Nordthüringer Unternehmerverband pocht auf schnelle Regierungsbildung und kritisiert Tourismuskonzept.

Donnerstag, 28. November. 2019

Vor Konzeptfindung sei nicht mit Unternehmen gesprochen worden. Eine starke Wirtschaft brauche zudem politische Sicherheit.

Der Nordthüringer Unternehmerverband (NUV) blickt skeptisch nach Erfurt und auf den Tourismus im Südharz. Das erklärte NUV-Chef Niels Neu in einem TA-Gespräch. Grund der Sorge um das Gastgewerbe der Region ist die Mitte November präsentierte Tourismuskonzeption für die Region Südharz-Kyffhäuser. Die habe ihn überrascht, erklärt Neu. Immerhin habe der Ritter von Kempski erst vor vier Jahren mit der Qualitätsoffensive „S-Ky“ einen Plan vorgelegt, mehr Gäste in den Harz und sein Vorland zu locken.

„Diese Idee verstand sich als Ergänzung zur Landesstrategie, in der der Südharz ja zu kurz kam“, erinnert Neu. Die, so empfand es Neu, sehr aus der Wirtschaftswelt heraus gedacht war, also Unternehmen und Touristiker miteinander vernetzte und durch qualitative Angebote locken wollte. Der NUV-Chef moniert zudem, dass man vor dem neuen Konzept keine Gespräche mit dem NUV gesucht habe und dass von einem Qualitätsmanager für die Region keine Rede mehr ist. „Wir werden die Umsetzung des Konzepts natürlich unterstützen, aber überzeugt sind wir nicht“, schließt er seine Kritik.

Überhaupt scheint die Stimmung in der Wirtschaft derzeit keine optimale zu sein: Jede Mitgliedsfirma – Ende vorigen Jahres zählte man derer 181 – verspüre das Gefühl eines nahenden Konjunkturdämpfers. „Die Automobilindustrie als Herzschrittmacher der Wirtschaft ist geschwächt, das wird sich auswirken“, fürchtet Neu.

Gerade daher sei eine schnelle Regierungsbildung nun wichtig, fordert er. Bei einer Mitgliederversammlung habe der Verband in geheimer Abstimmung die Stimmung nach der Landtagswahl abgefragt. „Alle wollen, dass die Parteien zügig zu einer handlungsfähigen Regierung kommen, wobei damit keine geschäftsführende gemeint ist.“ Auch einer Minderheitsregierung stehe er skeptisch gegenüber, sagt ein NUV-Chef, der zwar Birgit Keller (Linke) zum neuen Amt als Landtagspräsidentin gratulierte, durch ihren Weggang aus dem Infrastruktur-Ministerium aber eine fehlende, starke Stimme für die Region fürchtet. „Die Wirtschaft braucht gute Bildung, Sicherheit, Digitalisierung und eine starke Infrastruktur. Dafür müssen ideologische Scheuklappen abgelegt werden“, appelliert Neu.

Quelle: Peter Cott, Opens external link in new windowwww.thueringer-allgemeine.de, 27.11.2019