Warum viele Südharzer Unternehmen den 1000-Euro-Krisenbonus nicht zahlen können
Nordhausen. Hoher Kostendruck und steigende Energiepreise machen den Firmen im Kreis Nordhausen schwer zu schaffen. Die Auszahlung eines Krisenbonus schwäche den Mittelstand und gefährde das Betriebsklima, warnen Wirtschaftsexperten.
Die Krise der deutschen Autozulieferer hat jetzt auch die Harzregion erreicht. So stehen in Harzgerode, gerade einmal 40 Kilometer von Nordhausen entfernt, mit Bohai Automotive und der Schlote-Gruppe zwei große Arbeitgeber mit zusammen knapp 1000 Mitarbeitern vor dem Aus. Beide Betriebe haben Insolvenz angemeldet, die Zukunft der Mitarbeiter ist völlig ungewiss.
Auch im Landkreis Nordhausen stehen viele Betriebe unter Druck. „Erst Ende März hat die Baufirma Leukefeld Insolvenz angemeldet, um ein aktuelles Beispiel zu nennen“, sagt Niels Neu, Chef des Nordthüringer Unternehmerverbandes (NUV). Und in dieser schwierigen Situation sollen die Unternehmen ihren Mitarbeitern eine steuerfreie Entlastungsprämie, den sogenannten Krisenbonus, in Höhe von 1000 Euro zahlen.
„Wir erkennen die Absicht an, die Beschäftigten in einer schwierigen wirtschaftlichen Phase zu unterstützen“, nimmt Neu dazu Stellung. Zugleich weist er aber auf die „erheblichen Nebenwirkungen“ hin, die dieses Instrument gerade für die mittelständischen Betriebe in Nordthüringen mit sich bringt.
Stellungnahme zur Entlastungsprämie verfasst
Der NUV und das Wirtschaftsforum Eichsfeld haben deshalb eine Stellungnahme zur Entlastungsprämie an den Eichsfelder CDU-Bundestagsabgeordneten David Gregosz geschrieben, um auf die Probleme der hiesigen Unternehmen in Berlin aufmerksam zu machen.
Die Unternehmenslandschaft im Kreis Nordhausen und dem Eichsfeld sei mittelständisch und handwerklich geprägt. „Die Betriebe haben meist zwischen fünf und 50 Beschäftigte“, erläutert Neu. Viele dieser Betriebe würden seit Monaten mit gestiegenen Energiekosten, fragilen Lieferketten und wachsendem Margendruck kämpfen.
„Für immer mehr Unternehmen rückt das Thema Insolvenz in greifbare Nähe“, gibt Neu zu bedenken. Das Niveau der Insolvenzen würde sich laut dem Leibniz-Institut in Halle auf dem höchsten Stand seit über 20 Jahren befinden.
Finanzkräftige Konzerne können Prämie zahlen
„Für ein Unternehmen mit 20 Mitarbeitern bedeutet die vollständige Auszahlung der Prämie bis zu 20.000 Euro an zusätzlichem Liquiditätsbedarf. „Dieses Geld wird aber für Investitionen, Lagerhaltung oder laufende Betriebskosten dringend benötigt“, rechnet Neu gegen. „Großunternehmen und finanzkräftige Konzerne werden die Prämie wahrscheinlich auszahlen. Für unsere Mitgliedsbetriebe stellt sich die Lage aber grundlegend anders dar“, macht er deutlich.
Ein weiteres Problem sei die Erwartungshaltung, die das Instrument erzeuge. „Die Beschäftigten in unseren Betrieben werden wahrnehmen, dass die Kollegen bei den größeren Arbeitgebern die 1000 Euro netto erhalten, sie aber nicht. Und diese Erfahrung richtet sich erfahrungsgemäß nicht gegen die politischen Entscheider, sondern gegen den eigenen Arbeitgeber“, gibt der NUV-Chef zu bedenken.
Niels Neu schätzt, dass nur etwa 25 Prozent der hiesigen Unternehmen die Prämie gleich auszahlen werden. „Der große Rest überlegt noch und wird das Geld seinen Mitarbeitern vielleicht gestaffelt zur Verfügung stellen oder gar nicht“, betont er. „Ich selbst werde als Chef einer Baufirma in Nordhausen aufgrund des hohen Kostendrucks in der Branche nicht um die Zahlung drumherumkommen“, meint er.
„Die 1000-Euro-Prämie ist an für sich eine prima Sache, aber derzeit von vielen Betrieben einfach nicht zu stemmen“, pflichtet Ulrich Schlegel, Nordhäuser Unternehmer und Vizepräsident der IHK Erfurt, seinem Verbandskollegen bei. Ihn ärgert vor allem, dass der Staat seine Verantwortung auf die Unternehmerschaft abwälzt und selbst in der Krise nicht wirklich aktiv wird.
Auch die IHK kritisiert die Bundesregierung
Die Vollversammlung der IHK Erfurt fordert deshalb in einer aktuellen Stellungnahme einen Kurswechsel in der Energiepolitik der Bundesregierung. „Wir müssen Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit gleichrangig in den Blick nehmen“, so Schlegel. Aus Sicht der IHK reiche es jedoch nicht aus, nur auf kurzfristige Entlastungen zu setzen. Notwendig seien vielmehr strukturelle Verbesserungen.
Autor: Hans-Peter-Blum, TA Nordhausen am 01.05.2026 unter: Warum viele Südharzer Unternehmen den 1000-Euro-Krisenbonus nicht zahlen können



























































































































































