Südharzwerke wollen Material aus blauer Tonne selbst aufbereiten. Knauf ist dankbarer Käufer
Nordhausen. Die blaue Tonne wird gebraucht: 5300 Tonnen Altpapier fallen Jahr für Jahr im Kreis Nordhausen ein, Kartonagen eingeschlossen. Kathrin Materlik, die das Fachgebiet Abfallwirtschaft im Landratsamt leitet, kann die Zahl aus dem Effeff sagen. Ihr Mann, Knauf-Werkleiter in Rottleberode, hat eine andere Zahl im Kopf: Rund 10.000 TonnenAltpapier braucht das Gopswerk jährlich für seine Gipsfaserplattenproduktion.
Warum aus beidem - Angebot und Nachfrage - keine Win-Win-Situation machen? Die Idee, dass im Südharz anfallende Altpapier auch im Südharz zu verwerten, entstand im wahrsten Sinne des Wortes bei Materliks am Abendbrottisch.
Diesen Mittwoch, da sie beim IHK-Regionalforum öffentlich wird, tritt auch Thomas Mund auf: Als Chef der Südharzwerke hat er die Verantwortung dasfür, dass aus der Idee in den nächsten zwei bis drei Jahren Realität wird. Das kommunale Unternehmenist bereit, die für die Altpapieraufbereitung nötigen vier bis fünf Millionen Euro in Nordhausen zu inverstieren. Platz für Zerkleinerer, Metallabscheider und Folienbrenner ist auf dem Areal gegenüber des Stadtwerke-Betriebshofes, wo zurzeit der Wertstoffhof entsteht.
Es wäre nach dem Biomasse-Heizwerk das zweite innovative Projekt, mit dem die Südharzwerke überregional Schlagzeilen machen könnte. Wieder gelänge, was die Politik wieder und wieder anmahnt: das Agieren in regionalen Kreisläufen.
Günstiger könnte für Knauf der Einkauf werden, höhre der Ertrag aus dem Altpapierverkauf für die Südharzwerke. Denn die Kette würde um den Altpapieraufbereiter kürzer. Zur Zeit verkaufen die Südharzwerke das Altpapier nach Eilenburg. Knauf kauft bundesweit ein, etwa im Ruhrgebiet in München und Frankfurt. Lange Transportwege abet bedeuten nicht nur höhere Kosten, sondern auch einen höheren CO2-Ausstoß.
Altpapier freilich ist nicht gleich Altpapier. Knauf nutzt zurzeit altes Zeitungspapier. das allerding mach in der hiesigen Altpapiersammlung nur ein knappes Drittel aus, ergab eine Analyse der Südharzwerke. 57 Prozent entfallen auf Kartonagen, dem wachsenden Onlinehandel sei Dank. Weitere rund 10 Prozent sind Störstoffe: Dinge also, die in der blauen Tonne nichts zu suchen haben.
Taugt das Nordhäuser Altpapier also für die Gipsfaserplattenherstellung? Hierzu fanden erste Test statt. Eingebunden war nicht nur das Koblenzer Unternehmen Tomra, das mit seinen Papiertrennanlagen helfen könnte, Störstoffe zu entfernen. Auch das in Nordhausen angesiedelte Thüringer Innovationszentrum für Wertstoffe ist beteiligt: Die neue Multisortieranlage unter anderem mit Nah-Infrarot-Technik arbeitet, wurde für einen ersten Kleinversuch genutzt.
Knauf-Laborleiter Kevin Kern zieht ein Zwischenfazit: Mischt man das Südharzwerke-Altpapier mit 50 Prozent alten Zeitungen, ist es problemlos nutzbar. Auch die alleinige Nutzung wurde ausprobiert, wobei die Charge feucht wurde. Gut möglich, dass es auch deshalb "nicht ganz so gut" funktioniert, so Kern. Die Anlage sei jedenfalls optimierbar.
Quelle: Kerstin Müller, TA Nordhausen, 18.10.2023: Eine Altpapieridee von einem Südharzer Abendbrottisch lässt aufhorchen | Nordhausen | Thüringer Allgemeine (thueringer-allgemeine.de)



























































































































































