Rohbau steht für Biotechnikgebäude
Unternehmen feiert Richtfest und erwartet noch in diesem Jahr die ersten Maschinen
Nordhausen. Tradition muss sein. Zimmer-Polier Peter Wisse steht lächelnd auf dem Baugerüst. Er weiß: So eine moderne Halle besteht heutzutage vor allem aus Stahl und Beton. Holz werde da leider kaum noch verarbeitet, bedauert der Zimmermann von Waresa-Bau. Aber Wisse pflegt das Brauchtum. "Deshalb habe ich den Holzbalken mitgebracht", sagt er und grinst. So müssen auch diesmal drei Männer den symbolischen Akt meistern und die letzten Nägel vor dem Richtfest in den Balken schlagen.
Die Richtkrone schwebt über dem neuen Büro- und Fertigungsgebäude für die AHN Biotechnologie GmbH. Der Rohbau ist fertig. "Wer sich noch an den vergangenen September erinnert", sinniert Niels Neu, Chef des Nordthüringer Unternehmerverbandes, "da war hier nur Grube mit Bauschutt." Und jetzt stehe hier schon ein imposantes Gebäude.
Campus für Biotechnologie wächst auf 10.000 Quadratmeter
Trotz schwieriger Zeiten für Bauprojekte: Am Uthleber Weg schreiten die Arbeiten gut voran. Es sei ein Vorteil, dass die bisher beteiligten Firmen aus der Region sind, meint Niels Neu. Er spricht von einem Campus für Biotechnologie, der hier entseht. Denn mit dem 4600 Quadratmeter großen Neubau wächst die Gesamtfläche der Biotechnik-Firma AHN auf mehr als 10.000 Quadratmeter. Das Areal besteht aus sieben Gebäuden, die am Ende alle miteinander verbunden werden sollen, damit der Charakter eines Campus' spürbar ist. Rund sechs Millionen Euro kostet der Neubau. Ende dieses Jahres soll er fertig sein, sagt Niel Neu. Allein mit diesem Termin als Ziel ist das Vorhaben ein ambitioniertes Projekt und der Weg dorthin sportlich. AHN-Chef Torsten Buchwald passt sich dem Tempo gern an: "Die ersten Maschinen sollen dieses Jahr noch kommen."
Das neue Gebäude ermöglicht zum einen, dass doe komplette Firmenleitung und -verwaltung künftig unter einem Dach zu finden ist. Zum anderen entsteht eine weitere Produktionsstätte. Diese soll vor allem der Herstellung von Fabrikaten für die Zellkutur-Technik dienen.
Der Markt verändere sich, berichtet Torsten Buchwald. "Darauf reagieren wir." Die Nordhäuser Biotechnik-Firma hat sich als Hersteller von Pipettenspitzen und anderen Verbrauchsmaterialien der modernen Laborbranche auch international einen guten Namen erarbeitet. Kontakte bestehen bereits in mehr als 100 Länder.
Die Gäste des Richtsfestes sind begeistert. "Hier gibt es Leute, die anpacken und nach vorn schauen", freut sich Landtagspräsidentin Birgit Keller (Linke). "Das ist gut für unsere Nordhäuser Region." Auch Landrat Matthias Jendricke (SPD) attestiert der Biotechnik-Firma eine "Erfolgsgeschichte", und die neue Halle wirke auf ihn "bombastisch". Er wird nicht müde, Landespolitiker darauf hinzuweisen, dass Nordhausen Thüringens viertgrößter Wirtschaftsstandort ist. Es gebe noch zu viele in Erfurt, die das nicht wissen. Für Nordhausens Bürgermeisterin Alexandra Rieger (SPD) ist der Neubau am Uthleber Weg ein gutes Beispiel, wie solche Projekte auch in diesem bewegten Zeiten realisierbar sind. Es sei wichtig in der Krise, sagt sie, dass man zusammenhält, sich gegenseitig vertraut und Hand in Hand agiert.
Quelle: Jens Feuerriegel, TA Nordhausen Nr. 159 am 09.07.2022




































































































































































