"Einige Betriebe bleiben auf der Strecke"
Niels Neu, der Vorsitzende des Nordthüringer Unternehmerverbandes, kritisiert die neuen Corona-Maßnahmen
Nordhausen. "Ich hätte mir ein differenzierteres Vorgehen der Bundesregierung gewünscht", sagt Niels Neu, Vorsitzender des Nordthüringer Unternehmerverbandes (NUV), zu den Corona-Maßnahmen, die ab dem 2. November greifen werden. Natürlich müsse die Zahl der Infizierten deutlich gesenkt werden. „Allen Beteiligten ist doch bekannt, dass die Infizierungen in erster Linie von privaten Feiern und Kontakten herrühren“, gibt er zu bedenken. Durch die Schließung der Gastronomiebetriebe bis Ende November werde aber die gesamte Branche in Haftung genommen.
„Bei den Beschränkungen in der Gastronomie hätte man mehr die regionalen Hotspots und die Risikogruppen im Auge haben müssen“, führt der NUV-Chef weiter aus. Auch Sperrstunden wie beispielsweise in Frankreich von 21 bis 5 Uhr wären für die Gastwirte der Region kein Problem gewesen, wie er aus Gesprächen wisse. „Härtere Ordnungsstrafen für die Verursacher stellen für mich den besseren Weg dar“, hätte er eine andere Lösung gewählt. „Wir schicken doch die Leute von einem kontrollierbaren Raum in den Gaststätten wieder zurück in die unkontrollierbare Privatsphäre“, kritisiert er die falsche Herangehensweise.
Das Grundproblem: Die Reserven der Gastronomen seien auch durch den Lockdown im Frühjahr langsam aufgebraucht. „Ich befürchte, dass trotz der finanziellen Hilfen der Bundesregierung einige Betriebe auf der Strecke bleiben werden“, blickt er in eine düstere Zukunft.
Auch auf seinen eigenen Verband haben die Maßnahmen direkte Auswirkungen. „Auf der Vorstandssitzung am Montag werden wir unsere große Weihnachtsfeier absagen, die am 14. Dezember im Hotel Freiberg in Stolberg geplant war“, kündigt er an. Das falle ihm nicht leicht. Und auch die interne Veranstaltung mit TA-Chefredakteur Jan Hollitzer am 19. November müsse leider ausfallen.
Landratswahlkampf ist für den Verbandschef derzeitig zweitrangig
Grundsätzlich seien die von der Regierung getroffenen Entscheidungen aber richtig. „Wir müssen aber vermeiden, dass die Corona-Krise für politisch-strategische Entscheidungen auf Bundesebene missbraucht wird“, sagt er mit Blick auf die CDU. Und auch an die regionalen Politiker richtet Neu einen Appell. „Es ist jetzt nicht die Zeit für einen großen kommunalpolitischen Wahlkampf“, betont er. Im Mai 2021 steht im Landkreis Nordhausen die Landratswahl an. Nur die SPD hat mit dem amtierenden Landrat Matthias Jendricke schon ihren Kandidaten nominiert. Die anderen Parteien müssen noch nachziehen.
„Eine Nominierung der Kandidaten auf rein digitalem Weg erachte ich für schwierig“, gibt der Südharzer zu bedenken. Denn ein Wahlkampf lebe von der direkten Ansprache und Diskussion. Doch das sei aufgrund der neuen Corona-Auflagen nicht möglich. „Ich meine damit aber nicht, dass wir die Wahl verschieben sollten, sondern den Wahlkampf den derzeitigen Bedingungen unterordnen“, macht er deutlich, um nicht missverstanden zu werden.
Quelle: Hans-Peter Blum, TA Nordhausen 30.10.2020



























































































































































