Wirtschaft fordert Ende der Kontrollen
Nordthüringen „Wir fordern ein Ende der Corona-Kontrollpflichten im Einzelhandel und der Gastronomie zum 1. März“, sagt Arnold Senft, Vorsitzender des IHK-Wirtschaftsbeirats und Präsident des Thüringer Einzelhandelsverbands, beim Pressegespräch der Industrie- und Handelskammer. Die Wirtschaftsbetriebe wünschen sich eine größere Unterstützung durch die Politik, die die Betriebe mit den 2- und 3G-Regelungen allein gelassen habe. „Herr Ramelow steht ja auf unserer Seite, aber Frau Werner blockt weiter ab“, weist er auf die Uneinigkeit in der Landesregierung hin.
„In vielen Nordthüringer Unternehmen macht sich eine große Unsicherheit breit“, betont Christian Böduel, Leiter des Regionalbüros der IHK in Nordhausen. So würden der Mangel an Fachkräften sowie die Entwicklungen an den Rohstoff- und Energiemärkten die Zukunftsaussichten eintrüben. Alf Grabinsky, Vorsitzender des IHK-Wirtschaftsbeirats im Landkreis Nordhausen, nennt Beispiele. „Wir haben gerade in der Gastronomie viele Mitarbeiter durch den Lockdown verloren. Die arbeiten inzwischen in anderen Branchen und kommen nicht mehr zurück“, sagt der Betreiber von zwei Gaststätten. „Hinzu kommt, dass die Rohstoffpreise regelrecht explodiert sind. Im Restaurant Felix zahle ich im Februar beim Gasverbrauch 5000 Euro mehr im Vergleich zum Vorjahr“, berichtet der Unternehmer.
„Die Pandemie ist heute nicht mehr der Gradmesser, sondern die Personalfrage und die Energiekosten sind wichtiger“, erklärt der Nordhäuser.
Marcel Kübler vom Vorstand des Nordthüringer Unternehmerverbandes (NUV) beklagt neue Unwägbarkeiten. „Wir sind bei Schielke Brandschutztechnik in Sondershausen gut durch die Pandemie gekommen, doch jetzt sind meine Spielräume stark eingeschränkt, was etwa Investitionen betrifft“, so der Unternehmer. Er wünscht sich eine größere Unterstützung durch die Politik. In Deutschland sei beispielsweise die Energiesteuer 20 Prozent höher als von der Europäischen Union vorgeschrieben. Hier wäre eine Senkung angesichts der hohen Energiepreise für ihn genauso ein wichtiges Signal wie das Aussetzen der EEG-Umlage.
Auch das Fachkräfteeinwanderungsgesetz habe nicht die erhofften Impulse gebracht. „400.000 Fachkräfte sollten jährlich nach Deutschland kommen, doch zuletzt waren es nur 30.000“, berichtet Kübler. Ein Problem sieht er darin, dass die Anreize nicht sehr hoch seien. „Die jungen Leute gehen lieber in andere Länder“, hat er beobachtet. Und bei der Vermarktung habe man ebenfalls Nachholbedarf. Arnold Senft bricht eine Lanze für die Ausbildung. „Ich frage in den Betrieben immer nach, ob diese auch ausbilden“, sieht er hier die größte Chance, Fachkräfte heranzuziehen. Im Eichsfeld habe man zudem das Plus, dass viele Arbeitskräfte zurückkehrten. Etwa 300 Menschen pro Quartal ziehe es zurück in ihre Heimat.
Marc Weinrich von der Kreishandwerkerschaft Nordthüringen bezeichnet die Materialknappheit und die Lieferengpässe als größte Probleme für die Handwerksbetriebe. Das treibe auch die Preise in die Höhe. So seien bei Dachdeckern und Elektrikern die Preise im Januar um 40 Prozent gestiegen, so Weinrich.
Es gebe aber auch Positives zu berichten. „Im Tischlerhandwerk haben wir derzeit 23 junge Leute in der Ausbildung gegenüber 14 Personen im vorherigen Lehrjahr“, sagt Weinrich. Gleiches gelte für die Heizung- und Sanitärtechniker. „Auch bei den Friseuren gibt es wieder mehr Anfragen von jungen Leuten“, pflichtet ihm Grabinsky bei. Das gelte aber nicht für alle Branchen. Berufe wie Schneider oder Schuhmacher würden auf lange Sicht wegsterben, so Weinrich.
Quelle Text und Bild: Hans-Peter Blum, TA Nordhausen 12.02.2022: Blick in die Nachbarkreise des Eichsfelds: Nordthüringer Wirtschaft fordert Ende der Kontrollen | Eichsfeld | Thüringer Allgemeine (thueringer-allgemeine.de)



























































































































































