Kritik an höherem Beitrag
Am 17. Dezember des vergangenen Jahres beschloss die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer Erfurt (IHK) in ihrer letzten Sitzung der abgelaufenen Wahlperiode unter anderem eine drastische Erhöhung der Beiträge für die Mitglieder der Kammer. Aufgrund der Beitragsrechnungen, die dieser Tage bei den Unternehmen eingingen, wandten sich mehrere Mitglieder an den Vorstand des Nordthüringer Unternehmerverbandes (NUV) und des Wirtschaftsforum Eichsfeld. Für die meisten Unternehmen, auch für jene, die freiwillig in den Wirtschaftsverbänden organisiert sind, ist das die stärkste Erhöhung der Beiträge in den zurückliegenden 20 Jahren.
“Das ist überhaupt nicht zu vermitteln”, kritisiert der Vorstandsvorsitzende des NUV, Niels Neu. “Für viele unserer Mitglieder hat sich der Grundbeitrag für die Zwangsmitgliedschaft von 120 auf 180 Euro im Jahr erhöht“, ergänzt Christian Hotze, Vorsitzender des benachbarten Wirtschaftsverbandes Wirtschaftsforum Eichsfeld. „Durch die gleichzeitige Erhöhung der Umlage fallen bei einzelnen Unternehmen Beitragserhöhungen von mehreren Tausend Euro an. Und das in Corona-Zeiten, in denen es kleinen und mittelständischen Firmen wirtschaftlich nicht unbedingt bestens geht und viele um ihre Existenz bangen. Das ist ein Schlag ins Gesicht der Unternehmer, die der Zwangsmitgliedschaft in der IHK unterworfen sind”, so Neu weiter.
Kritik gibt es seitens des NUV-Vorstandes am Zeitpunkt der Vollversammlung als Präsenzveranstaltung. An der nahmen Corona bedingt verständlicherweise lediglich 35 Mitglieder teil, dadurch war sie eigentlich nicht beschlussfähig. Allerdings lässt die Satzung der Kammer zu, unmittelbar eine zweite Versammlung einzuberufen, die dann ohne Rücksicht auf die Zahl der anwesenden Teilnehmer beschlussfähig ist. Eine solch weitreichende Entscheidung zu Lasten der Mitglieder hätte aus Sicht des NUV-Vorstandes auf die Tagesordnung der neuen Vollversammlung gehört.
Die Erhöhung der Beiträge lasse aus Sicht der Verbände jegliches Fingerspitzengefühl seitens der Verwaltung und des Präsidiums vermissen. Und es geht auch anders: “Im NUV, dem mitgliederstärksten Wirtschaftsverband in Thüringen, werden wir die Jahresbeiträge erst dann einziehen, wenn sich die gesamte Corona-Situation deutlich für unsere Mitglieder entspannt hat”, so der NUV-Vorstand. Wer sich als Vertreter der Wirtschaft bezeichnet, sollte auch sein Handeln danach ausrichten.
Ebenfalls mehrfach hatte sich der Nordthüringer Unternehmerverband für die Fusion der drei Thüringern IHKn ausgesprochen. “Mittlerweile ist es kaum jemanden zu vermitteln, dass in solch einem kleinen Bundesland wie Thüringen drei IHKn mit jeweils eigener Verwaltung, den dazugehörigen Gebäuden, einer eigenen Vollversammlung und eigenen Präsidien existieren. Eine Fusion der drei Kammern würde sicherlich auch Einsparpotential generieren”, ist sich Niels Neu sicher. Beide Vorstände sind überzeugt, dass das Anschieben einer Fusion sicherlich nicht aus den Verwaltungen oder Präsidien heraus erfolgen wird, sondern von außerhalb. Zumal als eine einzige starke Thüringer Kammer würde diese IHK ihre Aufgaben in den Regionen als Ansprechpartner, Koordinator und Organisator für die Thüringer Wirtschaft nachkommen können.
Sowohl Niels Neu als auch Christian Hotze weisen auf die gute Zusammenarbeit mit der IHK insbesondere bei ihren hoheitlichen Aufgaben, bspw. der Berufsausbildung oder Weiterqualifizierung in den zurückliegenden Jahren hin, hierfür benötige man aber keine Zwangsmitgliedschaft. Beide appellieren daher gemeinsam an die neue Vollversammlung und die Wirtschaftsbeiräte der IHK, gerade im Hinblick auf die aktuelle Corona Situation, die Beitragserhöhung erneut auf die Tagesordnung zu holen.
Quelle: Hans-Peter Blum, Thüringer Allgemeine Nordhausen
"IHK erhöht Beiträge zur Unzeit!" : 18.03.2021, 18.00 Uhr (nnz-online.de)



























































































































































