Rückgang der Beschäftigten bereitet Sorgen
Trotz der konjunkturellen Flaute sind die Arbeitslosenzahlen im Kreis Nordhausen im Jahr 2025 leicht gesunken. Kopfzerbrechen bereiten dagegen die geringere Beschäftigung und die Folgen der Demografie
Nordhausen Nordthüringen gehört zu den zehn Regionen in Deutschland, die im vergangenen Jahr den stärksten Rückgang der Beschäftigung zu verzeichnen hatten. Ende Juni 2025 waren genau 115.857 Personen in den vier Nordthüringer Landkreisen beschäftigt und damit 2195 weniger als noch ein Jahr zuvor. Das entspricht einem Rückgang der Beschäftigung um 1,9 Prozent zum Vorjahr.
„Besonders stark betroffen sind das verarbeitende Gewerbe mit minus 930 Personen und die Zeitarbeitsfirmen mit 1110 Menschen“, berichtet Karsten Froböse, Chef der Nordhäuser Arbeitsagentur am Mittwoch in Nordhausen. Ein Plus gab es nur in den Bereichen der Pflegeheime und im Sozialwesen, in denen ein Zuwachs von 276 Personen zu verzeichnen ist.
Transformationsprozess in der Zulieferbranche
Neben der schwächelnden Konjunktur sorgt auch die demografische Entwicklung für weniger Beschäftigung in Nordthüringen: 26,2 Prozent aller Beschäftigten sind älter als 55 Jahre. Sie treten zunehmend aus dem Erwerbsleben aus und hinterlassen Lücken in den Betrieben, die allein durch bereits beschäftigte Jüngere nicht zu füllen sind. Weniger als zehn Prozent aller Beschäftigten sind jünger als 25 Jahre.
„Das Beschäftigungspotenzial deutscher Arbeitnehmer nimmt ab und wird auch in den kommenden Jahren weiter sinken“, blickt Froböse voraus. „In der hiesigen Wirtschaft unterlaufen vor allem die Autozulieferer einen schmerzhaften Transformationsprozess“, berichtet Marcel Kübler vom Nordthüringer Unternehmerverband (NUV). Was nichts anderes als Arbeitsplatzabbau bedeutet. Kübler hofft auf ein Anlaufen der Konjunktur im Frühjahr. „Wir müssen alle Potenziale nutzen, um wieder mehr Fachkräfte zu bekommen“, fordert er. Dazu bedürfe es einen Dreiklang aus jungen Auszubildenden, arbeitswilligen Arbeitslosen und Ausländern, so Kübler.
„Die Beschäftigung von Ausländern ist wichtig, um den Arbeitskräftebedarf zu decken“, sagt auch Froböse. Ende Juni 2025 waren 9587 Ausländer in Nordthüringen beschäftigt, das sind 239 Personen oder 2,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, viele davon arbeiten in der Gastronomie. Der Anteil ausländischer Beschäftigter lag bei 8,3 Prozent an der Gesamtbeschäftigung.
Etwa die Hälfte von ihnen stammt aus dem Europäischen Wirtschaftsraum und der Schweiz. Die Zahl der Beschäftigten aus diesen Ländern sank jedoch zum Vorjahresmonat um 11,4 Prozent. Zugenommen hat die Zahl der Beschäftigten aus Drittstaaten: Inzwischen arbeiten fast 5000 von ihnen in Nordthüringen, das sind 20,2 Prozent mehr als im Juni 2024.
Trotz der angespannten Lage am Arbeitsmarkt entwickelten sich die Arbeitslosenzahlen im vorigen Jahr besser als erwartet. Über den Jahresverlauf waren durchschnittlich 12539 Frauen und Männer in Nordthüringen arbeitslos, 200 Personen oder 1,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote für den Agenturbezirk betrug 6,8 Prozent, 2024 lag sie bei 6,9 Prozent.
Erfolgreiche Arbeit in den Jobcentern
„Weniger Arbeitslose als vor einem Jahr, das ist in vielen Regionen Deutschlands aktuell leider nicht der Fall. Dieses Ergebnis ist vor allem auf die erfolgreiche Integrationsarbeit in den Jobcentern zurückzuführen. Dort ist es über das gesamte Jahr hinweg gelungen, die Arbeitslosigkeit zu senken“, erläutert der Agenturleiter.
Im Landkreis Nordhausen entwickelten sich die Arbeitslosenzahlen am günstigsten. Mit 3403 arbeitslosen Frauen und Männern im Jahresdurchschnitt 2025 sank die Arbeitslosigkeit hier um 3,4 Prozent zum Vorjahr.
Und wie sieht der Ausblick auf 2026 aus? „Wenn es schlecht läuft, landen wir bei 12.700 Arbeitslosen im Jahresschnitt; wenn es aber gut läuft, sind es nur 12.300“, wagt Froböse den Blick in die Glaskugel. Er ist eher positiv gestimmt. „Wir können alles, was kommt“, zitiert er einen Spruch aus dem Thüringer Handwerk.
Erschienden unter: Rückgang der Beschäftigten bereitet Sorgen TA NDH am 08.01.2026 und In die Glaskugel geblickt : 07.01.2026, 15.30 Uhr nnz-online



























































































































































