Unternehmer fordert: Senkt endlich die Spritsteuern
Nordhausen Der Weg des Benzinpreises kannte in den vergangenen Tagen nur eine Richtung: nach oben. Der Unmut darüber wächst in der Bevölkerung. Doch auch die Südharzer Wirtschaft leidet massiv unter den extrem hohen Kosten. Was ist zu tun?
„Mein Gefühl ist, dass es derzeit keine richtige Führung in Berlin gibt. Die Regierung übt sich in Untätigkeit“, kritisiert Niels Neu, Chef des Nordthüringer Unternehmerverbandes (NUV). So würden alle möglichen Alternativen der Abhilfen in den Medien rauf und runter diskutiert und die Chefökonomen vorgeschickt, um zu erklären, was alles nicht geht. Dabei würden andere Länder wie etwa Polen mit der Preisdeckelung vormachen, dass man durchaus reagieren kann.
„Deshalb herrscht ein großes Unverständnis an der Basis, in den Parteien wie in der Wirtschaft“, berichtet Neu. Nachdem schon die erste Maßnahme der Regierung, den Benzinpreis ab 12 Uhr zu senken, laut Neu nichts gebracht habe, soll nun die Pendlerpauschale erhöht werden, so der jüngste Vorschlag aus dem Wirtschaftsministerium. „Das bringt aber auch erst im nächsten Jahr eine Entlastung, das ist viel zu spät“, kritisiert Neu. Diese Maßnahmen würden das Unwohlsein der Menschen nur verstärken. „Und viele Unternehmer haben die Befürchtung, dass sie die hohe Belastung nicht dauerhaft durchhalten können“, betont der Nordhäuser.
Beispiele dafür gibt es einige. „Es trifft ja nicht nur die Autofahrer, sondern auch die Landwirtschaft, Baubetriebe und natürlich die Speditionen“, zählt Neu einige Branchen auf. Jedes Bauvorhaben könnte in Zukunft bis zu 40 Prozent teurer werden, befürchtet er. Und wenn die Inflation weiter so wie bisher steige, würde auch die Zahl der Insolvenzen weiter steigen.
Die Speditionen hätten nicht nur das Problem der höheren Kosten, sondern auch der Planlosigkeit, weil die Mineralöl-Lieferanten die alten Verträge aufkündigen würden, so Neu. Die Folge: „Wir haben sofort reagiert und mussten die Preise für unsere Kunden anpassen“, sagt Hans-Dieter Otto, Geschäftsführer der gleichnamigen Spedition in Nordhausen. Niels Neu schätzt die Mehrkosten pro Monat auf bis zu 100.000 Euro bei den großen Speditionen.
Was würde also helfen? „Der Benzinpreis besteht zu 60 Prozent aus Steuern. Und hier hat die Regierung die Möglichkeit, sofort zu reagieren“, betont der Geschäftsführer. Er fordert deshalb die Absenkung oder zeitweilige Aussetzung der Steuern, um einen schnellen Effekt zu erzielen.
Langfristig helfe aber nur ein Umsteuern in der Energiepolitik hin zu erneuerbaren Energien. „Jedem in der Wirtschaft ist mittlerweile bewusst, dass wir uns die einseitige Abhängigkeit von fossilen Energieträgern nicht länger leisten können“, erklärt er. Dafür würde der Irankrieg das beste Beispiel liefern. Ob diese Erkenntnis auch schon bei den Entscheidern in Berlin angekommen ist?
Quelle: Unternehmer fordert: Senkt endlich die Spritsteuern, TA NDH am 09.04.2026



























































































































































