größte Industrieunternehmen der Rolandstadt schon ein Jahr lang zum westdeutschen Bauer-Konzern. „Wir hatten das Glück des Tüchtigen, dass uns kein Management aus dem Westen vor die Nase gesetzt, sondern unserer regionalen Kompetenz vertraut wurde“, betont Stäter. Man habe von Anfang an die Akzeptanz im Konzern besessen, es sei immer ein „partnerschaftliches Miteinander“ gewesen.
„Es war natürlich auch wichtig, von jemandem übernommen zu werden, der überwiegend in anderen Geschäftsfeldern tätig war“, erklärt der Geschäftsführer. Und: „Wir sind nie eine verlängerte Werkbank von Bauer gewesen, hatten außer im Maschinenbau keine Überschneidungen zu verzeichnen“.
 
Stäter hat den Schritt zum Geschäftsführer nie bereut. Aber er habe damals nicht geahnt, mit welchen Schwierigkeiten er zu kämpfen hatte. Bis 1996 schrumpfte das Unternehmen von über 3000 auf unter 1000 Mitarbeiter. „Wir haben versucht, die Menschen nicht ins Bergfreie fallen zu lassen, was uns nicht in allen Fällen gelungen ist“, blickt Stäter auf eine schwere Zeit zurück.

Wesentlich sei die erfolgreiche Integration in die Bauer-Gruppe gewesen. „Den Umstand, dass es Schachtbau nach der Wende weiter gab und heute immer noch gibt, kann ich sicher als Erfolg verbuchen. Aber nicht als meinen Erfolg allein, sondern der des gesamten Teams“, betont der 65-Jährige.
1998 feierte Schachtbau sein 100-jähriges Jubiläum. „Da hatten wir schon alle Bereiche gegründet, die es auch heute noch gibt“, so Stäter. Zu den Traditionsgeschäften des Berg- und Untertagebaus sowie Maschinen- und Stahlbau waren die neuen Gebiete des Brücken- und Ingenieurbaus, der Bauwerkssanierung und der Umwelttechnik hinzugekommen. „Ich bin der festen Überzeugung, dass unsere Vielbeinigkeit dazu beigetragen hat, uns am Markt zu behaupten und auch auf Probleme zu reagieren“, so der Geschäftsführer. Natürlich habe es auch Rückschläge gegeben. „Nicht jedes Geschäft hat Bestand gehabt. Zum Beispiel mussten wir aus wirtschaftlichen Gründen im Jahr 2010 den Tunnelneubau aufgeben. Und 2014 zogen wir uns aus dem Biogasanlagenbau zurück“, nennt Stäter Beispiele.
Ein hohes Risikobewusstsein müsse immer vorhanden sein. „Aber bemühe dich stets herauszufinden, welche Risiken unternehmensbedrohend sein könnten“, betont der gelernte Geotechnik-Ingenieur. Mit dieser Maxime sei er stets gut gefahren.
Auch im persönlichen Umgang spielen Maximen für Stäter eine wichtige Rolle. „Versuche stets Mitarbeiter zu finden, die möglichst besser sind als du selbst“, lautet eine solche. Das gelte insbesondere auch für Führungspositionen. „Und bleibe nicht auf deinen Weisheiten sitzen, sondern gebe sie rechtzeitig weiter. Denn Herrschaftswissen gehört nicht mehr in die heutige Zeit“, ist der baldige Ruheständler überzeugt.
Ab dem 1. September beginnt für Stäter ein neuer Lebensabschnitt. „Ich freue mich darauf, dass ich in Ruhe darüber nachdenken kann, wie ich die neue Lebensphase ausfüllen werde“, blickt er voraus. Denn viele Dinge hätten notorisch unter Zeitmangel gelitten, zum Beispiel seine Liebe zum Fahrradfahren und die Gartenarbeit. „Ich freue mich aber auch auf das Lesen eines guten Buches oder den Besuch von klassischen Konzerten“, nennt er weitere Beispiele. „Eines wird aber sicher bleiben: Die neue Lebensphase wird gewissen Planungen unterliegen, aber viel gelassener als noch in der Vergangenheit“, hofft der in Steigerthal lebende Südharzer gut für die kommende Zeit gewappnet zu sein.
Er habe aber kein Problem damit, nicht mehr in der Verantwortung zu stehen. „Der geschäftliche Umgang ändert sich und wird in Zukunft ein anderer sein. Früher haben wir mehr miteinander geredet oder zum Telefonhörer gegriffen, um Dinge zu regeln“, hat er beobachtet. Heute werde viel mehr geschrieben und per E-Mail oder soziale Medien kommuniziert. „Ich bin nicht böse darum, denn die neue Generation muss in die Verantwortung“, sagt Stäter.

Quelle: Hans-Peter Blum, TA Nordhausen

Foto (Hans-Peter Blum, TA Nordhausen): Jürgen Stäter, Geschäftsführer bei Schachtbau Nordhausen, geht Ende dieses Monats in den Ruhestand. Er hat 26 Jahre an der Spitze des Bergbau-Unternehmens gestanden.