Unternehmer in Nordhausen fordert: Senkt die Spritsteuern und reguliert die Konzerne
Nordhausen. Die Stimmung in der Nordthüringer Wirtschaft ist mies, es wird kaum noch investiert. Wir nennen die Gründe und zeigen Lösungsmöglichkeiten.
Die Wirtschaft im Kreis Nordhausen kommt einfach nicht in Schwung. „Wir spüren bei den Unternehmern eine angespannte Situation; viele warten ab und stellen ihre Investitionen zurück“, hat Niels Neu vom Nordthüringer Unternehmerverband (NUV) beobachtet. Davon seien besonders die Bau- und Automobilbranche betroffen.
In Nordhausen seien im ersten Halbjahr 2026 keine gewerblichen Neubauten angeschoben worden. „Es herrscht praktisch Stillstand“, bringt er es auf den Punkt. Ein wichtiger Grund: „Die Energie- und Rohstoffkosten sind weiter hoch und verhindern so das wirtschaftliche Wachstum.“
Ein anschauliches Beispiel sind die Benzinpreise. Der Tankrabatt von 17 Cent ist zum 30. Juni ausgelaufen und wurde von der Bundesregierung nicht verlängert. Die Preise haben jetzt schon fast wieder die Höhe erreicht, die sie im März oder April hatten.
„Bei den Mineralölkonzernen läuft etwas gründlich schief, zulasten der Bürger. Deshalb muss der Staat hier regulierend in die Preispolitik der Konzerne eingreifen“, fordert Neu. Es könne nicht sein, dass sich die Mineralölunternehmen „dumm und dämlich“ verdienten und Otto Normalverbraucher die Zeche dafür zahle. Als zweiter Ansatz müssten die Spritsteuern gesenkt werden, denn der Staat verdiene kräftig mit bei den Kraftstoffen.
„Die Stimmung und das Vertrauen in die Politik sind auf dem Tiefpunkt angekommen“, beschreibt Neu das grundsätzliche Problem. Trotz der schwächelnden Konjunktur werde über eine Erhöhung der Grunderwerbssteuer diskutiert, nennt er ein Beispiel für die Abkopplung der großen Politik von der Realität an der Basis.
Ein weiteres solches Beispiel ist die Diskussion um die Minijobs. „Bitte schafft nicht die Minijobs ab. Denn ohne sie würde in der Gastronomie nichts mehr laufen“, macht er deutlich. In der Industrie gingen aktuell etwa 10.000 Jobs jeden Monat verloren. Da müsse die Politik schon andere Instrumente finden als die Abschaffung von flexiblen Arbeitszeitmodellen.
Auch die Umsetzung von Versprechen der Politik lasse auf sich warten. Ein gutes Beispiel ist der angekündigte Bürokratieabbau. „Davon spüre ich als Unternehmer nichts“, betont er. Die Berichtspflicht gelte für ihn nach wie vor, obwohl sie eigentlich schon abgeschafft sein sollte.
Niels Neu ist Mitglied der CDU. Als solches erinnert er seine Partei an einen früheren festen Grundsatz. „Es dürfen nicht ständig neue Schulden gemacht werden, wir müssen wieder sparen“, fordert er. Damit würde er sogleich auf Landesebene beginnen.
„Wir diskutieren ein halbes Jahr lang über die Besetzung des Spitzenpostens beim Landesverwaltungsamt, anstatt den entscheidenden Schritt zu tun und das Amt aufzulösen“, ärgert sich der Unternehmer. Thüringen sei als Bundesland mit gerade einmal zwei Millionen Einwohnern schlicht zu klein für diese Mittelbehörde. „Und bei der Zahl der Angestellten im öffentlichen Dienst sind wir unter den Top 3 der deutschen Bundesländer“, wüsste er noch einen Bereich, in dem man sparen könne.
„Bei dieser Gesamtgemengelage dürfen wir uns nicht wundern, dass die Stimmung derart im Keller ist“, macht Neu deutlich. Und daran sei nicht die derzeit größte Oppositionspartei schuld.
Quelle: Hans-Peter Blum, TA NDH, 24.07.2026, erschienen unter: Unternehmer in Nordhausen fordert: Senkt die Spritsteuern und reguliert die Konzerne



























































































































































