Schachtbau Nordhausen errichtet Förderturm für Atomendlager
40-Millionen-Euro-Vorhaben sichert Jobs von mehr als 100 Beschäftigten über drei Jahre
Nordhausen. Millionenschwere Aufträge sind für Schachtbau Alltagsgeschäft. Was das 950-Mann-Unternehmen diese Woche aber an Land ziehen konnte, lässt aufhorchen. Es ist in der jüngsten Firmengeschichte einer der größten Einzelaufträge: Für mehr als 40 Millionen Euro wird Schachtbau bis Ende 2026 für das künftige Atomendlager Schacht Konrad in Salzgitter einen 42 Meter hohen Förderturm errichten.
Michael Seifert, Vorsitzender der Geschäftsführung, hat nun den Vertrag unterzeichnet. Die mehr als ein Jahr währenden Verhandlungen haben sich gelohnt, Schachtbau hatte sich gegen zwei andere Bieter durchgesetzt.
„Das 2018 realisierte Fördergerüst für Sondershausen war die beste Referenz“, ist Seifert überzeugt, fügt aber auch an, dass das Stahlgerüst nun mit 1200 Tonnen fast das fünffache Gewicht haben wir. Ein Förderturm wird entstehen, wie er so in Deutschland noch nicht gebaut wurde.
„Die Herausforderung nun besteht in der Kombination von Stahlbau, Montage und den Anforderungen an kerntechnische Anlagen“, sagt Seifert.
Der Dokumentationsaufwand sei enorm, die Sicherheitsanforderungen, etwa in Sachen Brandschutz, auf höchstem Niveau. Als einziger Förderturm überhaupt wird er mit hydraulischen Pressen ausgestattet sein, mit denen eventuelle Bodensenkungen währen des Betriebs ausgeglichen werden können, der Turm also immer exakt in der Waage steht.
In dem früheren Eisenerzbergwerk sollen ab 2027 schwach- und mittelradioaktive Abfälle, wie sie auch im medizinischen Sektor anfallen, eingelagert werden. Der Förderturm wir das Herzstück des Endlagers sein. Es wird schon seit vielen Jahren vorbereitet – Schachtbau ist an vorderster Front dabei: Für weit über 100 Millionen Euro haben die Nordhäuser Bergbauspezialisten untertägige Grubenräume aufgefahren und ausgebaut. „Wir haben Ortskenntnis“, sagt Seifert.
Anfang Mai sollen bei Schachtbau die Planungen beginnen, was zunächst 20 Kräfte bindet. Geht es 2023 in Salzgitter los, werden 60 bis 80 Fachkräfte vor Ort sein, weitere 40 Schachtbauer werden mit dem Großauftrag in Nordhausen zu tun haben.
Die stählerne Tragkonstruktion des Turms ist nur ein Teil des Auftrages. Die Schachtbauer werden auch eine bauliche Hülle errichten, ebenso die komplette Befahrungsanlage. Doch damit nicht genug: Schachtbau hat von den Bundesgesellschaft für Endlagerung auch den etwa 30 Millionen Euro umfassenden Auftrag bekommen, in den nächsten drei Jahren im untertägigen Streckensystem von Schacht Konrad eine 40 Zentimeter starke Betoninnenschalle inklusive Fahrbahndecke einzubauen.
Rund 15 Prozent der Belegschaft gehen in Kurzarbeit
„Unser Auftragsbestand ist mit 175 Millionen Euro auf Rekordniveau“, blickt Seifert trotz der momentanen Situation zuversichtlich nach vorn. Wegen Lieferengpässen und eingeschränktem Baustellenbetrieb werde es aber in Teilbereichen ab April Kurzarbeit geben, die mit der Nutzung von Stundenkonten weitestgehende abgefedert werden könnte. Dies werde maximal 15 Prozent der Belegschaft treffen.
Schachtbau will jedoch zugleich einen Schutzschirm einführen: Niemand soll trotz Kurzarbeit weniger als 90 Prozent seines durchschnittlichen Nettoeinkommens haben.
Quelle: Kristin Müller, TA Nordhausen



























































































































































