Neu kritisiert Regelung für Läden ab 27. April

Freitag, 17. April. 2020

Chef des Nordthüringer Unternehmerverbandes sieht Abstandsregeln eher im großen Möbelhaus gewährleistet denn im kleinen Modeladen

Nordhausen. „Die Südharzer Wirtschaftsunternehmen haben bislang sehr viel Verständnis für die Maßnahmen der Landesregierung in der Corona-Krise aufgebracht“, sagt Niels Neu, Chef des Nordthüringer Unternehmerverbandes (NUV). „Nach Bekanntgabe der Pläne zur Lockerung dieser Maßnahmen muss man jetzt aber aufpassen, dieses Verständnis nicht wieder zu verspielen“, gibt Neu zu bedenken. Er macht dies am Beispiel der Geschäfte fest, die ab 27. April wieder unter Auflagen öffnen dürfen.

„Es ist schwer zu erklären, warum die Größe der Verkaufsfläche auf 800 Quadratmeter begrenzt ist“, so Neu. Denn in den größeren Möbelhäusern sei doch das Einhalten des Mindestabstandes zwischen den Personen viel einfacher möglich als etwa im kleinen Modeladen. Er sehe hier die Gefahr einer Zwei-Klassen-Gesellschaft. „Ich hätte die Ladenöffnung eher an der Umsetzung von Abstand und Sicherheit festgemacht.“, erläutert er. Bei allen gut gemeinten Ratschlägen dürfe man aber auch nicht vergessen, dass es eine derartige Situation für die Politiker noch nicht gegeben hat.

Grundsätzlich bringe die Corona-Krise auch die Unternehmen im Südharz in eine kritische Lage. „Laut Aussage der Industrie- und Handelskammer befürchten 90 Prozent der Betriebe negative Auswirkungen auf ihre Geschäfte“, erklärt Neu. Etwa ein Fünftel der Unternehmen sehe sich von einer Insolvenz bedroht. „Die genauen Auswirkungen werden wir erst in einigen Wochen spüren. Auch im Südharz werden wir nicht um Insolvenzen herumkommen“, befürchtet der NUV-Chef. Einige der Mitgliedsunternehmen hätten schon Hilfszahlungen von Bund oder Land erhalten. Andere hätten Nachforderungen der Banken erreicht. „Die Hilfe ist gut gemeint, aber auf eine Dauer von etwa vier Wochen angelegt. Wenn die Krise jetzt aber länger anhält, müssen dringen weitere Hilfsprogramme aufgelegt werden“, fordert Neu.

Wenn er der Krise etwas positives abgewinnen kann, dann die Tatsache, dass das Bewusstsein gestiegen ist für die Wirtschaft als eine tragende Säule der Gesellschaft.

Quelle: Opens external link in new windowTA Nordhausen, Hans-Peter Blum