NUV-Wahlpodium im Eichsfeld am 16.04.2024
Heiligenstadt. Eichsfelder Kandidaten müssen mit Sekundenlimit Fragen beim Podium beantworten. Das wollen Unternehmer wissen:
Was befähigt Sie, Landrat zu werden? Welche neuen Infrastrukturprojekte sehen Sie im Landkreis? Wie kann der Wirtschaftsstandort Eichsfeld attraktiver werden? Das sind nur einige der Fragen, welche die hiesigen Unternehmer umtreiben. Und die stellten sie ohne Umschweife den sechs Eichsfelder Landratskandidaten. Dienstagabend mussten Marion Frant (CDU), Steffen Hildebrandt (für FPD/SPD), Michael Gassmann (Freie Wähler), Marcel König (parteilos für die AfD), Nicole Siebert-Kobert (Menschen für Heiligenstadt) und Heiko Steinecke (Demokratische Initiative Eichsfeld) sie im Kulturhaus in Heiligenstadt beantworten.
Rede und Antwort stehen hieß es für die sechs Bewerber beim Podium „Die Wirtschaft fragt“. Eingeladen hatten das Wirtschaftsforum Eichsfeld, der Bundesverband Mittelständische Wirtschaft, die Industrie- und Handelskammer, die Kreishandwerkerschaft und der Nordthüringer Unternehmerverband. Moderiert wurde der Abend von dem freien Moderator und Journalisten Eric Marr.
Zwei Frauen und vier Männer im Duell
Für die zwei Frauen und vier Männer galt es, die Antworten auf den Punkt zu bringen, denn die Redezeit für jeden lag pro Frage unter zwei Minuten. War die Zeit um, ertönte eine Klingel.
Marion Frant, die promovierte Maschinenbauingenieurin, verwies bei der Frage zur Befähigung für das Amt auf ihre 25-jährige kommunalpolitische Erfahrung, auf ihre „Fähigkeit, komplexe Themen rasch zu erfassen“ und ihre Kommunikationsbereitschaft. Steffen Hildebrandt gab zu, ihm fehle die verwaltungstechnische Seite, die seiner Meinung aber auch nicht notwendig ist. Er sehe die Dinge als Unternehmer aus einem anderen Blickwinkel.
Berufsschullehrer Michael Gassmann ist seinerseits kommunalpolitisch erfahren. Er sei stolz, als Bürgermeister von Heuthen heute mehr Rücklagen als Schulden zu haben, erklärte er. Auch habe er durch seinen Beruf Führungsqualitäten. Marcel König arbeitet seit 25 Jahren im Landratsamt. Dort habe er, wie er sagt, viele Erfahrungen in vielen Abteilungen gesammelt. Ihm sei ganz wichtig, dass man „menschlich und emphatisch miteinander umgeht“.
Rechtsanwältin Nicole Siebert-Kobert sieht sich als lösungsorientiert und sie sei, wie sie sagt, mehr als zehn Jahre kommunalpolitisch aktiv. Und Landwirt Heiko Steinecke ist ebenfalls viele Jahre in der Kommunalpolitik aktiv. Er will, betont der Großbodunger, den Landkreis weiter voranbringen – „mit meinem politischen Talent“.
Kandidaten positionieren sich zu Krankenhausneubau
Ein komplett neues großes Infrastrukturprojekt hatte keiner der Kandidaten im Blick. Es gehe darum, was angefangen wurde, zu vollenden, die Wirtschaftsförderung auszubauen und Geschaffenes zu erhalten. Alle sechs positionierten sich zum Krankenhausneubau. Die Standortfrage ist dabei ein anderes Thema. Gassmann betonte, dass man hierbei das ganze Eichsfeld im Blick haben sollte, unter anderem die Versorgung am Sonnenstein, am Ohmberg und in Leinefelde.
Nicole Siebert-Kobert brachte die Sanierung der Regelschulen ins Spiel, die ihrer Meinung nach vernachlässigt wurde, um somit später die Wirtschaft zu stärken. Hildebrandt will eine stärkere Vernetzung der Wirtschaft und mehr Coworking-Plätze gerade für junge Leute. König sieht ebenfalls bei der Infrastruktur das Klinikum als Großprojekt und in diesem eine Magnetwirkung. Er mahnte an, beim Neubau die Eichsfelder Firmen im Blick zu haben. Volle Gewerbegebiete, gute Steuereinnahmen und Investitionen in den Orten sind derweil für Heiko Steinecke maßgeblich. Marion Frant sieht ihr Hauptprojekt in der kommunalen Wärme- und Energieversorgung und will ihrerseits beispielsweise die Turnhallen in den Fokus nehmen. Wichtig sei ihr zudem, meint die Geislederin, die 181 Kilometer Kreisstraßen auf einem guten Niveau zu halten.
Fachkräftemangel treibt nicht nur Unternehmer um
Einig waren sich die Kandidaten, dass etwas gegen den Fachkräftemangel getan werden muss und dass dies eng mit der Entwicklung der Infrastruktur verbunden ist. Während Siebert-Kobert darauf verwies, dass Wohnmöglichkeiten geboten werden müssen, sprach Steinecke eine gute Ausbildung und die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Schule an. Frant setzt ihrerseits auf eine maßgeschneiderte Standortkampagne für das Eichsfeld.
Hildebrandt nimmt eine Beschleunigung von Verwaltungsvorgängen, darunter bei Baugenehmigungen, ins Visier. Gassmann betont, dass es auch um einen „Wohlfühlfaktor“ gehen müsse, ebenso um den Bürokratieabbau, der Betrieben helfe, sich schneller zu erweitern. „Aufträge warten keine drei Jahre.“ Und König ist sicher, dass ländlicher Raum ein Standortvorteil statt ein -nachteil sei.
Bürokratie ist nach wie vor ein Problem
Die überbordende Bürokratie stößt derweil allen Kandidaten sauer auf. Doch wie könne man Eichsfelder Unternehmen stärken, fragte Eric Marr. „Schnelleres Umsetzen von Verwaltungsvorgängen und mit den Unternehmen sprechen, nicht nur in Wahljahren“, meint Gassmann. König erachtet seinerseits eine niedrige Kreisumlage als wichtig. „Der Landkreis soll nicht sagen, was nicht geht, sondern wie es geht.“
Wirtschaftsförderung müsse schneller gehen, Kreis und Kommunen enger zusammenarbeiten, meint Siebert-Kobert. Steinecke setzt auf regelmäßige Firmenbesuche, um die Probleme zu kennen und Lösungen zu finden. Und Frant kann sich ein halbjährliches Gespräch unter dem Motto „Wirtschaftsdialog im Schloss“ vorstellen, bei dem die Unternehmen die Themen vorgeben. Und Hildebrandt möchte, dass sich Unternehmen unbürokratisch und schnell an den Landkreis wenden können, wenn es hakt. Zudem sollten die Gewerbesteuern stabil bleiben.
Quelle: TA EICH, Sigrid Aschoff und Silvana Tismer: Neue Großprojekte und warum man Landrat im Eichsfeld werden will (thueringer-allgemeine.de) vom 17.04.2024



























































































































































