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100% UNTERSTÜTZER

Wer sind Sie?

Mein Name ist Detlef Kuhnert. Ich bin Unternehmer und Sachverständiger im Estrichbau, 55 Jahre alt und komme aus dem Kyffhäuserkreis. Unser Unternehmen, die Barbarossa Estrichplan GmbH baut vorrangig in Thüringen Fußböden aus Estrich, das heißt von der Abdichtung, Isolation, Wärmedämmung, Trittschalldämmung bis hin zum finalen Estrich, teilweise auch Sichtestriche.

Wie sind Sie hier gelandet?

Vor 30 Jahren begann meine Karriere in die Gipsindustrie. Ich habe in Thüringen einen renommierten Gipshersteller vertreten. Es hat nicht lange gedauert, bis ich gemerkt habe, dass ich das auch verarbeiten kann. Es brauchte Verarbeiter in dieser Zeit, in der viele Unternehmer hier Vieles gemacht haben, es aber keine Spezialisten im Estrichbau gab. Und das war für uns, also mich und meinen Schwager, die Initialzündung, ein Unternehmen im Estrichbau zu gründen. Wir haben einst sofort Feuer gefangen.

Was verbindet Sie mit der Umgebung hier rund um Nordhausen?

Diese Region ist mir sehr, sehr wichtig. Es ist meine Heimat und ich fühle mich hier sehr wohl. Wir haben immer Arbeit hier gehabt. Wir haben die Arbeit gesucht. Und wir haben sie gemacht. Heimat - das sind die Menschen, das ist der Schlag Mensch, die Ehrlichkeit, Offenheit und Verbundenheit der Menschen auch zu ihrer Heimat. Ich bin hier groß geworden, ich bin hier verwurzelt. Das ist meine Heimat.

Nordhausen war außerdem schon immer das Hauptbetätigungsgebiet unseres Unternehmens. Ich muss dazu sagen, Nordhausen hat eine gesunde Größe, eine tolle Infrastruktur, spannende Menschen. Wir haben genauso gut auch in Sondershausen zu tun und in Bad Frankenhausen, regional sind wir im Umkreis auch über Thüringen hinaus unterwegs. Aber Nordhausen ist unser Hauptmarkt. Ich habe hier eine intensive geschäftliche und auch private Vernetzung. Das fruchtet und deshalb sind wir hier in Nordhausensehr aktiv und fühlen uns auch sehr wohl.

Wie verbringen Sie Ihre Zeit hier in Ihrer Heimat?

Ausschließlich durch Arbeit oder mit Arbeit. Nein, ganz unterschiedlich. Ich fahre Fahrrad, gehe wandern, schwimme. Ich entdecke Winkel, die ich noch nie gesehen habe. Wir haben die unterschiedlichsten Möglichkeiten, hier unsere Freizeit zu verbringen. Wir haben eine wunderschöne Gegend mit den tollsten Sehenswürdigkeiten, mit Wäldern, Gastronomie, Städten - Erfurt, Sondershausen, Nordhausen, Bad Frankenhausen. Wir haben den Harz, die Hainleite, den Kyffhäuser, wunderschöne Gegenden. Wir sind eigentlich da, wo andere Urlaub machen. Dort dürfen wir arbeiten.

Warum sind Sie Unternehmer?

Ich bin Unternehmer geworden, weil es mich herausgefordert hat. Es hat mich herausgefordert, Verantwortung zu übernehmen, meinen Tag selbst zu planen und für das, was ich tue, gerade zu stehen und das, was ich verspreche, zu halten. Und das kann ich als Unternehmer am besten koppeln und vereinbaren.

Was für eine Rolle spielen dabei Ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen?

Meine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind mir sehr wichtig, sie sind das Wichtigste überhaupt. Wir haben viel investiert, um sie in das handwerkliche Geschick zu bekommen. Wir müssen fähige Leute finden, loyale Leute finden, Leute finden, die wir fangen können, die dafür brennen und die auch teamfähig sind.  Der Estrichbau ist eine sehr, sehr harte Arbeit. Wir haben nicht immer die optimalsten Bedingungen vor Ort. Es ist kalt, stellenweise nass. Es ist harte körperliche Arbeit. Und dennoch kann es sehr viel Spaß machen im Team, modernste Technik zu bewegen, modernste Technik zu beherrschen. Man schafft mit einem plastischen Medium eine Maßgenauigkeit, die schon fast an Industrienormen herangeht, also an industriell gefertigte Maße. Und wir sehen, was für ein wichtiges Bauteil das im Objekt ist. Ein Bauteil, welches großflächig ist, aber dennoch im Querschnitt sehr gering dimensioniert. Und trotzdem beweist es solche Festigkeiten. Es wird jeden Tag bis an die Grenzen belastet und das über viele Jahre, stellenweise Jahrzehnte, hinweg. Und das hinzubekommen und dann auch noch den Normungen und Maßen zu entsprechen, das ist schon eine sehr große Herausforderung.

Was treibt Sie an und woher nehmen Sie Inspiration für Neues?

Jeden Tag aufs Neue treibt mich an, die Aufgaben, die vor mir liegen, bestmöglich zu meistern und zwar so, dass unsere Kunden zufrieden sind. Zufriedene Kunden sind die wichtigste Währung, die wir haben und jeder zufriedene Kunde trägt das nach Außen, ist für uns ein Multiplikator. Für mich ist das wirklich der größte Ansporn, einen zufriedenen Kunden zu sehen, ein Gewerk zu übergeben und dann sehen zu können, dass ich alle Erwartungen erfüllt habe. Und wenn ich das gemacht habe, dann bin ich mir sicher, habe ich die beste Währung, die Empfehlung für neue Aufträge und somit auch Arbeit, Arbeit für meine Mitarbeiter und Arbeit für die Zukunft.

Welche Wagnisse oder Kompromisse sind Sie auf Ihrem Weg hierher eingegangen?

Vor 30 Jahren, als wir begonnen haben, war es ganz, ganz schwierig für uns junge Männer Geld zu bekommen. Wir hatten keine Liquidität. Und den Banken unsere Ideen vorzutragen und zu verkaufen, war nicht einfach zu der Zeit. Es gab viel Misstrauen den Handwerkern gegenüber, den Handwerkern hier im Osten. Wir waren ja diejenigen, die ins kalte Wasser gesprungen sind. Das war eine ganz besondere Herausforderung. Wir haben das gut gemeistert. Wir haben mit wenig Kapital begonnen, haben jede verdiente Mark wieder ins Unternehmen fließen lassen und konnten somit in kürzester Zeit auch wachsen. Wir konnten den Markt für uns gewinnen. 10 Jahre später, um die 2000 herum, gab es den großen Bau-Crash. Die Konjunktur brach zusammen, wir erinnern uns an die großen Pleiten. Es war eine von vielen. Das hat natürlich uns Handwerkern mächtig viel abverlangt. Wir haben alle sehr viel Geld verloren, wir haben alle bangen müssen um Existenzen. Wir mussten Wege suchen, uns als mittlerweile groß gewachsenen Handwerksbetrieb wieder zu besinnen und mussten Ballast abwerfen. Unschöne Sachen, wie Entlassungen, brauchte es, um uns gesund zu schrumpfen, um dem Markt auch wieder gerecht zu werden. Wir mussten schauen, dass wir unbezahlte Technik verkauft haben, um wieder Liquidität zu erreichen. Es ist immer ein Auf und Ab, was die Konjunktur angeht. Man muss dementsprechend vorbereitet sein und dann auch entsprechend reagieren, schnell reagieren auf Markt-veränderungen. Jetzt haben wir wieder eine ganz besondere Aufgabe und die sehe ich eigentlich als Schwierigste an. Wir haben jetzt die Aufgabe, Mitarbeiter zu gewinnen, sie als Arbeitskräfte für uns zu begeistern, die mit uns gehen. Demographie ist sicherlich ein Grund, aber auch politische Fehlentscheidungen haben dazu geführt, dass wir jetzt vor dieser monströsen Aufgabe stehen, die für viele weichenstellend sein wird und für viele eine Veränderung der gesamten Firmenstruktur bedeuten kann. Es wird sehr, sehr schwierig. Wir suchen Lösungen, wir suchen Mittel und Wege, Menschen zu begeistern für unsere Arbeit, für das Handwerk - junge Leute und Leute, bei denen wir wissen und merken, dass das Investment sich rentiert. Das ist eine ganz, ganz schwierige Aufgabe, der wir uns stellen müssen.

Persönlich möchte ich gar nicht von Kompromissen reden. Viele sagen: „Ich gehe zur Arbeit“. Ich kann das so nicht sagen. Ich arbeite unheimlich gern. Für mich ist das tagtäglich eine Bestätigung. Für mich ist das tagtäglich eine Belohnung. Ich sehe das auch nicht als Last an oder als Kompromiss, den ich eingehen muss oder dass ich eventuell Entbehrungen hätte. Mir fehlt nichts, ich habe alles. Ich bin gesund, ich habe tolle Ideen, ich sehe mit Optimismus in die Zukunft. Und wenn es mir gelingt, Menschen auch weiterhin zu begeistern, mit mir gemeinsam in die Zukunft zu gehen, dann kann es noch gerne viele Jahre so weitergehen.

Wie schafft man das alles?

Ich glaube, wenn man von einer Sache begeistert ist, wenn man von einer Sache wirklich gefangen ist, dann fühlt es sich an, wie bei einem Sportler. Wenn ein Sportler ein Ziel hat und seinen Ehrgeiz, seine Kraft und Ausdauer einsetzt, das Ziel zu erreichen, dann investiert er alles dafür. Dann ist auch das, was er investiert für ihn tagtäglich ein Genuss, um jeden Tag seinem Ziel ein Schritt näher zu kommen. Das ist beim Unternehmer sicherlich das Gleiche. Ich stelle mir Aufgaben und ich möchte diese Aufgaben erfüllen. Und das ist für mich jeden Tag Ansporn, jeden Tag Treibstoff und jeden Tag auch Befriedigung.

Worauf können Sie dabei besonders stolz sein?

Stolz macht mich, dass wir es geschafft haben, in diesen 30 Jahren tatsächlich diese Höhen und Tiefen im Unternehmen zu bewältigen und dass wir nach wie vor erfolgreich am Markt teilnehmen. Das macht mich sehr stolz, weil es wirklich eine ganz vielfältige und bunte Reise war. Ja, das macht mich stolz.

Was macht Ihnen Angst und wie überwinden Sie Ängste und Sorgen?

Also ich möchte nicht sagen, dass ich Ängste habe. Ich habe sicherlich ein paar Sorgenfalten. Es ist eine ganz gefährliche Zeit. Eine Zeit, in der wir nicht wissen, ob der Frieden, den wir gewöhnt sind, so erhalten bleibt, ob die politische Stabilität erhalten bleibt. Ich habe selbst erlebt, dass ein Wechsel der Gesellschaftsordnung für viele Menschen ein Desaster sein kann. Für viele Menschen ist es eine brutale Chance, durchzustarten und Fesseln und Zwänge abzulegen, um sich entfalten zu können. Und ich habe aber auch gesehen und auch erlebt, dass Systeme Menschen blockieren können und sie einschränken in ihrer Fähigkeit, sich zu entfalten. Das finde ich sehr schade, das ist sehr schlimm und darf auch nie wieder passieren. Es ist eine so gefährliche Zeit, in der wir uns jetzt bewegen, gerade auch, wenn politische Fehlentscheidungen zum Teil dazu geführt haben. Es war ein harter Weg bis hierher, aber wir müssen auch dafür kämpfen, dass es noch weiter nach oben geht, dass es für alle weiter nach oben gehen kann. Wir Unternehmer müssen leider politische Fehlentscheidungen revidieren, sie korrigieren und das Beste daraus machen. Wir dürfen nicht den Kopf in den Sand stecken, aufgeben. Es ist nun mal so wie es ist. Für viele Dinge, für die wir nichts können, die sich einfach entwickelt haben, müssen wir trotzdem die Verantwortung tragen und ich glaube, wir schaffen das. Wir haben genügend Können, dass alles zu meistern. Mit Hoffnung, Zuversicht und mit der Kraft der Gemeinsamkeit ist das zu schaffen. Und ich glaube, dann können wir auch als Handwerker in eine weitere goldene Zukunft starten.

Was sind Ihre Wünsche für eine solche Zukunft?

Ich wünsche mir auf jeden Fall, dass der Frieden erhalten bleibt. Das ist das Wichtigste überhaupt und ich wünsche mir, dass die Konflikte, die weltweit brodeln, ein Ende finden, ohne Waffengewalt, dass wir nicht wieder nach zwei Weltkriegen vor zerbombten Städten stehen müssen oder vor geteilten Familien. Ich wünsche mir, dass wir nicht wieder in eine Diktatur hineingeraten, in der wir nicht selbstbestimmt leben können. Das wünsche und hoffe ich für die Zukunft. 

Ich wünsche mir Gesundheit, weil ich weiß, wenn ich gesund bin, dann kann ich etwas leisten, etwas liefern und dann kann ich mich auch den Herausforderungen.

Für mein Unternehmen wünsche ich mir das selbe. Ich wünsche mir für mein Unternehmen, dass wir stabile Verhältnisse haben, dass wir einen gesunden Markt haben, dass wir einen gesunden Wettbewerb haben, einen unverzerrten Wettbewerb, ohne Einflüsse, auf die wir nicht reagieren können, die uns die die Hände binden. Und wenn das gegeben ist, dann bin ich ganz optimistisch. Wir haben das früher immer so schön gesagt, aber eigentlich gar nicht verstanden: „Wettbewerb belebt das Geschäft“. Das ist in der Tat so. Wir brauchen den Vergleich, wir brauchen die Herausforderung, um Ideen zu finden, um uns vom Wettbewerb absetzen zu können. Und wenn wir gesund bleiben und wenn wir friedliche Verhältnisse haben, denke ich, haben wir die besten Voraussetzungen, dass wir noch Einiges stemmen können.

Wie würden Sie junge Menschen für diese Branche begeistern?

Ja, das war vor 15 Jahren einfacher. Die Zeit ist so schnelllebig geworden, so hochfrequent. Entscheidungen werden in Echtzeit getroffen. Wir haben kaum noch Zeit, über gewisse Sachen zu schlafen, um sie nochmal zu durchdenken, zu konstruieren, um Folgen auch vorher zu erahnen. Und das ist ganz, ganz schwierig. Die Jugend heutzutage ist medial so beeinflusst durch die Technik. Ich habe manchmal das Gefühl, dass eine normale Kommunikation, Auge in Auge, kaum noch möglich ist. Sie sind vernetzt, sie interagieren eigentlich nur noch über das Medium Internet und ich finde das sehr schade. Jemandem gegenüber zu sitzen und in die Augen zu schauen und zu interagieren ist eine Herausforderung. Es ist nicht nur immer Satz, Punkt, Abwarten, Satz, Punkt, Abwarten, Reaktion sondern im Gespräch auch Begeisterung zu spüren. Das macht es eigentlich aus. Wir müssen unserer Jugend zeigen, dass man an all’ dem auch wachsen kann, dass man damit ein erfolgreicher, gestandener Mensch werden kann, der sein tägliches Brot selbst verdient, der seine Familie ernährt, der eine gewisse Unabhängigkeit auch erreichen kann. Das wäre die eine Seite.

Und die andere ist, dass wir Jugendliche finden, die noch eine Affinität für das Handwerk haben. So können wir ihnen zeigen, wie wir als Betrieb mit flachen Hierarchien, mit modernster Technik, mit strukturierten Abläufen, mitnehmen können und begeistern. Wir müssen auch davon wegkommen, dass das Gymnasium das A und O sein muss. Eine handwerkliche Ausbildung ist genauso anerkennenswert und immer eine gute Grundlage, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Welche Themen lassen Sie engagiert, sogar aktivistisch werden?

Also generell bin ich ein Mensch, der offen ist für Innovation. Neue Ideen - mögen sie auch noch so kurios klingen - wenn ich dahinter ein Weiterkommen sehe, eine Möglichkeit, etwas zu verbessern und sei es auch noch so verrückt, unterstütze ich sie immer gern. Das finde ich toll. Ich finde es anstrengend mit Menschen zu tun zu haben, die sagen: „Das kann nicht funktionieren. Wir haben das schon immer so gemacht. Das geht nicht anders“. Das tut mir weh. Da setze ich mich auch generell zur Wehr, werde auch provokant. Jemand, der Ideen hat, die auch vielleicht nicht ernst genommen werden, kann immer zu mir kommen. Jede Idee ist es wert, durchdacht zu werden.

Ich bin im Lions Club Sondershausen, in dem wir viele tolle Projekte anschieben, um abseits des täglichen Geschäftsalltags zu helfen. Ich bin sportlich aktiv, versuche auch stets Menschen für den Sport zu begeistern oder in der Gesellschaft aktiv zu werden. Eine geschäftliche Vernetzung ist sicherlich für einen Unternehmer ganz wichtig, aber es geht auch um die gesellschaftliche Vernetzung, sei es über Sport, Vereine oder durch andere Hobbys. Menschen, die sich mitteilen können, die das, was sie auch in ihrer Freizeit mit Enthusiasmus tun und mit Feuer ausleben, die geben das weiter und reißen andere Menschen mit, begeistern sie. Das ist meistens der Funke zu etwas ganz Großem.

Was sind denn Ihre Hobbys?

Ich bin im Nordhäuser Sportverband, Sektion Boxen, unterwegs. Dort haben wir eine tolle Sportgruppe, nicht nur Boxen sondern auch Fitness im Allgemeinen. Ich engagiere mich außerdem im Fliegerclub Nordhausen.

Was bedeutet Ihnen dieser Sport?

Es geht um die Bewegung, um die Koordination und um das fit halten. Es geht darum, drei, vier Mal die Woche auch über seine körperlichen Leistungsgrenzen hinaus zu gehen, den Kopf frei zu bekommen. Wir sind eine tolle Sportgruppe im Alter von 20 bis 75 - also querbeet. Und somit geht es nicht nur um das Körperliche, sondern auch um den Austausch, die freundschaftlichen Verbindungen. Das möchte ich nicht missen.

Nehmen Sie uns doch einmal mit durch einen ganz gewöhnlichen Tag Ihrer Woche!

Der Tag beginnt früh um fünf. Ich müsste nicht um fünf Uhr anfangen, aber in der Früh kann ich den Tag richtig genießen. Ich komme langsam rein, mache mich fertig. Ich schaue meine ersten E-Mails durch und fahre ins Büro, mache dort noch zwei, drei Kleinigkeiten. Ja und dann geht so der alltägliche Wahnsinn los. Kundenbesuche, Angebote, Planungen, Abläufe koordinieren, Materialbestellungen und Konflikte schlichten. Da findet sehr viel am Telefon und ganz viel im Auto statt. Wir sind ein tolles Team, in dem wir uns gegenseitig ergänzen und jeder seine besonderen Kompetenzen und Präferenzen hat. So sind wir unterwegs bis zum späten Nachmittag, manchmal auch abends. Das Privatleben findet zwischendurch statt. Ich kann das auch gar nicht klar abgrenzen. Das möchte ich auch gar nicht. Für mich ist es so: der Tag beginnt und ich liebe meine Arbeit. Die Arbeit ist Alltag und der Alltag ist die Arbeit.

War früher alles besser?

Ganz schwierig. Ich könnte auch genauso gut sagen: „Es ist gut, so wie es ist, aber es wird nie so, wie es mal war“. Das kann ich dann so oder so sehen, als Optimist oder als Pessimist. Es war früher mit Sicherheit alles langsamer, es war früher bedachter. Wenn ich mich an das Faxgerät erinnere: da konnte ich wirklich erst einmal ins Büro fahren, das Fax war angekündigt, ich habe das Fax gelesen und ich habe auch nicht sofort reagiert. Heute passiert alles in Echtzeit. Eine E-Mail möchte sofort beantwortet werden. Es gibt kaum noch Schonfristen dafür. Genauso ist es mit Rückrufen. All' das möchte ich gerne bedienen. Aber das kann ich einfach nicht, das ist mir nicht mehr möglich. Vieles muss ich auch delegieren. Wichtig ist, und das ist für mich immer schon das A und O gewesen: Zuverlässigkeit. Wir stehen zu dem, was wir sagen, bedingungslos auch wenn es weh tut. So soll auch wirklich jeder einen Rückruf, jeder eine Antwort bekommen. Wir wollen nicht irgendetwas erdrücken durch platt sitzen oder aussitzen, sondern wir wollen, dass Probleme gelöst werden, dass sie angegangen werden mit Sinn und Verstand. Jedem Kunden wollen wir das Gefühl geben, dass er besonderes ist. Egal wie groß oder klein der Auftrag ist, jeder soll das Gefühl haben, dass wir das gerne tun.

Also nein, früher war nicht alles besser und das ist auch gut so. Ich kann genauso gut sagen, es ist schön, dass wir jetzt rund um die Uhr erreichbar sein können.  Ich selbst kann es doch beeinflussen. Wichtig ist nur, dass Aufgaben wirklich auch aufteilt werden. Der Pinguin kann nicht fliegen und ich muss es ihm auch nicht beibringen. Und wenn ich jemanden habe, der es besser kann als ich, dann gebe ich das gerne weiter. Er oder sie erledigt das dann mit Sicherheit in viel kürzerer Zeit. Und ich bin froh, dass wir aus der Vergangenheit heraus Schwung holten, dass wir viele Dinge verbesserten, dass wir unsere Ideen einbringen konnten und auch viele Dinge vereinfachten. Ich glaube, dass wir an Vielem, was uns jetzt noch viel Zeit und Nerven kostet, wachsen werden und es besser meistern. Die Jugend geht damit ganz anders um. Vielleicht ist sie auch der Schlüssel und wir sollten diese Möglichkeiten für uns nutzen und daraus den unternehmerischen Erfolg generieren.

Was ist Ihr Lieblingsessen?

Mein Lieblingsessen sind Nudeln. Die sind schnell zu machen und genialer Energieträger – Nudeln, am besten scharf.

Was möchten Sie uns noch mit auf den Weg geben?

Ich finde es toll, dass es diese Kampagne gibt. Denn ich glaube, das ist die Schlüsselaufgabe, die in den nächsten Jahren auf uns wartet: Wir müssen junge Leute motivieren, ins Handwerk einzutreten, Unternehmen zu übernehmen und erfolgreich weiterzuführen, darin auch eine Berufung zu finden. Ich glaube, das hat uns auch schon immer ausgemacht, dass wir in unserer Heimat mit Ideen, mit Mut, Ausdauer und mit Besonnenheit das aufbauen konnten, dass wir erwachsen konnten, aus dem was uns übergeben wurde und dass wir es verbessert haben. Und jetzt heißt es, dass wir das, was vielleicht falsch gemacht worden ist, korrigieren in eine Richtung, die für uns Unternehmer  wichtig ist. Daraus das Beste machen, um junge Leute mitzureißen, zu begeistern und mit auf die Reise zu nehmen.