Unternehmer aus dem Landkreis Nordhausen fordern Vorfahrt für die Wirtschaft
Nordhausen. Konjunkturumfrage der IHK im Kreis Nordhausen zeichnet düsteres Bild. Bürokratie, Ideologie und steigende Kosten bremsen Entwicklung aus.
Ein recht düsteres Bild zeichnet die Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt zum Jahresbeginn. Die IHK hatte 60 Unternehmen im Landkreis Nordhausen befragt, die Hälfte der Firmen gab eine Rückmeldung ab. „Die Stimmung in der regionalen Wirtschaft bleibt nicht nur getrübt, sondern die Lage ist brenzlich. Erste Firmen gehen bereits in Kurzarbeit“, fasst Christian Böduel, Leiter des IHK-Regionalbüros Nordhausen, kurz und knapp die schlechten Ergebnisse der Umfrage zusammen.
Zwar liegt der Klimaindex mit knapp 62 von 200 möglichen Punkten ungefähr auf dem Niveau der Herbstumfrage, das Niveau bleibt aber weiterhin niedrig und liegt deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von 105 Punkten. In den Klimaindikator fließen die Einschätzungen der gegenwärtigen Geschäftslage, die Erwartungen sowie Pläne für die kommenden Monate sowie die Beschäftigungs- und die Investitionsabsichten durch die Unternehmer ein. Im Bereich des IHK-Bezirkes Erfurt nimmt der Landkreis damit den drittletzten Platz ein. Nur im Unstrut-Hainich-Kreis und im Kreis Sömmerda wird die Lage noch schlechter eingeschätzt.
Beurteilten im Herbst noch 30 Prozent der Unternehmer ihre Geschäftslage als gut, liegt diese Zahl momentan bei 20 Prozent. Eine schlechte Geschäftslage sehen mittlerweile 32 Prozent der Befragten, vor einigen Monaten waren es noch 17 Prozent. Kaum verändert haben sich hingegen die Aussagen beim Blick in die Zukunft. Weiterhin rechnen nur vier Prozent mit einer positiven Entwicklung, 61 Prozent äußern sich pessimistisch. Dies ist wohl auch ein Grund dafür, dass Neueinstellungen für viele Chefs derzeit nicht zur Debatte stehen. Einen Stellenabbau möchten aber die Befragten möglichst vermeiden.
Sinkender Inlandsabsatz als Risikofaktor
Nach wie vor stehen die hohen Energie- und Rohstoffpreise der wirtschaftlichen Entwicklung im Weg. 82 Prozent der Geschäftsleute sehen diesen Bereich als größten Risikofaktor. Deutlich kritischer als in vergangenen Umfragen werden inzwischen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Inlandsabsatz eingeschätzt, diese zwei Themen haben mittlerweile die Diskussionen um den Fachkräftemangel abgelöst. Besonders der Inlandsabsatz bereitet Christian Böduel Sorgen. „Bisher waren die Auftragsbücher der Firmen voll, wenn der Inlandsabsatz aber weiter sinkt, wird es für die Unternehmen deutlich schwerer“.
Nils Neu, Vorsitzender des Nordthüringer Unternehmerverbandes (NUV), teilt die Einschätzungen der IHK. „Wir können die Tendenzen an allen Stellen nur bestätigen. Leider hat die Bundespolitik die Wirtschaft aus den Augen verloren. Die Weichen durch die Regierung werden falsch gestellt, aber die Wirtschaft muss Vorfahrt haben. Ohne funktionierende Wirtschaft kann kein Sozialstaat funktionieren“, bekräftigt er. „Wir haben in Deutschland kein Einnahmeproblem, denn der Staat nimmt so viele Steuern wie nie ein, sondern ein Ausgabeproblem. Es sollte sich viel öfter gefragt werden, ob eine bestimmte Ausgabe unbedingt jetzt notwendig ist.“
Dies bestätigt ebenso Ulrich Schlegel, Unternehmer aus Nordhausen und Vizepräsident der IHK Erfurt. „Verantwortungsvoll wäre eine Umverteilung bei den Ausgaben. Einfach mal schauen, wofür man Geld ausgibt und ob eine Ausgabe an anderer Stelle nicht sinnvoller wäre“, so Schlegel. „Wenn wir die Kurve kriegen wollen, muss sich Leistung wieder lohnen. Bürgergeld an arbeitsfähige Menschen zu zahlen, ist nicht der richtige Weg.“ Als Unternehmer wünschen sich Nils Neu und Ulrich Schlegel außerdem einen Abbau der Bürokratie und das Verschwinden von Ideologien.
TA NDH, 10.02.2024, Birgit Eckstein: Unternehmer aus dem Landkreis Nordhausen fordern Vorfahrt für die Wirtschaft (thueringer-allgemeine.de)



























































































































































