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100% INITIALZÜNDER

Die Baubranche als großer CO₂-Treiber kann sich nicht zurücklehnen

Wie heißen Sie und was ist ihr Job?

Ich bin Stephan Ostermann, 31 Jahre alt oder jung - je nachdem. Ich bin jetzt in der zweiten Generation dabei, dass Familienunternehmen meines Vaters fortzuführen: GBN Granitbau Nordhausen GmbH. In diese Richtung ging bereits mein Studium. Ich habe Bauingenieurwesen in Dresden an der TU studiert. Nebenbei war die Musik omnipräsent, da komme ich vielleicht später nochmal drauf zurück. Und naja, ich gebe mir Mühe, dass der Laden läuft wie bisher.

Was hält Sie hier?

In der Region sehe ich zuallererst meine Familie. Meine Familie bedeutet mir im Grunde alles und steht auch über allem. Das habe ich auch während meiner Zeit in Dresden gemerkt. Heimat ist zwar auch das, was man draus macht, in Dresden fühlte ich mich ebenfalls sehr heimisch. Aber gerade die Region Nordhausen, in der ich den größten Teil meiner Ausbildung genossen habe und viele Freunde lieb gewann, liegt mir nach wie vor sehr am Herzen. Das ist auch der Grund zurückzukehren, weil ich der Region etwas zurückgeben möchte, weil ich einfach dankbar bin für das, was ich bekommen habe. Jetzt ist es an der Zeit, Dinge zu bewegen, um Nordhausen und meine Heimat mitzugestalten und qualitativ aufzuwerten.

Warum sind Sie Unternehmer?

Ich glaube, ich wollte nicht direkt Unternehmer werden. Ich habe mich eher immer als eine Art Problemlöser gesehen. Das ist ein Unternehmer auch in gewisser Art und Weise. Also wenn ich zurückdenke an meine Schul- und Studienzeit, war ich tendenziell immer der, der versucht hat, Fragestellungen oder Probleme analytisch zu betrachten, von verschieden Seiten und Perspektiven. Und ich glaube das ist es auch, was mich jetzt zum Unternehmer macht. Denn ich bin in der Lage, verschiedene Problemstellungen für alle Beteiligten und Projektpartner zum Beispiel, möglichst gewinnbringend zu realisieren. Vor allem mag ich das Teamgefühl, mit einer Mannschaft zu arbeiten, dort auch zu versuchen, die Qualitäten jedes Einzelnen zu kanalisieren. Jeder hat ja verschiedene Stärken und Schwächen. Das macht mir sehr viel Spaß.

War schon immer klar, dass sie als Sohn die Firma übernehmen werden?

Ja, das war irgendwie schon ein bisschen klar, vor allem bei meinen Eltern. Zumindest war es wahrscheinlich immer der große, lang ersehnte Wunsch, dass ich das mal übernehme. Ich für meinen Teil traf die Entscheidung recht spät, weil die Musik bei mir einen relativ hohen Stellenwert hatte und immer noch hat. Und das ging eigentlich schon in der Schulzeit los, dass ich vor der Wahl stand - entweder Musikinternat und meiner Liebe zur Klaviermusik folgen oder gehe ich das Ganze pragmatisch-technisch an und lerne einfach einen technischen Beruf, wie den Bauingenieur. Da kam dann über lang oder kurz, durch die Erfahrung im Beruf, die Entscheidung: „Okay, jetzt packen wir das an, ich probiere mein Glück“. Ich versuche nun vorrangig mit meinem Vater das Beste draus zu machen. Und jetzt sitze ich hier und jetzt geht’s los.

Was wird von Ihnen in dieser Rolle erwartet?

Ich glaube, eine ganze Menge. Also wenn ich jetzt einmal bei den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen anfange, dann wird erwartet, dass es so reibungslos wie bisher oder vielleicht auch besser weiterläuft, dass einfach gewisse Standards weiter eingehalten werden. Da gibt es ja viele Facetten, die Mitarbeitende bewegen, ob es die Weiterentwicklungsmöglichkeiten sind, natürlich auch der Verdienst aber auch das Betriebsklima. Das Miteinander muss einfach stimmen, das hat ebenfalls einen sehr hohen Stellenwert. Und meine Eltern, ich denke, die erwarten nichts Geringeres, als was alle Eltern von ihrem Kind erwarten: dass es im Leben Gas gibt und die Dinge tut, die es glücklich machen und es sich verwirklichen kann. In dieser Hinsicht haben meine Eltern mir sehr viel mitgegeben und mich immer unterstützt. Es gab da nie etwas, was sie mir abgeschlagen hätten. 

Was braucht es, um dieser Unternehmer zu sein und diese Erwartungen zu erfüllen?

Ich denke, es gibt nicht den einzigen Unternehmer oder Unternehmertyp. Es ist viel mehr eine Frage, wie man mit der Persönlichkeit, die man selbst mitbringt, in einem gewissen Umfeld versucht, die einzelnen Qualitäten der "Mitspieler" zusammenzuführen. Im Endeffekt geht es darum, dass man aus verschiedenen Bausteinen etwas Größeres erschafft. Denn das Endprodukt ist ja bekanntlich mehr wert als die Summe der einzelnen Teile. Was einen guten Unternehmer ausmacht, sind darüber hinaus wahrscheinlich Dinge wie Teamfähigkeit, Durchsetzungsvermögen, natürlich wirtschaftliches Denken, man muss leistungsorientiert sein. Man muss aber auch die sozialen Aspekte in dem Bereich, wo man wirtschaftlich tätig ist, immer einbeziehen. Das sehe ich jeden Tag auf der Baustelle, wenn wir unsere Komplexmaßnahmen umsetzten, beispielsweise in der Grimmelallee oder Riemannstraße. Dort sind eben sehr viele Menschen betroffen, wenn wir dort bauen. Dort muss jeder Anwohner entsprechend die Berücksichtigung finden, die er braucht, um zu seinem Grundstück zu gelangen. Das sind dann scheinbar lapidare Dinge, die für den Einzelnen aber eine große Rolle spielen. Genauso gut gehört auch dazu, dass hier und da die Mitarbeitenden die junge Mutter mit dem Kinderwagen über das Baufeld begleiten. Es sind verschiedene Dinge, die da gefragt sind. Für mich gibt es da nicht die eine Antwort.

Woher schöpfen Sie Antrieb und Inspiration?

Mich treibt insbesondere an, dass ich etwas erreichen will, was die Basis für viele weitere Dinge ist. Ich bin deshalb in Richtung Bauingenieurwesen gegangen, nicht weil mein Vater das vielleicht von mir erwartet hätte, sondern weil ich wusste, ich erschaffe damit Infrastruktur. Also ich entwickle das, was ganz am Anfang steht, worauf alles andere aufbauen kann. Ohne Straßen, ohne Wege, Plätze, Kommunikations-, Versorgungs- und Entsorgungsleitungen etc. kann ich kein Haus bauen, keinen Industriezweig etablieren, können keine Wohnsiedlungen entstehen, gibt es einfach nichts. Am Anfang steht immer die bauliche Erschließung. Und ich finde es ist auch ein gewisser Qualitäts- und Lebensstandard, den eine Stadt oder ein Land hat, wenn die Verkehrswege in einem guten Zustand sind. Ich glaube, für Anwohner sind schadhafte Straßen und Wege äußerst störend. Das gibt mir persönlich ein ziemlich gutes Gefühl, wirklich eine Art Befriedigung, weil ich weiß, ich habe etwas Handfestes geschaffen, an dem alle Leute oder die Gesellschaft partizipieren. Ich hätte ja auch Youtuber werden können oder mich live bei Twitch vor die Kamera gesetzt oder was weiß ich. Man kann ja heutzutage mit allem Geld verdienen, mit wirklich allem. Und das war aber nicht mein Anspruch. Damit hätte ich mich selbst nicht glücklich gefühlt.

Sie bauen diese Stadt aktiv mit auf. Was bedeutet Ihnen Nordhausen?

In der Stadt Nordhausen sehe ich zuallererst meine Heimat. Aber ich sehe auch eine sich sehr gut entwickelnde ostdeutsche Stadt, von der ich weiß, dass viele westdeutsche Bürger ein sehr schlechtes Bild hatten und immer noch haben, weil sie lange nicht hier waren. Jetzt gerade aktuell waren Freunde aus den alten Bundesländern zu Besuch und meinten: „Wow, was für eine tolle Stadt!“. Nordhausen ist eine interessante Kleinstadt, die sich super entwickelt, sehr schöne Ecken und ein hochmodernes Krankenhaus hat, eine tolle landschaftliche Umgebung mit der Rüdigsdorfer Schweiz, Südharz, Kyffhäuser sowie der Goldenen Aue bietet. Es eröffnen sich einfach so viele Perspektiven, städtisch wie landschaftlich, und das macht es so abwechslungsreich und lebenswert.

Wie verbringen Sie hier Ihre Freizeit?

Abseits von der Firma verbringe ich meine Zeit vor allem mit der Musik. Ich spiele selbst sehr viel Klavier, komponiere auch viel und pflege in diesem Zusammenhang meine Social Media Accounts. In der Musik finde ich einfach diesen kreativen Freiraum, den ich teilweise im technischen Ingenieurwesen, in dem es um Fakten und Zahlen geht, eben nicht habe. Ich mache nebenbei relativ viel Sport. Ich schwimme, gehe laufen und viel wandern. Über das Schwimmen sind in Verbindung mit der Musik wiederum Kontakte zu sozialen Projekten entstanden. Im Rahmen des SPAM-Projekts des Schwimmvereins Nordhausen finden regelmäßig auf der Palliativstation in Nordhausen Konzerte statt. Dort trete ich dann auch selbst auf. Für die Patienten soll so etwas mehr Lebensqualität geschaffen werden. Ich bin parallel beim Park Hohenrode als Jugendbotschafter tätig. Dort werden ab und an Arbeitseinsätze organisiert. Generell möchte ich hier die Aufmerksamkeit der jüngeren Bevölkerung für die Schönheit des Nordhäuser Grüns steigern: Stadtpark, Gehege, Promenade oder eben dem Park Hohenrode. Ansonsten bin ich viel bei meiner Familie natürlich und bei Freunden. Ich bin aber generell sehr vielseitig interessiert und könnte jetzt wahrscheinlich stundenlang von weiteren Interessen schwärmen: Fotografie und Film zum Beispiel. Aber ich glaube, das würde dann zu weit führen.

Welche besonderen Wagnisse oder Kompromisse sind Sie eingegangen?

Das erste Wagnis war, da bin ich mir sicher, die Sache mit der Musik. Denn das ist etwas, was mich wahrscheinlich ebenso sehr erfüllt hätte, mit sicherlich weit weniger Stress. Das Baugewerbe ist schon ein ziemlich hartes Pflaster, das muss man einfach so sagen. Ich bin in der Hinsicht schon sensibel, weil ich eben so eine künstlerische Ader habe. Das musste ich ein bisschen aufgegeben in gewisser Art und Weise und das mache ich jetzt so nebenbei, weil es für mich dann Entspannung und Auszeit bedeutet. Schwer wiegt auch, dass ich viele Freunde in Dresden zurückließ. Doch der Ortswechsel musste umgesetzt werden und damit einher ging das Risiko, durch die enge berufliche Verbindung Reibereien innerhalb der Familie zu provozieren. Man sieht sich ja nun den ganzen Tag. Wenn ich jetzt zum Beispiel am Wochenende bei der Familie sitze, ist die Firma immer präsent. Man hat ständig diese Verbindung und läuft Gefahr, dass man nicht richtig abschalten kann. Man muss sich schon ein bisschen dazu zwingen. Was Freunde angeht, hat man natürlich auch wenig Zeit, weil man immer so viel eingebunden ist. Und für viele ist es auch schwierig zu verstehen, wie viel Zeit dahintersteht, wie viel Zeit man auch am Wochenende in der Firma verbringt. Das wird oft schnell ausgeblendet.

Wie schaffen Sie es abzuschalten und wo ist Ihr Rückzugsort?

Ich glaube, es gibt da zwei Orte, zum einen die Natur. Ich wandere, egal wo, ob im Harz oder in der näheren Umgebung, in der Rüdigsdorfer Schweiz, Windlücke. Generell gibt einem, oder mir persönlich, die Natur ziemlich viel. Ob das die Pflanzen sind oder die Tiere, alles hat so etwas Unschuldiges an sich. Dort ist alles noch intakt, könnte man sagen, obwohl man ja bereits sieht, wie der Mensch egal an welcher Ecke seine Spuren hinterlässt. Vor allem spiele ich aber auch Klavier. In meinem Elternhaus steht glücklicherweise ein Flügel, der leider etwas verstimmt ist, aber das macht ja nichts. Er hat trotzdem einen gewissen Charme im Vergleich zum E-Piano, an dem ich sonst spiele. Da kann man sich einfach fallen lassen und träumen, sich der Musik hingeben. Da improvisiere ich gerne vor mich hin und dort kann ich abschalten.

Was löst in Ihnen Ängste oder Sorgen aus? Wie gehen Sie damit um?

Sorge und Respekt bereitet mir vorrangig die aktuelle Situation in der Welt allgemein. Ich glaube, die Gründe brauche ich nicht im Einzelnen benennen, die kennen wir alle. Die Situation, in der ich jetzt hier ins Unternehmen eingestiegen bin, die hätte wahrscheinlich nicht besser sein können, in Anführungsstrichen. Auf der einen Seite weiß gerade niemand, wo die Reise hingeht. Deswegen kann man sich wohl auch zurücklehnen, weil man eh nicht weiß, wo die eigene Zukunft liegt. Anderseits bin ich dann, vielleicht in den nächsten fünf, sechs Jahren nachdem diese Zeit überstanden ist, auch für die besseren Jahre gerüstet und kann immer zurückblicken und sagen: „Die Epoche, die hast du auch durchgestanden“. Es ist natürlich für mich als junger Mensch ohne Frage eine große Herausforderung 40 bis 50 Mitarbeitende bei Laune zu halten, dort tagtäglich für das Lohn und Brot der Familie zu sorgen und dann einfach den Spagat hinzubekommen, dass ich auch selbst bei meiner Familie nicht zu kurz komme. Und das ist, da bin ich mir sicher, die größte Herausforderung. Ich habe die Angst, dass irgendetwas auf der Strecke bleibt, dass ich entweder nicht in der Lage sein werde, das Unternehmen ausreichend wirtschaftlich zu führen oder eben die Familie den Kürzeren zieht. Das ist meine größte Sorge. Egal welche Branche, es geht gerade hoch her. Und ich versuche mir das Ganze zu strukturieren mit festgelegten Zeiten, in denen ich Dinge erledigen muss. Und wenn ich die nicht schaffe, dann ist das erst einmal so. Ich versuche das noch auszuloten, welche Dinge brennen und welche ich auch morgen noch machen kann. Das kommt dann eben mit der Erfahrung, wenn man später feststellt, das hätte doch gestern erledigt sein müssen. Ich versuche möglichst aufmerksam durch die Welt zu gehen und alles aufzusaugen, was mir insbesondere mein Vater noch mitgeben kann und die Kollegen, gerade auch die Älteren. Das ist die Strategie.

Was sind Ihre Wünsche für die Zukunft?

Ich wünsche mir für die Zukunft erst einmal Gesundheit, nicht nur für mich, sondern auch für mein näheres Umfeld, Frieden für die Welt allgemein. Ich wünsche mir, dass was Manche aktuell erleben müssen, nicht noch einmal erlebt werden muss. Ich wünsche mir, dass gerade auch die Region Nordhausen sich so weiterentwickelt, wie in den letzten Jahren, dass natürlich auch ich hier gemeinsam mit meinen Kollegen in der Firma eine grandiose Entwicklung hinlegen kann. Dass die Kollegen in zehn, zwanzig Jahren sagen: „Klasse, dass der Typ hierhergekommen ist und gesagt hat, er mache das weiter. Wir sind gern hier jeden Tag auf Arbeit gekommen und wir haben große Dinge bewerkstelligt, die uns stolz machen“. Ich wünsche mir, dass meine Familie stolz auf mich ist. Das wäre in Gänze ziemlich erfüllend. Und ich wünsche mir, dass vor allem meine Musik immer irgendwie noch eine tragende Rolle in meinem Leben spielt.

Worauf können Sie besonders stolz und worüber besonders glücklich sein?

Ich bin besonders glücklich darüber, dass ich neben dem Studium an der TU Dresden, was schon sehr herausfordernd war, meine Musik immer bei mir behalten habe und dass ich mich dieser Herausforderung annahm, nicht umdrehte, sondern ein „Kümmerer“ wurde und Probleme löse. Ich denke, damit bin ich eigentlich bis jetzt ganz gut gefahren. Und ich bin glücklich, dass ich das auch als Rückmeldung meines näheren Umfeldes und meiner Freunde bekomme. Die sagen: „Wow, du versuchst das Unternehmen zu leiten, machst gleichzeitig noch Musik, gehst joggen und triffst dich trotzdem noch hier und da mit uns“. Also offensichtlich gelingt mir dieser Spagat ganz gut. Es macht mich glücklich, alles irgendwie im Einklang hinzubekommen. Es erfüllt mich einfach – dieses Technische, aber auch dass ich der Stadt und dem Umland etwas zurückgeben kann, nebenbei meine Kreativität auslebe und dabei bei meiner Familie und Freunden bin.

Was bedeutet Ihnen die Musik heute in Ihrem Leben?

Die Musik ist für mich vor allem Element, um abzuschalten, um Freiraum im Kopf zu schaffen und das Gedankenkarussell anzuhalten. Mit der Musik kann ich viele Emotionen, die in mir brodeln, die nicht rauskommen oder lange in mir schlummern, verarbeiten. Ich persönlich hatte privat in den letzten Jahren schon mit ein paar Dingen zu kämpfen und da war die Musik wie ein Anker, an dem ich mich festhalten konnte. Erst über die Musik hat mein Leben in dieser Hinsicht wieder Fahrt bergauf genommen. Ich finde, es bricht auch etwas mit dem Klischee des Unternehmers. Viele sehen das gar nicht, dass man parallel auch künstlerisch aktiv ist, gerade in dieser harten Branche des Bauunternehmertums. Ich persönlich kenne niemanden, der noch in dieser Form aktiv ist. Gerne würde ich mich mit solchen Leuten austauschen. Die Musik ist mein Anker und meine Inspiration.

Wo sieht man Sie im persönlichen Engagement? Sind Sie Aktivist?

Ich engagiere mich vor allem für Menschen, denen es aufgrund von Umständen schlecht geht, auf die sie selbst gar keinen Einfluss hatten, zum Beispiel durch schwere Erkrankungen auf besagter Palliativstation. Die regelmäßigen ehrenamtlich stattfindenden Konzerte erwähnte ich bereits. Hier sei auch nochmals die Tätigkeit als Jugendbotschafter im Park Hohenrode zu erwähnen, welchen auch mein Vater bereits aktiv unterstützte. Wir rufen immer wieder zu Arbeitseinsätzen auf bzw. sind wir dort Förderer, führen Bauleistungen aus. Die Initiatoren des hiesigen Fördervereins verdienen größten Respekt. Ich selbst bin nicht aktiv in Vereinen tätig, sondern ich versuche mit der Arbeitsleistung, die ich geben kann oder eben durch das kreative Schaffen, die Arbeit der Vereinsmitglieder zu unterstützen.

Aktivistisch werde ich insbesondere, wenn es um das Thema Naturschutz geht. Der Klimawandel brennt mir schon ewig, seitdem ich 13 oder 14 Jahre alt bin, im Herzen. Die Firma hat für mich in diesem Jahr deshalb einen ersten Meilenstein erreicht: wir wurden mit dem NAT- Thüringen Zertifikat ausgezeichnet, dem Nachhaltigkeitszertifikat in Thüringen. Mit diesem Zertifikat werden in ganz Thüringen Unternehmen für ihr nachhaltiges Arbeiten und ihren ressourcenschonenden Umgang zertifiziert. Das war auch bei meinem ersten Arbeitgeber ein Aushängeschild. Sie waren das erste CO2-neutrale Bauunternehmen in Deutschland. Das hat mich sehr inspiriert und das möchte ich auch für Granitbau erreichen. Gerade die Baubranche, als großer CO2-Treiber oder auch die Bauindustrie, wie die Zementherstellung, bei der ein Haufen CO2 anfällt, kann sich nicht zurücklehnen. Wer will, der findet auch einen Weg. Alles andere sind Ausreden. Somit will ich auf jeden Fall zuallererst bei uns im Unternehmen die Schritte gehen, die notwendig sind, um dort in Richtung CO2-Neutralität zu gehen. Man ist damit Vorbild für kleinere oder vielleicht auch größere Unternehmen, die dann nachziehen müssen. Das ist für mich schon ein ganz wichtiger Punkt. Und das vermisse ich leider gerade bei der älteren Generation. Das wurde viel zu lange, viel zu zaghaft behandelt.

Wie verbringen Sie einen ganz gewöhnlichen Wochentag?

Mein beliebiger Wochentag beginnt damit, dass der Wecker mich penetrant und nervig aus dem Bett klingelt. Nicht jeden Tag aber etwa jeden zweiten nehme ich dann eine kalte Dusche. Das macht richtig wach. Später frühstücke ich meist im Büro mit einem Kollegen. Da kann man sich schon einmal gut austauschen. Dann geht es zum Tagesgeschäft über mit diversen Bauberatungen und Terminen vor Ort mit Kunden. Manchmal sind es auch Termine bei Privatkunden, kleinen Gärten, wo dann die Terrasse gemacht werden soll. Das ist dann selbstverständlich wirklich Geschäftsführeraufgabe. Ansonsten wird über die Mittagszeit zusammen gegessen, am Nachmittag finden dann eher selten Termine statt. Da bleibt Zeit für den ganz alltäglichen Bürokram, für Schriftverkehr, E-Mails etc. Die Kollegen, welche weiter fahren müssen, nehme ich persönlich auf dem Betriebshof in Empfang, erkundige mich, wie es gelaufen ist. Mir ist wichtig, dass immer jemand da ist, wenn Sie zurückkommen. Wir tauschen uns aus, wie es in der Woche oder am Tag war, klären die organisatorischen Dinge für den nächsten Tag ab. Wenn ich noch Dinge zu tun habe, werden die danach erledigt, meistens gegen 17, 18 oder 19 Uhr. Und wenn ich Glück habe, bin ich dann 19 Uhr aus dem Haus, manchmal auch 20 Uhr. Dann schließe ich hier alles zu, wie es sich gehört, mache dann meinen Sport. Den muss ich direkt nach der Arbeit machen, denn sonst kann ich mich nicht mehr aufraffen, sollte ich vorher noch Klavier spielen oder was essen. Ich kriege dann den Hintern einfach nicht mehr hoch. Ich mache Sport, egal auf welche Art und Weise, ob zu Hause mit dem Körpergewicht oder in der Natur. Dann esse ich meistens Abendbrot und spiele eventuell noch Klavier. Jeden Tag Klavier spielen kann ich auch nicht, die Stimmung muss da sein. Entweder ich bin emotional überreizt oder voller Inspiration und dann kann ich nochmal loslegen. Ins Bett geht es zwischen 10 und 11, eher 11.

War früher alles besser?

Das "Früher" hat ja so einige Facetten: „Früher haben wir es so und so gemacht, das haben wir schon immer so gemacht und früher war sowieso alles besser“. Im Endeffekt zählt das hier und jetzt und das was vor uns liegt an Aufgaben. Sicherlich war früher schon einiges super, aber ich kann es ja nicht nachprüfen, weil ich ja nicht gelebt habe in diesem „Früher“, was einem oft entgegenschlägt. Und selber habe ich die Erfahrung gemacht, dass früher eben nicht alles besser war. Also ich kann das bis jetzt nicht unterschreiben. Es sind vielleicht manchmal einzelne Dinge, die besser waren, aber es ist so Vieles dazu gekommen, was heute wesentlich besser ist. Also ich will nicht tauschen.

Was ist Ihr Lieblingsessen und warum?

Ich esse grundsätzlich sehr gern. So ein konkretes Lieblingsessen gibt es gar nicht. Ich essen gern Pizza auf jeden Fall, generell Gerichte mit Tomatensoße, aber das eine Lieblingsessen, welches der Definition am nächsten kommt, ist ein Essen von meiner Oma. Das sind Spirelli mit Tomatensoße, Ei und Bierschinken. Das gab es immer, schon als ich im Kindergarten und während meiner Grundschulzeit zu meiner Oma gegangen bin. Das ist glaube ich das Lieblingsessen, was ich auch ihr zu Ehren jedem mal auftische der zu Gast da ist, der muss das dann essen.

Was möchten Sie uns noch mit auf den Weg geben?

Ich denke, Nordhausen entwickelt sich super, auch wenn oftmals viele schimpfen, was ich nicht nachvollziehen kann. Vielleicht ist das Folgende ein kleiner Tipp an alle, die über Nordhausen nörgeln. Man muss einfach einmal ins nähere Umfeld fahren, in die kleineren Städte, die vergleichbar sind mit Nordhausen – nicht Leipzig, Halle, Dresden, Hannover, Göttingen oder was weiß ich – sondern die Städte, die sich hinsichtlich der Einwohnerzahl auf dem gleichen Niveau befinden. Ich glaube, das öffnet ziemlich vielen die Augen.