Ramelow gibt positive Signale für ein Innovationszentrum in Nordhausen
Mit einer Kritik aus dem Norden fing alles an. Sie lautete: Das Land Thüringen tut zu wenig, um das neue Industriegebiet bei Nordhausen zu vermarkten. Das will Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) nicht auf sich sitzen lassen. Am Dienstag reiste er mit dem Chefvermarkter, LEG-Chef Andreas Krey, und seiner Bauministerin Birgit Keller (Linke) an. Sein Publikum: die Mitglieder des Nordhäuser Unternehmerverbandes (NUV).
Im Audimax der Hochschule lobte zunächst NUV-Chef Niels Neu Birgit Keller, die schnell und unbürokratisch diesen Termin arrangiert hatte, und Bodo Ramelow für seine schnelle Reaktion bei Anfragen. Wiederum schmeichelte Ramelow den Wirtschaftsvertretern, ohne sie wäre das Flüchtlingsthema im vorigen Jahr nicht so vernünftig abgelaufen. Generell warb er dafür, weiter offen für Zuwanderung zu sein. Bald werde Thüringen jede Menge Arbeitskräfte benötigen, die es selbst nicht mehr bereitstellen könne. Und an einer gütlichen Lösung auf europäischer Ebene müsse gerade die hiesige Wirtschaft interessiert sein. Die nämlich exportiere vor allem in Europa.
Gips und Tourismus sieht Ramelow als entscheidende Themen. Er gilt der Gipsindustrie, deren Vertreter zahlreich anwesend waren, als zugewandt. Die neue von den Gipsabbaufirmen in Auftrag gegebene Studie wurde vorgestellt, ebenso präsentierte die Hochschule ihre Vision von einem Innovationszentrum zur Wertstoffwende in Nordhausen. 10 Millionen Euro soll das Ganze kosten. Gute Chancen zur Verwirklichung sieht der Regierungschef - mit Standort Nordhausen! "Wir werden den Förderantrag als Landesregierung sehr wohlwollend begleiten. Es wäre für die Stadt ein Alleinstellungsmerkmal."
Nicht ganz so befriedigend fiel die Antwort zum aktuellen Stand der Vermarktung des Industriegebietes aus. Zwar sind die groben Bauarbeiten seit Herbst vollendet, wird das Gebiet international beworben, aber noch gibt es keine konkreten Ansiedlungswünsche. Eine Fläche sei reserviert, mit anderen Interessenten verhandele man, erklärte Andreas Krey. Und sprach von einer "Standortreserve", die man für Jahre vorhalten wolle. Eine überhitzte Ansiedlung sei kein gesunder Prozess.
Übrigens wurden 32,5 Millionen Euro in das Industriegebiet gesteckt. Bodo Ramelow verhehlte nicht, dass er einst gegen die fruchtbare Aue als Industriegebiet war, doch nun müsse man alles tun, einen wertschöpfenden Betrieb anzusiedeln. Beispiele, wo dies nicht gelang, gibt es in Thüringen, wo Logistiker über Nacht wieder verschwanden. "Ich werbe für die Goldene Aue als besonderen Ort, um Industrie anzusiedeln. Lasst uns nicht unruhig werden und alles schnell zumachen."
Für einen Dialog warb Ramelow in puncto Gipsabbau im Südharz. Der Harz werde seit Jahrhunderten bearbeitet. Und es gebe Möglichkeiten, Gips abzubauen und dennoch eine Neuansiedlung von Natur im Nachhinein zuzulassen. "Ein Kompromiss ist möglich", meinte er. Unbeantwortet sieht er die Frage, was eine Neuverritzung ist: ein gänzlich neuer Tagebau oder die Erweiterung eines bestehenden Tagebaus? An die Gipsindustrie stellte er die Frage, ob die drei Südharzer Gipsabbau-Firmen nicht gemeinsam den Kohnstein zum touristischen Gebiet entwickeln könnten, ob Casea nicht ein Gipszentrum (Stichwort Wertstoffwende) aufbauen wolle. Seine Argumentation geht dahin: Abbau ja, aber nicht ohne Gegenleistungen, die über das Sponsern einiger Veranstaltungen hinausgehen.
Quelle: Thomas Müller, Thüringer Allgemeine - Nordhausen
Foto: Thomas Müller
Für mehr Informationen und Filmausschnitte folgen Sie bitte den Links:
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oder
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Dort finden Sie Live-Mitschnitte der Diskussion vom 03. Mai 2016 rund um alle besprochenen Themen.



























































































































































