Erfolgsgeschichte Unternehmerverband
Nordhausen Bier gibt es, ohne dass der politische Stargast mit Streik drohen muss. Nicht in der Flasche, sondern eines Events wie diesem würdig, selbstverständlich im Glas. Denn zum Festakt des 20-jährigen Jubiläums des Nordthüringer Unternehmerverbandes (NUV) schmückt sich der größte regionale Wirtschaftsverband Thüringens, um dessen Vorsitzenden Niels Neu, mit einem Gastredner, der wegen seiner Freundschaft zu Russlands Präsidenten Wladimir Putin nicht unumstritten ist: Altkanzler Gerhard Schröder (SPD).
Zum zweiten Mal weilt der frühere Bundeskanzler in Nordhausen. Daher nutzt NUV-Chef Niels Neu vor Schröders Gastrede die Gelegenheit, um mit einem Gerücht aufzuräumen. „Viele Nordhäuser behaupten, bei dessen Besuch am 23. August 2000 habe Schröder den berühmten Satz ‚Hol mir mal ne Flasche Bier‘ gesagt. Leider ist dem nicht so. Der Ausruf, der später zum Chart-Hit wurde, ist in Berka bei Sondershausen gefallen“, sagt Neu.
Schröder beantwortet Fragen zu Ukraine-Krieg
Vier Jahre, nachdem der Satz gefallen war, begann die Erfolgsgeschichte des NUV. Damals, auf dem Petersberg. Im Rahmen der Feierlichkeiten zur Landesgartenschau wurde am 13. August 2004 ein Tag der Wirtschaft deklariert. Im gleichen Atemzug fusionierte der Verband der Wirtschaft und der industrielle Stammtisch zum Nordhäuser Unternehmerverband. 75 Mitglieder zählte dieser zu Beginn. Zehn Jahre später waren es bereits 130. Ein wichtiger Meilenstein war 2016 die Namensänderung in Nordthüringer Unternehmerverband, auch wenn Niels Neu damals eine Nummer größer dachte und ganz Mitteldeutschland einbeziehen wollte.
Erfolgsgeschichte des NUV sei laut Neu das Ehrenamt des Verbandes, Geheimrezept seine Parteineutralität. Nicht unerwähnt lässt Niels Neu daher die aktuelle Landtagswahl. Wenn die AfD Unternehmen „schwere wirtschaftliche Turbulenzen“ wünscht, dann dürfe so eine Partei keine politische Verantwortung übernehmen, fordert der NUV-Chef. „So etwas, was da in Sömmerda gesagt wurde, haben nicht einmal die Grünen fertig gebracht“. Damit sei eine Grenze überschritten, das gehöre sich nicht, echauffiert sich Niels Neu und erklärt zugleich, da diese Partei noch die Möglichkeit habe sich dafür zu entschuldigen.
Dem Beifall der zahlreichen Gäste aus Politik und Wirtschaft, die sich zum Festakt am Freitagabend im Nordhäuser Autohaus Peter einfanden, sollten die Worte Bodo Ramelows (Linke) folgen, doch der ließ sich entschuldigen. Daher lobte Landtagspräsidentin Birgit Pommer (Linke) das Nordthüringer Wirtschaftsnetzwerk NUV, gefolgt von den Ausführungen des Altkanzlers zum Standort Deutschlands sowie der Rolle der Bundesrepublik in Europa.
Nach dem wirtschaftlichen Exkurs ging es unvermeidbar um den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Schröder bekräftigte dabei, dass man sich darum kümmern müsse, dass das Verhältnis zu Russland nicht total kaputtgehe. Entscheidend seien nicht Waffenlieferungen, vielmehr müsse Deutschlands Wille sein, einen Beitrag zu leisten, dass der Krieg durch Verhandlungen zu Ende gehe. „Alles andere mag hilfreich sein, löst aber den Konflikt nicht“, so Schröder. Daher hegt der Altkanzler den Wunsch, dass Deutschland und Frankreich nicht nur dem Angegriffenen hilfreich sein sollen, sondern zugleich sagen, es wird keiner gewinnen, wenn das so weiter geht. Nicht schädlich dabei sei, wenn auch eine Thüringer Landesregierung sich dazu bekenne und einen kleinen Beitrag dazu leiste.
Wie solche Verhandlungen erfolgreich sein können, interessiert in der anschließenden Fragerunde Hochschul-Präsident Jörg Wagner. Doch Gerhard Schröder habe da dafür kein Patentrezept. Vielmehr hält der Altkanzler stetige Versuche der internationalen Diplomatie für hilfreich. „Die Vorstellung, Waffenlieferungen auf der einen Seite würden den Krieg beenden, halte ich für illusorisch“, erklärt Schröder.
Landrat Matthias Jendricke (SPD) lenkt hingegen den Fokus auf „die weichgespülte Politik in Berlin“. Zwar fragt er explizit nicht nach einem Kanzlerwechsel, obwohl er diesen befürwortet, vielmehr interessiert den Landrat, wie es damals war, als er die Neuwahlen ausrief und ob er es heute wieder machen würde. Die Frage war dem Ex-Kanzler jedoch „zu tricky“. Darum ging er nicht auf die Frage ein und rät Scholz auch nicht zum Rücktritt. Obendrein habe Schröder vergessen, was er damals gemacht habe.
Wie man Schröder dazu bewege könne, seine Kontakte zu Putin zu nutzen, um den Krieg zu beenden, wollte Hausherr Helmut Peter wissen. Daraufhin erklärte der Altkanzler, dass es diese Bestrebung bereits gegeben habe. Jedoch: „Auf der Seite großer Mächte, insbesondere der Amerikaner, war man damals nicht so weit, dass man hätte zu einer Lösung des Konfliktes kommen können“, so Schröder.
Quelle: Marco Kneise, TA Nordhausen, 09.09.2024: Nordhausen: Wie kann der Ukraine-Krieg beendet werden, Herr Schröder? (thueringer-allgemeine.de)



























































































































































