Weniger Fachkräfte - das sind Gründe
Niedrige Arbeitslosen Werte im Südharz sind trügerisch. Entwicklung der Beschäftigtenzahlen gibt viel mehr Anlass zur Sorge
Nordhausen. Die Zahlen auf dem Südharzer Arbeitsmarkt sind gut. Noch nie waren seit 1990 in einem Januar so wenig Arbeitslose in der Region registriert wie heute. Die 3017 Personen entsprechen 7,2 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung. Doch die Gründe geben Anlass zur Sorge, wie ein Blick in die Statistik beweist.
„Demografie lässt zukünftig das Fachkräfte Potenzial schwinden“, sagt Kasten Froböse, Chef der Nordhäuser Arbeitsagentur. Er belegt seine Aussage mit der Entwicklung der erwerbstätigen in Thüringen. Deren Zahl wird von 1,045 Millionen im Jahr 2020 über 936.000 zehn Jahre später bis auf 851.000 im Jahr 2040 sinken. Noch sei die Zeit der Beschäftigten in der Thüringen stabil. Diese ist im zweiten Quartal 2021 sogar leicht um 0,4 Prozent angestiegen gegenüber dem ersten Quartal 2021, und zwar auf 83.816. Doch in absehbarer Zeit wäre es auch hier ein Rückgang geben.
Schon jetzt ist der Anteil der älteren Beschäftigten über 55 Jahre mit 26,3 Prozent deutlich höher als die Jugendlichen bis 25 Jahre, die nur 8,1 Prozent ausmachen. „Das heißt, auf zehn ältere kommen nur drei Jugendliche“, verdeutlicht Froböse. Diese Tendenz werde sich fortsetzen, weil in den nächsten Jahren mehr Personen in Rente gehen als junge Arbeitnehmer nachwachsen.
„Fakt ist, dass sich die arbeitslosen Zahlen deshalb so entwickeln, weil der Druck auf den Fachkräftemarkt größer wird“, argumentiert Niels Neu, Vorsitzender des Nordthüringer Unternehmerverbandes (NUV). Die Unternehmen müssten die Lücken auffüllen. Wobei es große Unterschiede gebe. „Die Jugendlichen gehen heute in die Büros, Verwaltungen Banken, aber leider nicht ins Handwerk und das verarbeitende Gewerbe“, gibt er zu bedenken. „Wenn man versucht, einen gut ausgebildeten Schweißer zu finden, hat man keine Chance“, nennt Neu ein Beispiel.
Wobei der Lohn mittlerweile keine größere Rolle spiele. „Bei uns wird inzwischen gut bezahlt. Des Geldes wegen muss ich heute nicht mehr in den Westen gehen“, betont der Bauunternehmer Neu.
„Beim Lohn gibt es Grenzen. Wichtiger ist inzwischen das Gesamtpaket, das stimmen muss“, meint Christian Böduel, Leiter des Nordhäuser Regionalbüros der IHK. So würden die Betriebe zusätzliche Leistung und Vergünstigungen für ihre Beschäftigten anbieten. „Bei den größeren Unternehmen ist das inzwischen so Usus“, führt Neu aus. Als Beispiel nennt er die Firma Schachtbau, die ihren Mitarbeitern die kostenlose Corona-Impfung ermöglichte.
Quelle: Hans-Peter Blum, TA NDH 03.02.2022



























































































































































