NUV Wahlpodium im Unstrut-Hainich-Kreis am 17.04.2024
Unstrut-Hainich-Kreis. Vier Kandidaten wollen im Unstrut-Hainich-Kreis in den Chefsessel und Landrat werden. Jetzt stellten sie sich erstmals gemeinsam den Fragen der Unternehmerschaft. Warum die Debatte zwischen Einigkeit und Hitzigkeit schwankte.
Der Chefsessel im Unstrut-Hainich-Kreis ist heiß umkämpft. Vier Kandidaten wollen Landrat werden. Der Amtsinhaber Harald Zanker (SPD), der bereits seit 30 Jahren Landrat ist, tritt wieder bei der Wahl am 26. Mai an. Für die CDU geht Hans-Joachim Roth ins Rennen. Thomas Ahke aus Bollstedt kandidiert für die Freien Wähler. Für die AfD tritt Christopher Drößler aus Küllstedt (Eichsfeld) an. Die Bewerber haben sich jetzt in Bad Langensalza erstmals einer Podiumsdiskussion in Bad Langensalza gestellt – mit einem kleinen Eklat.
„Herr Ahke, Sie sind ein Lügner“, platzte es aus Zanker heraus. Zuvor hatte Thomas Ahke von einem Termin in der Führerscheinstelle berichtet, wo er eine ausgedruckte E-Mail mitbringen musste. Den darauf befindlichen QR-Code habe ein Mitarbeiter an einem Automaten gescannt und ihm dann einen Zettel mit einer Nummer gegeben, die bereits in der Mail gestandenen habe. In dem Zwist zwischen den beiden ging es um die Digitalisierung der Verwaltung. Das Erlebnis, das Ahke schilderte, geschah Anfang 2023.
Unternehmer hatten im Vorfeld die Fragen eingereicht
„Ich hätte ruhiger bleiben sollen“, sagte Zanker im Nachgang auf Nachfrage. Er habe sich massiv geärgert, weil Ahke die Zuhörer mit einer Geschichte, die heute nicht mehr wahr sei, bewusst hinters Licht geführt habe. Er sieht das als Lüge an. „Das ist nicht fair und das hat dieser Landkreis auch nicht verdient“, so Zanker. Ahke indes sagt, er habe lediglich eine Tatsachenbeschreibung gegeben. „An Zankers Reaktion sieht man, dass er nicht mit Kritik umgehen kann“, so der Bollstedter.
Moderator Eric Marr war es bei der Podiumsdiskussion am Mittwochabend im Kultur- und Kongresszentrum gelungen, die beiden Kontrahenten einzubremsen. Sonst war die Veranstaltung fast durchgehend sachlich. Zu der Veranstaltung eingeladen hatte unter dem Titel „Die Wirtschaft fragt!“ die Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt gemeinsam mit dem Bundesverband für Mittelständische Wirtschaft (BVMW), Kreishandwerkerschaft Nordthüringen sowie Kyffhäuser-Unstrut-Hainich, Nordthüringer Unternehmerverband (NUV) und Wirtschaftsinitiative Bad Langensalza.
Die Fragen hatten Unternehmer im Vorfeld eingereicht. Einig waren sich die Kandidaten dabei, dass der Landkreis wegen seiner prekären Finanzlage noch mehr sparen muss. Zwölf Jahre lang erhielt der Kreis Bedarfszuweisungen vom Land, um die Finanzlöcher zu stopfen. Ab kommendem Jahr bekommt er dieses Geld nicht mehr.
Auch bei diesem Thema wurde es kurz hitzig. „Es ist die Aufgabe des nächsten Landrats, die Ausgaben in den Griff zu bekommen“, sagte Thomas Ahke, der Bänker ist. Bis heute habe der Landkreis 100 Millionen Euro als Bedarfszuweisungen bekommen. Diese Summe würde es in der freien Wirtschaft nie als Kredit geben. Zanker konterte leicht aufgebracht, dass das Geld in die Schulen und in den Brandschutz geflossen sei. Zudem habe der Kreis die Gelder nur bekommen, weil er seinen Auflagen erfüllt habe.
Fachkräftegewinnung ist großes Thema für die Zukunft
Roth stieß sich daran, dass sich Zanker mit den Investitionen in die Schulen brüstet. „Es hätte schon viel früher investiert werden müssen, denn die meisten sind in einem schlechten Zustand“, sagte er. Auch Roth war der Ansicht, dass die Ausgaben des Kreises verringert werden müssen. Drößler meinte, der Kreis habe durch die Zuweisungen am Tropf des Freistaats gehangen, womit dieser seiner Auflösung umgangen sei. Sparpotenzial sah er an erster Stelle bei den Sachleistungen für Asylbewerber.
Auch waren sich alle Kandidaten einig, dass die Fachkräftegewinnung eine große Herausforderung ist. Drößler verwies auf die vielen Jugendlichen ohne Ausbildung: „Statt Fachkräfte aus dem Ausland zu holen, sollten wir hier schauen, wenn wir nachqualifizieren können.“ Roth will Schüler über Praktika in die Unternehmen bringen und jungen Leuten vermitteln, dass es Spaß mache, an die Arbeit zu gehen.
Ahke sah ebenfalls den Ansatz in den Schulen als Lösung und will mehr Firmen dazu bewegen, Ausbildungsplätze anzubieten. Kritik richtet er hier an Zanker: „Der Kreis bilde seit Jahren nicht aus und schwächt damit die Wirtschaft.“ Zanker konterte: „Solange ich Landrat bin, werden keine alten Berufe ausgebildet.“ Er will demnächst in der Verwaltung neue Berufe im IT-Bereich ausbilden und den Berufsbildungscampus weiter ausbauen.
Quelle: TA UHK, Sabine Spitzer: „Sie sind ein Lügner“: Eklat beim Vierkampf der Landratskandidaten in Bad Langensalza (thueringer-allgemeine.de) am 19.04.2024





























































































































































