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Spatenstich im Oktober?

  |   Allgemein

Es tut sich was im Industriegebiet Goldene Aue. Vielleicht. Mal wieder. Zumindest die Hoffnung auf eine baldige Ansiedlung wurde heute beim Bauunternehmen Henning in Urbach geweckt. Der Nordthüringer Unternehmerverband hatte das Gespräch mit der Politik gesucht. Dabei kam nicht nur diese "Baustelle" zur Sprache. Auch die Fachkräftefrage und das umstrittene Tourismuskonzept des Freistaates standen auf der Agenda...

Eigentlich hatte man das Gespräch Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee suchen wollen. Allein, der Minister musste den Besuch im Thüringer Norden absagen, eine Trauerfeier war dazwischen gekommen.

An Gesprächspartnern mangelte des den Nordhäuser Unternehmern dennoch nicht. Neben Bürgermeisterin Jutta Krauth, die den NUV als wertvolles Gut der Region lobte, war auch der SPD-Kandidat für die anstehende Bundestagswahl, Steffen-Claudio Lemme, zu Gast beim Bauunternehmen Henning.

Der Abgeordnete hatte gute Nachrichten für die Nordhäuser dabei: von der Landesentwicklungsgesellschaft habe er gehört, dass sich ein Logistiker für die Ansiedlung im Industriegebiet Goldene Aue interessiere und ein Spatenstich schon im Oktober stattfinden könnte. "Fasst einer Fuß, dann ziehen andere nach", meinte Lemme, die Politik müsse unabhängig vom Wahlkampf auch weiterhin mit der Wirtschaft im Gespräch bleiben.

Der Applaus der Anwesenden hielt sich in Grenzen, nicht zum ersten Mal hört man Vielversprechendes zu einer Industrieansiedlung, bisher aber wächst in der Nachbarschaft des Urbacher Unternehmens nur frisches Grün. Man sei etwas vorsichtig bei so einem optimistischen Termin, sagte Niels Neu, Vorsitzender des NUV, für seine unverminderte "Standfestigkeit" in Sachen Industriegebiet habe der Verband schon viel "Hohn und Kritik" einstecken müssen, umso mehr würde es die Unternehmerschaft freuen wenn es dieses mal klappen würde, sagte Neu.

Den NUV treiben aber noch ganz andere Fragen um. Eigentlich hatte man mit Minister Tiefensee über die neue Thüringer Tourismuskonzeption sprechen wollen. Der Thüringer Norden finde hier überhaupt keine Beachtung, kritisierte Neu, die "Schaufensterphilosophie" der Landesregierung teile man nicht, die "Destination Harz" gehöre mit in das Konzept. Den Unternehmern gehe es dabei nicht nur um die reine touristische Erschließung, sondern auch um die allgemeine Attraktivität der Region als Arbeitsplatz. Man brauche gute Hotels und Angebote, sagte Neu.

Viel hatte die versammelten politischen Vertreter hierzu nicht zu sagen, er werde sich darum bemühen, dass das Gespräch mit dem Parteikollegen Tiefensee möglichst bald nachgeholt werden könne, versprach Lemme.

Noch wichtiger ist der Unternehmerschaft im Moment aber die allgemeine Arbeitsplatz- und Ausbildungssituation. Man solle bei der Suche nach neuen Fachkräften nicht nur "auf eine Schiene setzen", so Neu, während die Akquise von Arbeitskräften aus dem europäischen Ausland schon ohne größere Probleme funktioniere, sei das Anwerben von Mitarbeitern aus Nicht-EU Staaten wie der Ukraine mit erheblichen bürokratischem Aufwand verbunden.

Unterstützung fand Neu in Person von Doris König, Chefin des Bauunternehmens Henning. Seit 1994 bildet das Unternehmen selbst aus, in den letzten Jahren reiche das aber nicht mehr aus um den Bedarf an Arbeitskräften zu decken. Dabei gibt man sich alle Mühe, sowohl Kindergartenplätze wie auch der Besuch im Fitnessstudio werden den Mitarbeitern vom Unternehmen gesponsort. "Alleine schaffen wir es nicht mehr", sagte Doris König, an der A38 sehe sie manches ausländische Kennzeichen, das an Urbach und Nordhausen vorbeifahre. Es müsse mehr getan werden, um diese wertvollen Arbeitskräfte hier her zu bekommen. Die passenden Zahlen zu den Beobachtungen der Geschäftsführerin hatte Karsten Froböse, Chef der Nordhäuser Agentur für Arbeit, seit 2011 habe man weniger Bewerber als freie Lehrstellen, in den nächsten Jahre werde der Renteneintritt vieler Arbeitgeber die Situation noch verschärfen. Mit der zunehmenden Digitalisierung verschiedener Arbeitsbereiche brauche man in Zukunft zudem weniger Hilfs- und mehr Facharbeiter.

An der Entlohnung soll es auch nicht liegen, meinten die Unternehmer. Mehr als Mindestlohn zahlt man bei Henningbau so oder so, wenn man die Löhne nicht regelmäßig anpasse sei das Personal weg, erzählte Frau König. Zwar sei das Lohnniveau noch immer nicht auf dem Stand der Ballungsgebiete im Westen des Landes, der Angleichsprozess habe aber in den letzten Jahren deutlich angezogen, ergänzte Niels Neu, selber Bauunternehmer. Es gehe dem Baugewerbe auch nicht darum günstigere Arbeitskräfte zu bekommen, auch neue Mitarbeiter müssten ordentlich bezahlt werden. Um diese zu bekommen müssten aber Gesetzeslücken geschlossen werden.

Seine Fraktion plane Änderungen am Regelwerk, die in der jetzigen Koalition nicht durchzusetzen gewesen seien, entgegnete Lemme, es bedürfe aber auch der entsprechenden Stimmung in der weiteren Gesellschaft.

Ihre Themen werden die Nordhäuser Unternehmer in den nächsten Wochen wohl noch an den einen oder anderen Politiker herantragen können, schließlich ist Wahlkampf. Was nach dem Wahlgang tatsächlich geschieht steht auf einem anderen Blatt. Neu forderte mehr Eigeninitiative in den Verwaltungen und Kommunen, man könne sich nicht hinter der Landesentwicklungsgesellschaft verstecken. Zu diesem Zweck wird der NUV Anfang Oktober in Zusammenarbeit mit der Stadt, dem Kreis und einigen Unternehmern auf der Expo in München für den Standort Nordhausen und das Industriegebiet werben. Vielleicht hat man im Industriegebiet dann schon die Spaten geschärft. Oder nicht. Die Erfahrung mahnt zu vorsichtigem Optimismus.

Quelle: Angelo Glashagel, NNZ Online

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Geschäftsführerin Doris König führt den Bundestagsabgeordneten Steffen-Claudio Lemme über das Betriebsgelände der Firma Henning (Foto: Angelo Glashagel)

Geschäftsführerin Doris König führt den Bundestagsabgeordneten Steffen-Claudio Lemme über das Betriebsgelände der Firma Henning (Foto: Angelo Glashagel)

Wie geht es weiter mit dem Industriegebiet - neue Hoffnung nährte man heute beim Unternehmen Henningbau in Urbach (Foto: Angelo Glashagel)

Wie geht es weiter mit dem Industriegebiet - neue Hoffnung nährte man heute beim Unternehmen Henningbau in Urbach (Foto: Angelo Glashagel)