Es brodelt in der Unternehmerschaft
Firmenchefs sind mit Politik und Krisenmanagement in Berlin und Erfurt unzufrieden
Nordhausen. Die Stimmung in der Nordthüringer Wirtschaft ist sehr schlecht. "Es brodeltin den Betrieben", hat Niels Neu, Geschäftsführer des Nordthüringer Unternehmerverbandes (NUV) beobachtet. Der Ärger richtet sich vor allem an die Politiker. "Viele Unternehmer sind tief enttäuscht, dass Sie auf ihre drängenden Fragen keine Antwort erhalten. Es ist Krise, und die Politiker gehen in die Sommerpause", bringt Neu es auf den Punkt.
Energiekrise trifft Menschen im Osten härter als im Westen
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Manfred Grund habe den Unmut der Unternehmer erst unjüngst auf einer Veranstaltung der Industrie- und Handelskammer auf dem Kyffhäuser zu spüren bekommen. Dort hätten ihn die Firmenchefs ausgebuht. "Es geht uns um Anwtorten und Lösungen, nicht um die Analyse der Situation", erklärt Neu. Denn es sei doch allen klar, dass die hohe Inflation mittelfristig zu einer höheren Arbeitslosigkeit führen werde. Die Unternehmer seien auch deshalb frustriert, weil heute noch eine Mainstream-Meinung gelte.
Der Verabandschef nennt das Thema der Gastlieferungen aus Russland als Beispiel. Ein Lieferstopp treffe die Menschen im Osten Deutschlands viel härter als im Westen. "Denn das hiesige Durchschnittseinkommen ist auch 32 Jahre nach der Wiedervereinigung nicht auf dem Niveau der westdeutschen Gehälter", so Neu.
In Ostdeutschland würden auch andere Antworten auf den Lieferstopp diskutiert. "Einige Firmenchefs fordern eine breite Diskussion über Verlängerung der Laufzeiten von Kohle- und Atomkraftwerken", sagt der Nordhäuser. "Außerdem sollte man überlegen, ob man nicht doch noch über ein weiteres Jahr an Gaslieferungen aus Russland verhandelt, um die Krise abzumildern", betont er.
Verhandlungen mit Russland dürfen trotz des zu verurteilenden Krieges in der Ukraine kein Tabu sein. "Es bedarf einer besseren politischen Führung, um gut durch die Krise zu kommen, auch um den Menschen mehr Halt zu geben" fordert Neu. Wobei sich der Vorwurf vor allem an die Politiker in Berlin und Erfurt richtet. "Die Landkreise geraten durch die Aufnahme der urkainischen Flüchtlinge an Ihre Grenzen, ihre Kapazitäten sind dadruch gebunden", schätzt der Unternehmer ein. Hier wünscht er sich eine bessere Unterstützung durch die Landesregierung.
Diese lasse die Landkreise auch bei dem Thema Windenergie weitgehend allein. "Die Verwantwortung für mehr Windkraftanlagen wird letzten Endes auf die Regionalplanung abgewälzt. Da macht es sich Erfurt zu einfach", ist Neu überzeugt. Er plädiert dafür, die vorhandenen Windparks zu erweitern und die Genehmigungen zu erleichtern.
Und auch bei der Solarenergie werde zu wenig Tempo gemacht. "In Erfurt sind beispielsweise nur 15 Prozent der Dächer von kommunalen Gebäuden mit Solaranlagen belegt. Das könnte deutlich mehr sein, wenn man es mit der Energiewende ernst meint", ist der Verbandschef überzeugt.
Quelle: Hand-Peter Blum, TA Nordhausen vom 19.07.2022 nachzulesen unter: Es brodelt in der Südharzer Unternehmerschaft | Nordhausen | Thüringer Allgemeine (thueringer-allgemeine.de)



























































































































































