Geschäftsmann ohne Geschäft

Mittwoch, 08. April. 2020

Der Nordhäuser Alf Grabinsky musste drei Läden schließen – doch er denkt längst an die Zeit nach Corona

Nordhausen. Mehrere Standbeine zu haben, ist oft vorteilhaft für einen Unternehmer. In Zeiten der Corona-Pandemie aber hilft auch das nur bedingt. Alf Grabinsky macht diese leidvolle Erfahrung gerade: Sein Café „Central“ und das „Felix“ sind seit mehr als zwei Wochen zu, verschließen musste der Nordhäuser ebenso die Türen seines Friseursalons in der Bahnhofstraße. Das benachbarte Restaurant „La Stazione“ seiner Frau Terry Grabinsky darf nur noch den Lieferdienst aufrechterhalten. Das Catering für Sport- oder Kulturveranstaltungen hat sich vorerst ganz erledigt.


Bleibt noch die Vermietung und Verpachtung von Immobilien – ein Geschäft, das normalerweise etwa ein Viertel des Umsatzes von Grabinskys Luttera-Holding einspielt. „Viele meiner studentischen Mieter haben fluchtartig die Stadt verlassen und gekündigt. Andere werden bei baldiger Arbeitslosigkeit die Miete nicht mehr bezahlen können“, meint Alf Grabinsky.
 
Er lenkt das Gespräch auf das erst am 9. März wiedergeöffnete Café „Vicoria“: „Würde ich auf der normalen Mietzahlung bestehen, würde ich den Pächte in die Insolvenz treiben, bevor er richtig angefangen hat.“ Grabinsky denkt nun über eine Mietstundung nach – ein Weg, der möglicherweise auch zwei drei weiteren Pächtern seiner Gewerbeobjekte das Überleben ermöglicht.


Die Corona-Krise hat auch der hiesigen Wirtschaft viel der gewohnten Normalität genommen – Kreativität ist gefragt im Umgang mit ihr. Grabinsky – durchaus bekannt als jemand, der einen Laden schließt, wenn es nicht mehr läuft – ist überzeugt davon, den Weg in die Zukunft zu meistern. Oberstes Ziel ist, die Jobs seiner insgesamt 37 Mitarbeiter zu sichern. Deren Loyalität auch in dieser schwierigen Zeit weiß er zu schätzen.


„Ich stekcke den Kopf nicht in den Sand, wir Unternehmer dürfen nicht in Starrheit verfallen. Ich bin weiter jeden Tag im Büro. Wichtig ist nun, dass wir uns gemeinsam auf die Zeit nach Corona vorbereiten.“ Erste digitale Konferenzschaltungen mit Gleichgesinnten wie die dem Hotelier und Projektenetwickler Axel Heck liegen hinter ihm, weitere Brainstoarming-Runden sollen folgen. „Wir müssen die Leute wieder in die Gastronomie locken, vielleicht mit einer kleinen Eröffnungsfeier, einem kleinen Stadtfest“, sinniert der 48-Jährige. Leicht wird das nicht, die Umsatzentwicklungen beim Pizza-Dienst vom „La Stazione“ gibt eine Ahnung davon. Obwohl die Restaurants keinen Gast mehr bewirten dürfen, werden auch deutlich weniger Essen bestellt, nicht nur wegen der vielen Firmenmitarbeiter im Homeoffice, die nun mittags nicht mehr bestellen: „Auch Privatleute bestellen seltener: viele fragen sich, ob sie weiter Ihren Lohn bekommen, andere sind in Kurzarbeit. Wir verzeichnen beim Lieferdienst einen Rückgang von 20-30 Prozent.“


Grabinsky teilt die Befürchtung der Branchenverbände, die nach einem boomenden Jahrzehntvon einem baldigen Aus für etwa ein Drittel aller gastronomischen Betriebe ausgehen. „Die Leute werden vorsichtiger sein, nicht mehr in der Frequenz wie bisher in Gaststätten gehen.“ Aber Grabinsky will in der Krise auch eine langfristige Chance sehen: Sind wieder Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt verfügbar, könne auch wieder die gewünschte Qualität erbracht werden.


In diesen Tagen stehen für ihn und Assistentin Simone Spangenberg tagesaktuelle Themen an. So galt es, für seine 26 Festangestellten Kurzarbeitergeld zu beantragen,
 
Monate durchhalten ohne Ziel vor Augen ist schwierig
„67 Prozent des Gehalts sind in unserer Branche, in der das Trinkgeld sehr wichtig ist, nicht viel“, zeigt Grabinsky Verständnis für jene, die sich nun nach einem Nebenjob umsehen. Ein offenes Ohr braucht er zur Zeit auch für die Fragen und Probleme seiner Mieter und Pächter. Was Grabinsky ärgert, ist die Tatsache, dass seine bislang 23 geringfügig Beschäftigten gesetzlich keinen Anspruch auf Kurzarbeit haben. Zu 100 Prozent zahlen muss Granisky seinen Azubis das Lehrlingsetgelt, auch er Ihnen zur Zeit nichts beibringen kann, wenngleich ihm die Einnahmen fehlen. „Da muss die Regierung noch ein Hilfspaket schnüren.“


Grabinsky ist seit mehr als zwei Jahrzehnten in Nordhausen unternehmerisch tätig. „Ich bn froh, dass die Holdig heute auf soliden Beinen steht, die Liquidität reicht, um zwei bis drei Monate überbrücken zu können.“ Zunächst bis 19. April muss die Gastronomie, müssen Friseure und andere schließen. Dass niemand weiß, ob die Frist verlängert wird, sei das größte Proble. „So hat man kein Ziel vor Augen.“

Quelle: Opens external link in new windowTA Nordhausen, Kristin Müller