Unternehmer zweifeln an AfD-Kompetenz
Bei IHK-Abstimmung trauen nur fünf Prozent der Firmenchefs der rechten Partei zu, zur Lösung der bestehenden Wirtschaftsprobleme beitragen zu können
Nordhausen/Erfurt „Björn Höcke ist seit seiner Aussage am Samstag in Sömmerda für die Unternehmerschaft nicht mehr wählbar“, sagt Niels Neu, Chef des Nordthüringer Unternehmerverbandes (NUV) in Nordhausen. Der Thüringer AfD-Chef hatte in Sömmerda auf die Kampagne „Made in Germany - made by Vielfalt“ der mittelständischen Wirtschaft reagiert, diese als „pure Heuchelei“ bezeichnet und den Unternehmen „schwere wirtschaftliche Turbulenzen“ gewünscht.
Das sei auch deshalb nicht hinnehmbar, weil in diesen Unternehmen viele Tausend Menschen beschäftigt sind, betont Neu. Er vermisse die nötige Wirtschaftskompetenz bei der AfD. „Es reicht nicht aus, wenn ich beim Thema Fachkräftegewinnung nur auf die Familienpolitik verweise und darauf hoffe, dass die Thüringer in Zukunft mehr Kinder zur Welt bringen“, so Neu mit Bezug auf Aussagen von AfD-Sprecher Stefan Möller in der ZDF-Sendung „Frontal“.
Dass die Thüringer Unternehmer wenig Vertrauen in die Wirtschaftspolitik der AfD haben, wurde auch auf dem Landtagswahl-Podium der IHK am Montag in Erfurt deutlich. Bei der Abstimmung zur Frage „Welcher Partei trauen Sie am ehesten zu, zur Lösung der wichtigsten Herausforderungen der Thüringer Wirtschaft sinnvoll beitragen zu können?“ stimmten nur fünf Prozent der etwa 200 anwesenden Unternehmer für die AfD. Mit Abstand die größte Kompetenz wurde bei der CDU gesehen, die auf 47 Prozent der Stimmen kam. Danach folgen die Linke (20 Prozent) und die FDP (16 Prozent). Alle anderen Parteien lagen unter fünf Prozent.
Abgesehen vom Landtagswahl-Podium in Erfurt mit den Spitzenkandidaten der Thüringer Parteien hatte die IHK und ihre Wirtschaftspartner weitere vier Podiumsdiskussionen mit den Direktkandidaten der vier Nordthüringer Landkreise organisiert. „Unser Format ‚Wirtschaft fragt‘ hat eine sachliche Einordnung der wirtschaftspolitischen Themen für die Unternehmer zum Ziel gehabt“, sagt Christian Böduel, Leiter des Nordthüringer Regionalbüros der IHK in Nordhausen.
CDU wird das größte Lösungspotenzial zugetraut
Manche Teilnehmer hätten sich eine etwas lebhaftere Diskussion gewünscht, „aber wir haben uns bewusst für das Format mit den einminütigen Antworten entschieden“, führt Böduel aus. Er habe festgestellt, dass der ein oder andere Kandidat noch Wissenslücken aufweise. Und er hätte sich etwa in Sondershausen oder Mühhausen eine etwas bessere Teilnahme gewünscht. Zur Veranstaltung im Nordhäuser Jugendclubhaus seien etwa 60 Gäste erschienen. Das Ergebnis der Abstimmung zur Wirtschaftskompetenz der Parteien in Erfurt habe Böduel nicht überrascht. Er verwies aber darauf, dass das Ergebnis nicht repräsentativ sei.
„Die wichtigsten Themen der Diskussionen waren Energie, Bürokratie, Fachkräfte und Migration“, zählt Niels Neu auf. Für ihn sei erfreulich gewesen, dass sich die Unternehmer bei ihren Fragen nicht mit einfachen Antworten zufrieden gegeben hätten. Auch der NUV-Chef äußert sich zur Abstimmung in Erfurt. „Für mich zeigt das Ergebnis, dass die Parteien, die derzeit im Unfragehoch sind, nicht das Vertrauen der Mehrheit der Unternehmen genießt“, schätzt er ein.
Und es habe sich auch deutlich gezeigt, dass die Mehrzahl der Unternehmer die derzeitigen Probleme bei der Bundesregierung verortet. „Das überstrahlt leider die vorhandenen Landesthemen“, gibt Neu zu bedenken.
Quelle: Unternehmer aus Nordhausen zweifeln an Wirtschaftskompetenz der AfD (thueringer-allgemeine.de) - Hans-Peter Blum



























































































































































